Der Verband Deutscher Sportfischer wählt jährlich
einen einheimische Fischart zum Fisch des Jahres. Durch die Wahl soll besonders
auf vom Aussterben bedrohte Arten aufmerksam gemacht werden, die durch
den Einfluss des Menschen, sei es Verbauung der Flüsse, Gewässerverschmutzung
oder Überfischung, stark dezimiert wurden.
Fisch des Jahres 2003 - die Barbe (Barbus barbus)
Diese Fischart gehört zu den wandernden Fischarten.
Sie kommt außer in Skandinavien, Dänemark, Schottland und Irland
in fast ganz West- und Mitteleuropa vor.
Die Barbe ist heute stark gefährdet, durch Verbauungen,
die die Substratverhältnisse in den großen Flüssen
stark verändert haben.
Der Körper ist schlang, die Schwanzflosse tief gekerbt.
Am Maul sind zwei Paar Barteln. Die Tier werden 50 bis 60 cm lang.
Als Nahrung dienen Wasserinsekten, Mückenlarven,
Würmer, Schnecken, gelegentlich Fischbrut. Nach dieser Fischart ist
der Mittellauf von Flüssen als Barbenregion benannt. Die Art benötigt
sauerstoffreeiches, fliessendes Wasser.
In der Laichzeit von Mai bis Juli zeigen die erwachsenen
Männchen einen deutlichen Laichausschlag. Die Tiere ziehen in Schwärmen
flußaufwärts. Das Weibchen legt 3.000 bis 9.000 Eier zwischen
Steinen und groben Kies ab. Durch Gewässerverbauung ist den Tieren
häufig der Weg zu ihren Laichgebieten versperrt.
Fisch des Jahres 2002 - Die Quappe (Lota lota)
Die Art ist die einzige dorschartige, die im Süsswasser
lebt. Sie kann bis 1,20 m lang werden und ist in Europa, Asien und Nordamerika
zuhause. Laicht im Winter von Dezember bis März. Dazu wandern die
Tiere die Flüsse hinauf. Bis zu 3 Millionen Eier werden oft unter
dem Eis frei über Steinen und Kies abgegeben. Die Quappe kommt sowohl
in sauerstoffreichen Seen als auch in Flüssen vor. Sie gilt als guter
Speisefisch. Durch die Zerstörung ihres Lebensraums wird sie in Mitteleuropa
selten und steht auf der Roten Liste.
Die After- und die zweigeteilte Rückenflosse säumen
den langestreckten Körper bis kurz vor die runde Schwanzflosse. Die
Farbe ist gelb-oliv mit einer dunkleren Marmorierung. Charakteristisch
sind Hautlappen über den Nasenlöchern und ein "Barthaar" am Kinn.
Der Fisch lebt räuberisch von Fischen, die er in
der Dämmerung und nachts über dem Boden erbeutet.
Fisch des Jahres 2001 - Der Stör (Acipenser
sturio)
Der Stör wird heute in Zuchtanlagen zur Produktion
von Kaviar gehalten. In der freien Natur ist er bei uns seit den 30er Jahren
ausgestorben. Früher wanderte er Elbe, Rhein, oder und deren Nebenflüsse
zum Laichen hinauf. Hauptsächlich kommt er heute noch im Schwarze
Meer vor wird aber auch hier selten.
Weibchen werden bis 3,5 m lang, die Männchen bleiben
kleiner. Der Körper ist in 5 Reihen mit typischen Knochenplatten versehen.
Der obere Teil der unsymetrischen Schwanzflosse ist länger.Bauch-
und Afterflossen sind hinter der Körpermitte. Der Oberkiefer ist rüsselartig
verlängert und das Maul unterständig mit vier Bartfäden.
Im April bis Juli werden die Eier in Flüssen unter
Steine geklebt. Nach drei Jahren ziehen die Jungfische ins Meer und wandern
im Alter von 7-15 Jahren zurück in die Flüsse um zu laichen.
Als Nahrung dienen wirbellose Bodentiere.
Es wurden verschiedene Versuche gemacht den Stör
wieder anzusiedeln. Ursache für den Rückgang ist besonders die
rücksichtslose Befischung und das Töten laichvoller Weibchen
zur Kaviar-Produktion. Aber auch die Verbauung der Gewässerun die
zunehmende Wasserverschmutzung tragen ihr Teil bei.
Fisch des Jahres 2000 - Der Lachs (Salmo salar)
Mit der Wahl des Fisches wurde verstärkt auf die
Versuche der Wiederansiedelung des Lachses hingewiesen. Durch die Zerstörung
der Laichgebiete in den deutschen Flüssen ist eine Wiederansiedelung
schwierig und erfordert künstliche Anzuchten.
Der Fisch wird bis 1,5 m lang und 30 kg schwer. Er hat
die charakteristische Fettflosse der Salmonidae. Die Farbe und Form wandeln
sich im Laufe der Entwicklung. Die Jungfische sind silbrig oder blaugrün
mit schwarzen oder roten Punkten auf dem Rücken. Sie wandern im Alter
von 2-3 Jahren ins Meer (Atlantik) und kehren nach etwa 3 Jahren zurück
in ihr Geburtsgewässer. Dabei überspringen sie auch meterhohe
Stromschnellen. Schleusen und Wehre, sowie Wasserkraftwerke versperren
ihnen aber heute häufig den Weg. Sie wandern bis 100 km am Tag. Während
der Wanderung nehmen die Tiere ihre Laichfarbe an und werden intensiv rot.
Bei den Männchen bildet sich der Laichhaken am Unterkiefer aus. Kurz
nach der Eiablage verenden die Eltertiere.
Fisch des Jahres 1999 - Der Nordseeschnäpel (Coregonus
oxyrhynchus)
Er kann über 50 cm lang und mehr als 2 kg schwer
werden. Er ist an seiner nasenförmig verlängerten Schnauze und
seiner Fettflosse leicht erkennbar.
Der Schnäpel steigt im Herbst zum Laichen, ähnlich
wie der Lachs, aus dem Meer in die Flüsse auf und wandert als Jungfisch
in die Küstengewässer der Nord- und Ostsee.
Inzwischen sind in einigen Flussläufen Wiedereinbürgerungsmaßnahmen
mit Nordseeschnäpeln durchgeführt worden. Zugleich wurde er unter
vollständigen Schutz gestellt.
Fisch des Jahres 1998 - Der Strömer
Der Strömer kommt vor allem im baden-württembergischen
Rhein- bzw. im bayerischen Donaueinzugsgebiet vor, Vorkommen im mittleren
und nördlichen Deutschland sind nicht bekannt.
Der Strömer wird meist nur bis 20 cm lang. Er ist
ein ausgesprochener Friedfisch, der wie die Äsche - schnellfließendes,
sauberes und sauerstoffreiches Wasser braucht.
Der karpfenartige Kleinfisch laicht in den Monaten März
bis April. Das Weibchen legt seine 6.000 - 8.000 Eier auf feinkörnigen
Kies.
Vor allem wegen der Gewässerverbauungen (Wehre und
Staustufen) wurde der Lebensraum des Strömers z.T. dramatisch verändert,
so dass heute sein Bestand als stark gefährdet angesehen werden muss.
Fisch des Jahres 1997 - Die Äsche (Thymallus
thymallus)
Die Äsche ist in Deutschland eine Fischart, die
klare, sommerkalte und raschströmende Gewässer als Lebensraum
bevorzugt. Ihr Vorkommen ist von ganz bestimmten charakteristischen, ökologischen
Bedingungen ihres Lebensraums abhängig.
Die Empfindlichkeit sowohl gegen Verschlechterungen der
Wasserqualität als auch Unverträglichkeiten des Lebensraums mit
ihren Lebensansprüchen durch z.B. Gewässerverbauung und Stauhaltung
führten in den letzten Jahren zu einem drastischen Rückgang ihres
Bestandes.
Die Äsche ist vor allem im süddeutschen Raum
bestandsbedroht.
Die Rückenflosse der Äsche ist sehr gross.
Auffällig ist auch die Fettflosse. Das Tier wird bis 60 cm lang. Sie
finden sich hauptsächlich in den Oberläufen der Flüsse.
Im März-Mai werden Eier in Mulden im Kies abgegeben.
Fisch des Jahres 1996 - Die Meerforelle (Salmotrutta
trutta)
Die Meerforelle pflanzt sich in den Oberläufen unserer
Flüsse fort, wandert etwa 2- bis 4jährig ins Meer ab, um als
erwachsener Fisch wieder zum Laichen in die Flüsse aufzusteigen.
Größte Bedrohungen dieser in Deutschland noch
vor einigen Jahren fast verschwundenen Fischart waren die Gewässerverschmutzung
und die Stauwehre in den Flüssen.
Unüberwindlich für sie ist der Weg zu den hiesigen
Laichgründen in den Oberläufen der Nebenflüsse von Rhein,
Weser, Elbe und Oder.
Nur wenige kleinere Flüsse in Mecklenburg-Vorpommern,
Schleswig-Holstein und Niedersachsen bieten ihnen ungehindert die Möglichkeit
zur Wanderung flussaufwärts.
Fisch des Jahres 1995 - Der Aal (Anguilla anguilla)
Der Aal laicht im Sargassomeer laicht und erreicht nach
einer Wanderzeit von ca. 3 Jahren als Jungaal (Glasaal) unsere Flüsse.
Mit ca. 10 Jahren wandert er wieder zurück ins Meer.
Die Zahl der Glasaale ist in den letzten Jahre stark
gesunken. Für die Gefährdung des Aals sind vielfältige Einflüsse
ursächlich, wie die auch heute noch vorhandene Belastung unserer Binnengewässer
und vor allem deren Verbauung. Auch der Ausbau einiger Flüsse zu Großschifffahrtsstraßen
und in den Auswirkungen besonders dramatisch, das Betreiben von Wasserkraftanlagen,
Schleusen und Wehren.
Das durch die verschlechterten Lebensbedingungen gehäufte
Auftreten von Krankheiten und Parasitosen, die z.T. aus dem Ausland eingeschleppt
wurden, die Überfischung der Bestände durch die Berufsfischerei,
die in einigen romanischen Ländern vorkommende Verwendung der kleinen
Glasaale als Leckerbissen oder deren Verkauf zur Mast sowie vor allem die
übermäßige Vermehrung von Fressfeinden (z.B. Kormoran),
machen dem Aal überdies das Leben schwer.
Eine künstliche Nachzucht der Aale ist nicht möglich.
Fisch des Jahres 1994 - Die Nase (Chondrostoma nasus)
Dieser Karpfenfisch wird bis 50 cm lang. Der Name leitet
sich vom vorspringenden, dicklippigen Maul ab, das einen Absatz, wie bei
einer Nase erzeugt. Der Körper ist stromlinienförmig und grünlich-blau.
Bauch- und Brustflossen sind rötlich. Die Nase weidet Algen und Wasserpflanzen
von Steinen ab. Die Laichzeit ist im März - Mai. Die Eiablage erfolgt
über Kies und Steinen im fliessenden Wasser.
In vielen Flüssen gilt die Nase als "vom Aussterben
bedroht", in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg als
"gefährdet" und für das Gebiet der neuen Bundesländer sogar
als "ausgestorben". Hauptursache ist die Verbauung der Laichplätze
durch Wehre. Die Nase reagiert sehr empfindlich auf Gewässerverschmutzung.
Rückradverkrümmungen und Erblindungen durch Krankheiten wurden
bei ihr besonders häufig beobachtet.
© Wilstermann-Hildebrand 2009