
News: „Neue“ Fischkrankheiten - VHS und PKD
Echinodorus-Arten im Handel –
Who is who Teil II -
E. amazonicus, E. bleheri, E. paniculatus
und
E. parviflorus
Algen – Freund oder Feind? - Teil I: Allgemeines und Grünalgen
Pflanzenportrait: Aegagropila linnaei
Vorschau auf den nächsten Newsletter
News: „Neue“ Fischkrankheiten - VHS und PKD
Zwei Fischkrankheiten, die beide bereits seit mehreren Jahrzehnten bekannt sind, verursachen in den letzten Jahren verstärkt für Krankheitsfälle in Wildbeständen.
VHS heißt der Rhabdovirus, der erstmals 2005 in
den großen Seen in den USA und Kanada gefunden wurde. Die Abkürzung
steht für Viral Hemorrhagic Septicemia. Zu den Symptomen gehören
Blutergüsse der Haut und Blutungen in den Augen. Die Fische sterben
an inneren Blutungen. Der Virus verursacht Fischmassensterben in Lake Erie,
Lake Ontario und anderen großen Nordöstlichen Seen der USA.
Der Virus ist auch in Europa bekannt seit dem 27.3.1995
besteht in der BRD eine Anzeigepflicht für VHS. Gefunden wurde der
Erreger aber bereits 1938. In Europa stellt die VHS, neben IHN (Infektiöse
Hämatopoetische Nekrose), die wichtigste Viruserkrankung in der Zucht
von Regenbogenforellen dar. Es gibt verschiedene Serotypen, die nicht alle
die gleichen Fische infizieren. Besonders anfällig sind Regenbogenforellen
(Oncorhynchus mykiss). Aber auch Bachforellen (Salmo trutta fario),
Äschen (Thymallus thymallus) und Hechte (Esox lucius)
können mit dem für Bachforellen gefährlichen Virus infiziert
werden. Allerdings führt er bei diesen Arten nicht unbedingt zu einem
Krankheitsausbruch. Die Fische verbreiten den Virus aber trotzdem. Auch
Meeresfische können mit dem Virus infiziert werden und in übertragen.
Bisher waren nur aus Fischzuchten Massensterben bekannt.
Im Jahr 2005 wurde der Virus aber zum ersten Mal im Lake Erie, Lake Ontario
um Lake Huron und Lake Niagara nachgewiesen. Da der Virus eine neue Bedrohung
für die Fischwelt in den großen Seen darstellt fehlt den Fischen
jede Immunabwehr.
Im März und April 2007 wurden mehrere tausend
Hechte (Esox masquinongy) im Lake St. Clair von dem Virus getötet.
Im Lake Erie starben vermutlich 100.000 Süßwassertrommler
(Aplodinotus grunniens) und tausende Gelbbarsche (Perca flavescens)
im Frühjahr an dem Virus. Im Lake Ontario waren es im Mai 25.000 Round
Gobies (Neogobius melanostomus). Auf Menschen ist VHS nicht übertragbar,
bedroht aber mittlerweile mehr als 30 verschiedene Fischarten Nordamerikas.
Es wird vermutlich über Köderfische und Booten verbreitet.
PKD (Proliferative Kidney Disease) ist eine Nierenerkrankung,
die durch einen Parasiten verursacht wird. Wirklich neu ist die Krankheit
nicht. Sie wurde in Gewebeproben aus dem Jahr 1958 nachgewiesen. Bisher
waren allerdings vor allem Tiere aus Fischzuchten mit hohen Bestandsdichten
bekannt. Bis zu 100% der Tiere werden infiziert, bis zu 80% der Bestände
sterben. In den letzten Jahren tritt sie aber auch zunehmend im Freiland
im Freiland auf. Betroffen sind vor allem Salmoniden. Vor allem die Regenbogenforelle
(Oncorhynchus mykiss) ist die am häufigsten infizierte Art.
Aber auch Bachforelle (Salmo trutta), Bachsaibling (Salvelinus
fontinalis), der Atlantische Lachs (Salmo salar), die Äsche
(Thymallus thymallus), der Hecht (Esox lucius) und
andere Arten werden infiziert.
Der Parasit Tetracapsuloides bryosalmonae wurde 2002
beschrieben. Er stellt die einzige Art der Gattung dar. Die Myxozoa-Parasiten,
zu denen die Art gehört, benötigen für ihren Entwicklungszyklus
Wirbellose. Erst 1996 konnte die DNA des Parasiten in den Moostierchen
Cristatella
mucedo, Pectinatella magnifica und Plumatella rugosa
nachgewiesen werden. Damit ist der Entwicklungszyklus geklärt worden.
Krankheitssysmptome sind äußerlich kaum sichtbar.
Geringe Zuwächse können ein Anzeichen sein. Niere und Milz sind
vergrößert. Hauptsächlich werden die Fische im Mai und
Juni infiziert. Die Krankheit bricht dann etwa 12 bis 16 Wochen nach der
Infektion im Juli und September auf.
Echinodorus-Arten im Handel – Who is who Teil II – E. amazonicus, E. bleheri, E. paniculatus und E. parviflorus
Die Amazonas-Schwertpflanzen gehören zu den beliebtesten
tropischen Froschlöffeln überhaupt. Diese großen Pflanzen
mit ihren hell grünen Blättern hat vermutlich jeder Aquarianer
irgendwann einmal kultiviert. Die Pflanzen sind anspruchslos, gutwüchsig
und stabil. Sie werden von Welsen gerne als Ruheplatz genutzt und dienen
Skalaren und anderen Fischen als Laichsubstrat. Es werden drei Formen von
Amazonas-Pflanzen im Handel angeboten – alle drei sind Formen von Echinodorus
grisebachii. Allerdings gehört der allseits bekannte Echinodorus
paniculatus nicht dazu. Diese Art gehört in einen anderen Verwandtschaftskreis.
Bereits 1994 wurden Echindorus amazonicus, E.
bleheri und E. parviflorus von Haynes und Holm Nielsen als Formen
von Echindorus grisebachii identifiziert. In der Aquaristik konnte
sich die Zusammenfassung der Formen unter einem Namen jedoch nicht durchsetzen,
weil die Formen sich zu deutlich unterscheiden.
Die größte und breitblättrigste Form
ist Echinodorus bleheri. Diese wird oft auch als E. paniculatus
angeboten, weil die Überwasserform der Variante einmal falsch bezeichnet
wurde. Der echte Echinodorus paniculatus
hat aber langgestielte, schmale Blätter, die unter Wasser fast bandförmig
werden. Echinodorus bleheri dagegen hat breit lanzettliche Blattspreiten,
die sich über und unter Wasser kaum unterscheiden.
Echinodorus bleheri ist die typische
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Echinodorus amazonicus
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Die Pflanzen wurden 1970 zu Ehren von Amanda Bleher benannt,
die zu der Zeit mit ihrer Wasserpflanzengärtnerei Lotus Osiris in
Brasilien den Import vieler neuer Pflanzen nach Europa ermöglichte.
Da der Artname sich auf eine Frau bezieht müsste nach den Regeln der
internationalen Nomenklatur der Artname „bleherae“ lauten. Allerdings hat
sich der von Rataj ursprünglich „falsch“ vergebene Name derartig eingebürgert,
dass es unmöglich ist den wissenschaftlich Richtigen heute noch durch
zu setzen.
Die Herkunft dieser Form ist nicht bekannt. Chromosomenuntersuchungen
haben ergeben, dass es sich um eine triploide Pflanze mit 33 Chromosomen
handelt. Das bedeutet, dass der Chromosomensatz nicht doppelt (einmal Mutter
plus einmal Vater) vorliegt, sondern ein zusätzlicher, vollständiger
Chromosomensatz vorhanden ist. Das kann vorkommen, wenn Störungen
bei der Teilung der Keimzellen auftreten. Triploide bzw. polyploide Pflanzen
sind in der Regel größer als diploide. Sie sind meist aber aus
steril, weil die Chromosomen bei der Bildung von Keimzellen nicht gleichmäßig
verteilt werden können. Auch Echinodorus bleheri produziert keine
keimfähigen Samen. Dafür ist die vegetative Vermehrung über
Ableger stark ausgeprägt. Eine Eigenschaft, die die starke Verbreitung
der Pflanzen in der Aquarienkultur vorangetrieben hat.
Über Wasser sind die hell grünen Pflanzen etwa
40 cm hoch. Die Blattstiele sind bis 25 cm lang und damit oft länger
als die Spreite. Diese ist 10 bis 16 cm lang und 4 bis 6,5 cm breit. Manchmal
sind sie leicht seitwärts gebogen oder etwas gewellt. Das Verhältnis
der Spreitenbreite zur Länge beträgt 1 : 2,2 bis 2,8. Unter Wasser
werden die Spreiten zwischen 14 und 26 cm lang und 6 bis 9 cm breit. Die
Blattstiele können bis zu 30 cm lang werden. Das Verhältnis von
Blattlänge zu Blattbreite verschiebt sich auf 1 : 2,8 bis 3,5.
Das heißt die Blätter werden in der Unterwasserkultur im Verhältnis
zu ihrer Breite länger.
Die zweite Form ist Echindorus amazonicus. Sie
wurde ebenfalls 1970 von Rataj beschrieben. Der Artname bezieht sich auf
das Verbreitungsgebiet im Einzugsgebiet des Amazonas (Brasilien).
Über Wasser sind die Pflanzen 10 bis 30 cm hoch.
Die Blattstiele können doppelt so lang sein wie die lanzettliche Spreite.
Unter Wasser werden die Pflanzen 30 bis 50 cm hoch. Die Blattstiele sind
dann mit etwa 10 cm deutlich kürzer als bis zu 40 cm langen Spreiten.
Diese sind oft in sich etwas säbelartig seitwärts gebogen. Die
Blüten haben einen Durchmesser von etwa einem Zentimeter. Die Vermehrung
erfolgt über Samen und Adventivpflanzen an den Blütenstandstielen.
Die Pflanzen haben einen diploiden Chromosomensatz von 22 (2n = 22). Die
Pflanzen lassen sich gut im Aquarium kultivieren. Sie stellen keine besonderen
Ansprüche an die Wasserverhältnisse und wachsen gut bei 24 bis
28 °C.
Die dritte Form ist Echindorus parviflorus. Auch
diese wurde zusammen mit den anderen von Rataj beschrieben. Der Artname
„parviflorus“ bezieht sich auf die kleinen Blüten, die aber nicht
nur für diese Form, sondern für alle Typen von E. grisebachii
typisch sind. Wie bei Echinodorus bleheri ist auch für diese Varietät
kein Fundort bekannt.
Echinodorus parviflorus
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E. parviflorus ´Tropica´ist
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Über Wasser ist de Pflanze auffallend steif. Die
mittel grünen Spreiten sind oft etwas bullos, weil sich die Interkostalflächen
zwischen den Blattadern nach oben wölben. Dadurch sind die Adern
auffallend hervorgehoben. Die Pflanzen wachsen im Gewächshaus langsamer
als die anderen Formen und bilden weniger Adventivpflanzen. Daher ist diese
Form seltener im Handel.
Die Pflanze wurde als „Schwarze Amazonas“ bekannt. Diesen
Namen hat sie daher, dass die Queradern in den Blättern der Jungpflanzen
dunkelbraun bis schwärzlich sein können. Im Aquarium wächst
die Pflanze gut bei Temperaturen zwischen 24 und 28 °C, ohne besondere
Ansprüche an die Wasserbedingungen. Bei Beleuchtungsdauern über
12 Stunden (Langtag) werden kurze Blattstiele und lange Blattspreiten gebildet.
Unter Kurztagbedingungen werden die Blattstiele länger und die Spreiten
kürzer. In der Literatur wird angegeben, dass sich unter Wasser Adventivpflanzen
nur im Kurztag (unter 12 Stunden Beleuchtung) entwickeln. Das widerspricht
jedoch unseren eigenen Beobachtungen. Auch bei einer Beleuchtungsdauer
von 15 Stunden werden Adventivpflanzen gebildet.
Unter dem Namen Echindorus parviflorus ´Tropica´
- oder fälschlich auch als „E. opacus“ ist seit 1985 eine Selektion
auf dem Markt, die sehr langsam wächst und klein bleibt. Die Blattspreite
ist zwischen 6 und 10 cm lang und 3 bis 5 cm breit. Wie bei der Normalform
sind sie auch bei dieser Selektion etwas bullös. Die Blätter
haben eine bespitzten Spitze. Die Pflanzen werden über Wasser maximal
25 cm hoch, meistens erreichen sie kaum 15 cm. Unter Wasser sind
es selten 10 cm. Diese Pflanzen sind sehr langsam im Wachstum und benötigen
im Aquarium viel Licht und Dünger.
Die ursprünglich als Echinodorus grisebachii
beschriebene
Pflanze wurde von Small 1909 beschrieben und zu Ehren eines deutschen Botanikers
(H.R.A. Grisebach, 1814-1879) benannt. Sie ist sehr häufig in Mittel-
und Südamerika anzutreffen. Über Wasser sind die Pflanzen 10
bis 30 cm hoch. Die Blattstiele sind 2 bis 23 cm lang. Die lanzettlichen
Blattspreiten erreichen eine Größe von etwa 5-12 cm Länge
und 1,5 bis 6 cm. Breite, Unter Wasser werden die Blätter mit bis
zu 60 cm deutlich länger. Die Blattspreite ist linealisch bis bandförmig
und transparent mittel- bis dunkelgrün. Sie wird etwa 40 cm lang und
0,5 bis 4 cm breit. Es wurde eine Chromosomenzahl von 2 n = 22 ausgezählt.
Die Pflanzen sind in der Kultur über Wasser schwierig
und werden darum nicht in Gärtnereien vermehrt. Unter Wasser wachsen
die Pflanzen an einem freien Standort, in gedüngtem Substrat bei pH-Werten
zwischen 5,8 und 7,5 recht gut. Die kurz gestielten, langen schmalen Blätter
bilden einen schönen Blickfang. Leider wird die Art nur selten importiert
und ist darum so gut wie nicht im Handel erhältlich.
Es gibt also drei Formen von Echinodorus grisebachii
im Handel, die als E. bleheri, E. amazonicus und E. parviflorus
angeboten werden. Echindorus paniculatus
ist eine andere, nicht verwandte Art. Früher wurde E. bleheri fälschlich
unter diesem Namen verkauft.
Alle drei Formen wachsen im Aquarium gut und sind empfehlenswerte,
groß werdende Aquarienpflanzen. Sie bilden auch unter Wasser Adventivpflanzen
und lassen sich darum im Aquarium problemlos vermehren. Sie sind alle drei
sehr empfehlenswerte Pflanzen.
Algen – Freund oder Feind? – Teil I: Allgemeines und Grünalgen
Wer sich schon Mal über Algen im Aquarium geärgert
hat, wird Algen als feindliche Invasoren einstufen, die sorgsam gepflegte
submerse Grünanlagen als Unkraut überwuchern. Wer sich mit Biotechnologie,
Krebsforschung, Kosmetik oder Aquakultur beschäftigt, wird viele positive
Aspekte an Algen finden.
Außerdem werden Algen schon heute als Lebensmittel
der Zukunft propagiert. Wussten Sie zum Beispiel, dass es Würste gibt,
die über Algen geräuchert werden? Oder kennen sie vielleicht
Algenbrot?
Algen sind bekanntlich vielgestaltige, anpassungsfähige
Lebewesen. Etwa 400.000 Arten gibt es. Der Begriff bezeichnet Organismen,
die Photosynthese mit Hilfe von Chlorophyll oder anderen respiratorischen
Pigmenten betreiben und sich über Sporen fortpflanzen. Diese Eigenschaften
findet man bei Arten aus dem Reich der Pflanzen (Plantae), Prokaryonten
(Monera), Eukarionten (Protista), Pilze (Fungi) und der Tiere (Animalia).
Einige dieser Organismen bewegen sich mit Hilfe von Geißeln oder
Wimpern fort.
Ein Teil der Algen lebt an Land, auf feuchter Erde oder
auf der Rinde von Bäumen. Auf einem einzigen Ast können es bis
zu 50 verschiedene Arten sein. Einige davon leben mit Pilzen in Symbiose
und formen Flechten (Lichenophyta). Es gibt keine brauchbare Systematik
für diese Chimären, weil die Entwicklungszyklen der Pilze sich
in Verbindung mit den symbiotischen Algen verändern. Mit verschiedenen
Algen bilden die Pilze unterschiedlich geformte und gefärbte Flechten.
Hauptsächlich bilden Grünalgen oder Blaualgen zusammen mit Schlauchpilzen
(Ascomyceten) oder Ständerpilzen (Basidiomyceten) die Thalli der Flechten.
Die Alge übernimmt dabei die Funktion der Energiegewinnung aus dem
Sonnenlicht und versorgt den Pilz mit Energie, Eiweißen und Zuckern,
während der Pilz Wasser und anorganische Nährstoffe sammelt und
speichert.
Für uns sind aber vor allem die Wasserlebenden Algen
von Interesse. In diesem ersten Teil über Algen soll es nun vor allem
um Grünalgen gehen.
Grünalgen sind allgegenwärtig. Stellt man ein
Glas mit Wasser auf die Fensterbank, werden sich nach wenigen Tagen grüne
Algenbeläge darin bilden oder das Wasser selbst durch Schwebealgen
grün werden. Eine einzelne Algenspore ist ausreichend um ein neues
Gewässer zu besiedeln. Dabei ist es gleichgültig ob es sich um
Leitungswasser in einem Glas oder Aquarium handelt oder um Regenwasser
in einem Hufabdruck. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang und Bestandteil
der natürlichen Entwicklung von Gewässern. Algen sind Primärproduzenten,
die aus Licht, Wasser, Kohlendioxid und anorganischen Nährstoffen
Eiweiße, Zucker, Vitamine und andere organische Verbindungen herstellen.
Diese Fähigkeit teilen sie mit höheren Pflanzen diese entwickeln
und vermehren sich aber wesentlich langsamer.
In Klötze, einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt,
steht ein so genannter Photobioreaktor. In einem langen System aus lichtdurchlässigen
Röhren fließt Wasser in dem in Reinkultur die Grünalge
Chlorella
vulgaris wächst. Diese kleine Schwebealge bildet täglich
4 bis 16 Tocherzellen. Auf diese Weise entstehen in dem Bioreaktor jährlich
50 Tonnen verwertbare Pflanzenmasse pro Jahr und Hektar. Die konventionelle
Landwirtschaft erzielt mit Hochleistungsweizen nur 4 bis 6 Tonnen pro Hektar
und Jahr. Nun wissen wir alle, dass aus Weizen Mehl und aus Mehl Brot wird.
Aber worin liegt der Wert von 50 Tonnen Chlorella?
Chlorella ist ein gutes natürliches Nahrungsergänzungsmittel.
In der Regel werden aus dem Algenpulver Tabletten hergestellt. Es kann
aber in Pulverform Nahrungsmittel zugesetzt werden. In Klötze wird
zum Beispiel ein Algenbrot gebacken, das 3 % Chlorella enthält.
Auch als Futter für Zierfische ist Chlorella interessant. Sie
enthält etwa 50 % Proteine, 5 % Kohlehydrate und 10 bis 15 % Fettsäuren,
von denen viele essentiell für die menschliche Ernährung sind.
70% der enthaltenen Fettsäuren sind ungesättigt. Zusätzlich
produziert die Alge Phytochelate, die Schwermetalle binden. Darum wird
sie bereits seit einiger Zeit bei der Behandlung von Amalganvergiftungen
genutzt. Aber die positiven Effekte reichen weiter. Etwa 3 g pro Tag verbessern
bei einem Menschen mit einem Körpergewicht von 75 kg (Modellmensch
der Medizinstatistik) Hautkrankheiten, senken den Blutdruck, wirken gegen
Diabetis II und reduzieren die Infektionsanfälligkeit. Es macht Sinn,
dass solche vielseitigen Organismen als erste ein neues Ökosystem
besiedeln. Die nachfolgenden Tiere und Pflanzen finden nicht nur die Alge
als Nahrung, sondern auch ein besseres Milieu vor.
Eine weitere wirtschaftlich interessante Grünalge
ist die bekannte Spirulina, die man ebenfalls in Nahrungsergänzungsmitteln
und Fischfutter findet. Eine Mischung aus Magerjoghurt und Algenpulver
soll bei L-Welsen (Loricidae) die Darmflora verbessern.
Weit weniger beliebt sind die meisten anderen der etwa
13.000 bekannten Grünalgenarten. Dabei sind Algen in jeder Hinsicht
wichtig für den Menschen und alle anderen Lebewesen. Es wird geschätzt,
dass etwa 50 % des Sauerstoffs unserer Atmosphäre von Algen produziert
und etwa 40 bis 50 % des Kohlendioxids assimiliert werden.
Algen geben aber nicht nur Sauerstoff ab, sondern auch
Polysaccharide (Zucker), Vitamine, Eiweiße, Enzyme, RNS, DNS und
phenolische Substanzen. Diese Stoffe dienen Mikroorganismen als Nahrung.
Sie fördern oder hemmen aber auch andere Lebewesen in ihrer Umgebung.
Marine Rotalgen hemmen zum Beispiel Pilze, pathogene Bakterien andere Algen
und Cyanobakterien. Nicht alle Algen sind in der Lage Vitamin B12, Thiamin
und Biotin selbst zu produzieren. Andere produzieren wiederum diese Substanzen
im Überschuss, geben sie ans Wasser ab und ermöglichen es den
anderen Arten in ihrer Nähe zu wachsen. Wieder andere Algen produzieren
Glycoproteine, die die Vitamine im Wasser binden und für andere Algen
unerreichbar machen. So verdrängen sie die Arten ohne eigene Vitaminproduktion.
Im Entwicklungsverlauf von Ökosystemen kommt es darum auch immer wieder
zu Wechseln in der Artzusammensetzung.
Ein gutes, wenn auch negatives, Beispiel ist die Invasion
von Caulerpa-Arten im Mittelmeer. Grundlage der Nahrungskette im
Mittelmeer ist das Seegras Posidonia. Gerade dieses wird nun von
der Grünalge verdrängt. Darum wird die Alge nun intensiv wissenschaftlich
untersucht. Caulerpa racemosa ist eine subtropische Alge, die
eigentlich nur bei Temperaturen um 25 °C leben kann. Die Pflanzen,
die durch den Suezkanal ins Mittelmeer eingewandert sind, sind allerdings
mutiert und wachsen nun auch noch bei Temperaturen um 7°C. Dadurch
können sie sich problemlos nach Norden ausbreiten. Die Ausbreitung
geht schnell voran, weil diese Algen durchschnittlich zwischen Frühjahr
und Herbst einen Zentimeter am Tag wachsen. Unliebsame Konkurrenz wird
dabei einfach überwachsen oder mit Hilfe des Toxins Caulerpenin vergiftet.
Extrakte aus diesen fiesen Algen haben mittlerweile eine Wirksamkeit gegen
Krebs gezeigt.
Die Grünalge Chlamydomonas reinhardtii ist
weder kulinarisch noch medizinisch von Interesse. Diese kleine Grünalge
gehört zur Ordnung Volvocales, deren vegetative Zellen mit Geißeln
ausgestattet sind und sich aktiv fortbewegen können. Teilweise werden
Kolonien gebildet. Das bekannteste Beispiel aus der Ordnung ist die Gattung
Volvox,
von der es weltweit 18 und in Europa 2 Arten in Seen und Teichen gibt.
Sie bilden frei treibende, kugelförmige Kolonien aus bis zu 20.000
Zellen, die mit Strängen aus Zellplasma verbunden sind.
Volvox
verursacht auch „grünes Wasser“ in neu eingerichteten Aquarien. Chalamydomonas
reinhardtii ist ebenfalls eine grüne Schwebealge und macht Wasser
grün. Die Art ist das Forschungsobjekt von Dr. Anja Hemschemeier an
der Universität Bochum. Die Alge reagiert nämlich auf Schwefelmangel
mit einer Stressreaktion, die Wasserstoff freisetzt. Das dafür zuständige
Enzym (Hydrogenase) ist so effektiv, dass 40 g davon ausreichen würden
um ein Spaceshuttle innerhalb von 2 Stunden zu betanken. Das einzige Problem
ist die Gewinnung einer so großen Menge des Enzyms aus der winzigen
Alge. 40 g ist wenig im Vergleich zum Spaceshuttle, aber verdammt viel
in Bezug zur Alge!
Aquaristisch erregen Grünalgen aber eher weniger
unser positives Interesse. Der Algenball oder Moosball, der unter dem Namen
Cladophora
aegagropila in unsere Aquarien kam, ist da eine Ausnahme. Diese fädige
Grünalge bildet stark verknäulte Bälle, die wegen ihrer
ungewöhnlichen Form interessante gestalterische Akzente setzen. Der
aktuellen Nomenklatur folgend heißt die Art heute Aegagropila
linnaei. Sie wird im Pflanzenporträt dieser Newsletter-Ausgabe
näher vorgestellt. Eine andere Ausnahme ist das Wassernetz Hydrodictyon
reticulatum. Diese Alge gehört zu den Hydrodictyaceae. Sie kommt
in Seen Teichen und Flüssen vor. Sie bildet Kolonien, aus vielen tausend
Zellen, die in einem sackförmigen Netz angeordnet sind. An jedem „Knoten“
dieses Netzes treffen in der Regel drei schlauchförmige, etwa 1 cm
lange Zellen aufeinander. Auf diese Weise bilden sich wabenförmige,
vier, sechs- oder achteckige Maschen. Jede Zelle hat zahlreiche Zellkerne.
Innerhalb der Zellen entstehen bis zu 20.000 begeißelte Zoosporen,
die sich bereits in der Mutterzelle zu einem Netz anordnen. Durch das Zerreißen
der Membran der Mutterzelle, wird das Netzchen frei und wächst schnell.
Sie treiben frei im Wasser und können etwa 20 cm lang werden. Sie
kommen in sauberen bis mäßig verschmutzten Gewässern vor.
Diese Alge ist interessant zu beobachten, aber für die Aquaristik
bisher ohne Bedeutung. Die Algen lassen sich leicht auf der Fensterbank
kultivieren.
Ein Netz von Hydrodictyon reticulatum |
Zellen von Hydrodictyon reticulatum |
Wichtiger sind die Arten, die sich im Aquarium schnell
vermehren und unseren kultivierten Aquarienpflanzen das Licht und die Nährstoffe
streitig machen. Zum Anfang sind es vor allem grüne Schwebealgen.
Diese nutzen die Nährstoffe und das Licht effektiv aus und haben eine
schnelle Vermehrungsrate. Es bildet sich grünes Wasser. Das ist nicht
schön, verschwindet aber in der Regel nach einiger Zeit von allein.
Es ist nur mit einem Diatomeenfilter möglich die kleinen Algen aus
dem Wasser zu filtern. Ihnen die Nährstoffe zu entziehen, in dem man
das Wasser über Aktivkohle filtert, ist zwar möglich, aber nicht
sinnvoll. Die Nährstoffe werden ja auch von unseren Aquarienpflanzen
benötigt. Das gilt natürlich auch für alle anderen Grünalgen.
Eine weitere Bekämpfungsmöglichkeit ist der Einsatz von Algenbekämpfungsmitteln.
Diese enthalten in der Regel Kupfer, teilweise auch ein Herbizid – also
einen Unkrautvernichter – mit Namen Atrazin. Daraus ergeben sich gleich
zwei Probleme. Das eine ist das Kupfer, das andere das Atrazin. Kupfer
ist giftig für Mikroorganismen, wie wir sie im Filtermedium sorgsam
pflegen. Nitrifizierende Bakterien benötigen wir dringend um Nitrit
zu Nitrat umzubauen. Mit Kupfer töten wir sie ab. Nebenbei bemerkt:
Mit dauerhafter Filterung über Aktivkohle hungern wir sie aus. Kupfer
ist auch giftig für Schnecken, Garnelen, Krebse, Vallisnerien und
Wasserpest.
grünes Wasser in einem Aquarium |
Schwebealgen aus einer Wasserprobe
|
Nicht anders verhält es sich mit dem Atrazin. Es wurde in der Landwirtschaft bereits vor etwa 15 Jahren verboten. Seine Abbauprodukte finden sich aber wegen der langen Halbwertzeit heute noch immer in einigen Grundwassserbrunnen. Der Einsatz gegen Algen im Aquarium und Gartenteich ist blanker Hohn, wenn man bedenkt, dass dieses Mittel als „Gesundheitsschädlich“ und „Umweltgefährlich“ eingestuft wurde. Es tötet Fischnährtiere. Dazu gehören zum Beispiel Krebstiere wie Wasserflöhe, Insektenlarven und Schnecken.
Man findet diese Substanz zum Beispiel unter den Namen
Aktikon, Alazine, Azinotox, G-30027, Gesaprim, Malermais, Simazat und Weedex
in den Beipackzetteln. Ein neues Gesetzt zwingt übrigens in Zukunft
die Hersteller die Inhaltsstoffe anzugeben. Möglicherweise werden
dann einige „Algenmittel“ vom Markt verschwinden. Es gibt Untersuchungen,
die nachweisen, dass die Konzentration von Atrazin bei einer Wirkung gegen
Algen so nahe an der tödlichen Konzentration für manche Wasserpflanzen
liegt, dass der Unterschied zwischen toten Algen und toten Vallisnerien
in einem 100-Liter-Becken etwa einen Tropfen ausmacht. Am 31. Oktober 1986
kam es beim Chemiekonzern Ciba-Geigy zu einem Unfall, bei dem 400 Liter
Atrazin mit dem Abwasser in den Rhein gelangten. Ein weiterer Chemieunfall
bei Sandoz in der Nähe von Basel einen Tag später verursachte
zusammen mit diesem Zwischenfall ein Fischsterben. 400 km des Rheins waren
danach frei von Aalen.
oben: borstige, harte Fadenalge rechts oben: schleimige Fadenalge rechts unten: mikroskopische Aufnahme
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![]() |
Grünalgen sind Pflanzen und jeder Versuch sie chemisch
zu bekämpfen schadet auch unserer bewusst eingesetzten Aquarienpflanzen!
Tatsächlich sagt man, dass Grünalgen optimales Pflanzenwasser
anzeigen. Das ist natürlich nur ein geringer Trost. Gegen festsitzende
Algen aller Art, zum Beispiel gegen Punktalgen an den Scheiben und gegen
die harten Krusen auf den Blättern von Anubias helfen Rennschnecken.
Die Tiere schaben Grünalgen und Kieselalgen von jeder Unterlage ohne
dabei die Pflanzen zu schädigen. Gegen Fadenalgen lassen sich gut
Amanogarnelen (Caridina multidentata, früher Caridina japonica)
und andere Zwerggarnelen einsetzen. Auch Apfelschnecken (Pomacea bridgesii)
haben eine gute Wirkung. Wie gut die Wirkung ist, hängt natürlich
vom Verhältnis der Algenmenge zu den Tieren ab. Peter Schneider empfiehlt
zum Beispiel Posthornschnecken zur Bekämpfung von Pelz- oder Samtalgen.
Allerdings gibt er zu, dass man mindestens 35 ausgewachsene Tiere für
ein 100 Liter Aquarium benötigt bzw. 120 für ein 300 Literbecken.
Die Tiere vermehren sich rasant und werden danach selbst zur Plage. Besser
geeignet sind einige Fische wie der Florida-Kärpfling (Jordanella
floridae). Dieser frisst aber auch feinfiedrige Pflanzen an. Auch Prachtbarben
(Barbus conchonius) fressen Fadenalgen. Diese Tiere werden aber
zwischen 8 und 15 cm lang und eignen sich nur für größere
Aquarien. Sie fressen die Algen auch nur, wenn sie sie als Jungtiere (bis
2 cm Länge) kennen lernen. Ebenfalls ein Algenfresser ist Garra rufa.
Es gibt eine Reihe weiterer Tiere, die Algenbeläge mehr oder weniger
gut und schnell abweiden. Welches davon in welches Aquarium passt hängt
neben den Wasserwerten natürlich auch von den Mitbewohnern ab. Beispielsweise
lassen sich Schnecken ganz schlecht mit Kugelfischen und Prachtschmerlen,
sowie kleine Garnelen schlecht mit größeren Barschen vergesellschaften.
Bei der Bekämpfung von Algen gilt, wie bei allen
Fragen in der Aquaristik: „Gut Ding will Weile haben.“ oder „Was
lange wärt, wird endlich gut“. Darum ist auch an dieser Stelle Schluss.
Fortgesetzt wird die Reihe im September mit den Rot- und Braunalgen bzw.
im Oktober mit Blau- und Kieselalgen.
Wirbellose – Neritina
gagtes
Neritina gagates ist DIE Rennschnecke. Warum diese Tiere
als Rennschnecken bezeichnet werden weiß vermutlich niemand, denn
sie sind in der Regel deutlich langsamer als die meisten anderen Schnecken,
die wir aus den Aquarien kennen. Die Schnecken gehören zur Familie
der Neritidae, deren meisten Mitglieder im Meer leben. Sie sind daran angepasst
in der Gezeitenzone zu leben. Das bedeutet, dass sie eine Zeit lang überflutet
sind und Nahrung von Felsen, Pflanzen oder Schlamm weiden und danach eine
Zeit auf dem Trockenen sitzen und ruhen. Auch die Süßwasserarten
verlassen von Zeit zu Zeit das Wasser. Darum muss ein Aquarium zur Haltung
dieser Tiere gut abgedeckt sein. Kriechen die Tiere über den Rand,
dann finden sie den Weg zurück in das Aquarium nicht mehr und vertrocknen,
wenn sie nicht gefunden werden nach einigen Tagen. Das Selbe gilt für
die anderen Arten der Familie, wie die Geweihschnecke (Clithon corona)
oder die O-Ring Snail (Nertina puligera).
Die Rennschnecke (Neritina gagates) ... |
... ist sehr variabel. |
Für alle diese Arten gilt, dass sie sich nicht ohne
weiteres im Aquarium vermehren. Die Weibchen aller Arten legen kleine weißliche
Eikokons an festen Substraten ab aus denen schwimmende Larven schlüpfen.
Diese benötigen zur Entwicklung aber eine spezielle Diät aus
bisher
nicht bekanntem Plankton und entwickeln sich im Aquarium darum nicht. Alle
bisherigen Meldungen von Aquarianern, dass sie junge Rennschnecken im Aquarium
hätten stellten sich bisher als Fehleinschätzungen heraus. Entweder
handelte es sich um Posthornschnecken oder um Süßwassernapfschnecken.
Die Rennschnecke wird 20-25 mm lang und 12-14 mm breit.
Ihr Gehäuse ist sehr hart und hat eine glatte Oberfläche. Die
Grundfarbe variiert zwischen gelbbraun bis rotbraun. Das Muster besteht
aus schwarzen, geraden, geschwungenen oder gezackten, schmalen oder breiten
Linien oder Punkten. Der Kopf und Fuß sind deutlich von einander
abgesetzt. Sie sind beide breit oval. Die Mundöffnung ist klein. Der
Gehäusedeckel ist nur zu sehen, wenn sich die Tiere vollständig
in ihr Gehäuse zurückgezogen haben.
Die Tiere fressen Algenaufwuchs. Darunter auch harte,
verkalkte Algen, festsitzende grüne Punktalgen und Kieselalgen. Sie
nehmen aber auch Fischfutterreste gerne an. Etwa eine Schnecke auf 10 Liter
Wasser reicht aus um Algenbeläge bei „normalen“ Wasserwerten
zu beseitigen. Bei einer extremen Überdüngung mit Nitrat oder
Phosphat muss natürlich die Ursache des Algenwuchses zuerst beseitigt
werden. Regelmäßige Wasserwechsel und eine reduzierte Fütterung
sind hier meist der Schlüssel zum Erfolg.
Die Rennschnecke ist eine anspruchslose, nützliche
und schöne Schnecke für Aquarien aller Größen.
Pflanzenporträt – Aegagropila linnaei KÜTZING 1843
Der Algenball, Moosball oder Seeknödel wird oft der
Gattung Cladophora zugerechnet. Ursprünglich wurde die Art
aber als Aegagropila linnaei beschrieben und erst später zunächst
als Untergattung und dann vollständig in die Gattung Cladophora
überführt. Mittlerweile ist man zum alten Namen zurückgekehrt.
Die Fäden von Aegagropila verfilzen, die von Cladophora
aber nicht. Zusätzlich wurde in den Zellwänden von Aegagropila
Chitin gefunden, das bei Cladophora fehlt.
Die Art ist auf der nördlichen Halbkugel verbreitet,
aber nicht häufig. Sie bildet teilweise große Kolonien in Seen
auf Island, in der Ukraine, in Japan und in Estland. Früher waren
auch Vorkommen in Österreich und in Deutschland bekannt. Allerdings
sind die Vorkommen auf Bereiche mit bestimmten Licht-, Temperatur- und
Strömungsverhältnissen beschränkt. Das hat zur Folge, dass
die Kolonien durch die Einleitung oder Abzweigung von Wasser an den Naturstandorten
gefährdet werden.
Es gibt drei Wuchsformen der Algen. Sie wächst als
Epiphyt auf der Schattenseite von Felsen oder frei treibend als Schicht
über schlammigem Substrat. Wenn die Algen in der Strömung gleichmäßig
rollen, bilden sich die beliebten Kugeln.
Mooskugeln in einem Aquarium |
Die Algenkugeln wachsen nur etwa 5 mm im Jahr. Sie werden
in Japan im Akansee mit bis zu 30 cm besonders groß. Die meisten
Mooskugeln im Handel sind zwischen 3 und 7 cm im Durchmesser. Sie können
über mehrere Jahre kultiviert werden. Teilweise brechen sie aber auseinander
und bilden dann flache Polster. Es wird teilweise vermutet, dass das mit
zu hohen Temperaturen im Aquarium (um 27°C) zusammenhängt. Das
kann aber zumindest nicht die einzige Ursachse sein, da dieses Phänomen
auch im Freiland auftritt. Möglicherweise handelt es sich aber
auch um eine Phase der natürlichen Vermehrung, über die wenig
bekannt ist.
Im Inneren sind größere Bälle manchmal
hohl. Ansonsten sind sie durchgängig grün. Die nicht belichteten
Zellen im Inneren bilden größere, aber unregelmäßigere
und weniger Chloroplasten als die Zellen außen. Sie haben auch einen
anderen Stärkegehalt. Werden diese Zellen dem Licht ausgesetzt, teilen
sich die Chloroplasten und werden kleiner. Innerhalb von 48 Stunden verhalten
sich die Zellen wie die Außenzellen auch.
Bereits um 1970 waren die Algenbälle in der Aquaristik
in Ostdeutschland bekannt. Vermutlich stammten die Pflanzen damals aus
Brandenburg und Mecklenburg. Dort kamen sie zum Beispiel im Galenbecker
See vor.
Im Aquarium sollte man die Algenbälle regelmäßig
wenden und bei Bedarf spülen, damit sie nicht von Mulm bedeckt werden
und ihre runde Form behalten.
Die Algen werden oft als Wundermittel gegen Nitrit/Nitrat
im Aquarienhandel angeboten. Die Bälle nehmen aber nicht wie ein Schwamm
oder Ionentauscher einfach irgendwelche Stickstoffverbindungen zwischen
ihre Fasern und halten sie fest. Sie nutzen die Nährstoffe genau wie
andere Pflanzen um ihre eigne Körpermasse aufzubauen. In Aquarienforen
wurde wiederholt die Frage gestellt ob das Nitrat schlagartig wieder frei
wird, wenn man auf den Ball drückt. Das tut es natürlich nicht.
Die sind als Eiweiße und in der DNS der Algen verbaut. Die Pflanzen
eignen sich nicht zur gezielten Senkung des Nitratwertes, da sie zu langsam
wachsen und dem Wasser darum auch nur wenige Nährstoffe entziehen.
Schnellwachsende Pflanzen wie Hornkraut (Ceratophyllum), die kleine Ambulia
(Limnophila sessilis) oder das Fettblatt (Bacopa carolineana) leisten da
deutlich mehr.
Als Dekorationselement sind die Mooskugeln immer ein
Hingucker. Ihre ungewöhnliche Form macht sie zu einem Blickfang in
jedem Aquarium.
Vorschau auf Newsletter Nr. 4/
Oktober 2007:
Echinodorus-Arten im Handel – Who is who Teil III - Echinodorus
tenellus und die E. bolivianus-Gruppe
Die kleinen Ausläufer bildenden Amazonaspflanzen
unterscheiden sich deutlich von den großen Froschlöffeln der
Gattung Echinodorus und werden heute der Gattung Helanthium zugeordnet.
Es gibt zahlreiche Namen und Synonyme. In diesem dritten und letzten Teil
unserer Miniserie geben wir einen Überblick über die verschiedenen
Formen in dieser Gruppe.
Algen - Freund oder Feind? - Teil II: Rot- und Braunalgen
In der Süßwasseraquaristik spielen die Braunalgen
keine Rolle. Allerdings halten sie so manche kulinarische Überraschung
bereit. Rotalgen gehören, wenn sie im Aquarium auftreten, zu den lästigsten
Algen überhaupt.
Wirbellose: Macrobrachium nipanae
Diese Großarmgarnele aus Thailand ist in der Aquaristik
bisher wenig verbreitet. Sie ist problemlos im Aquarium zu vermehren und
zu pflegen.
Pflanzenportrait: Lilaeopsis brasiliensis
Unter dem Namen Neuseelandgras wurde diese Pflanzen bekannt.
Als eine kleine Ausläufer bildende Art, wird sie oft zur Rasenbildung
im Vordergrund gepflanzt.
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Erscheinungsdatum von heimbiotop-newsletter Nr.2/2007: 1. August 2007