
News: ECS-Meeting in Kopenhagen
Pflanzenporträt: Cryptocoryne
undulata
Wirbellose: Blattläuse – Aphidae
News: ECS-Meeting in Kopenhagen
Vom 24. bis zum 26. September haben sich in Kopenhagen
die Mitglieder der European Cryptocoryne Society getroffen. Dieses Treffen
von Cryptocorynen-Freunden findet jährlich an wechselnden Orten in
Europa statt.
Ziel der Gruppe ist es Informationen über Cryptocorynen
zu sammeln und auszutauschen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf die
Pflanzen in Kultur zu halten und zum Blühen zu bringen und dann an
Hand der Blütenstände bestimmen zu können. Auf diese Weise
konnten in den letzte Jahre einige Cryptocorynen, die seit ihrer Erstbeschreibung
als verschollen galten, wieder gefunden werden.
Leider konnten wir in diesem Jahr nicht an dem Treffen
teilnehmen und können darum auch leider keine Zusammenfassung von
den Ergebnissen des Treffens liefern. Es war für uns aber der Anlass
ein „Cryptocorynen-Spezial“ aus diesem Newsletter zu machen.
Viel Spaß!
Maike Wilstermann-Hildebrand
Pflanzenportrait: Gewellter Wasserkelch - Cryptocoryne undulata Wendt 1954
Der Gewellte Wasserkelch gehört zu den pflegeleichten
und anspruchslosen Cryptocorynen, die sich problemlos im Aquarium kultivieren
lassen. Er wird unter Wasser bis zu 25 cm hoch. Die Blattfärbung reicht
von grün bis braun. Oft ist eine federartige Zeichnung sichtbar. Sie
wird zusammen mit einigen anderen ähnlichen Arten von Sri Lanka zur
Cryptocoryne-beckettii-Gruppe gezählt. Diese Arten sind schwer
von einander zu unterscheiden. Eine eindeutige Identifikation der Art ist
nur an Hand des Blütenstandes möglich.
Die Spathaspreite ist glatt und variiert in der Farbe
von grünlich über gelb bis zu orange-braun. Die Fahne ist mehr
oder weniger lang und mehr oder weniger stark gedreht. Unterhalb des Kragens
ist der Schlund meist etwas gelblich. Die Innenseiten der Röhre und
des Kessels sind weiß. Die Außenseite ist weiß oder hat
rote Linien und/oder Punkte, die den Bereich des Kessels oder auch die
gesamte Spatha überziehen können. Für die erfolgreiche Kultur
ist eine Temperatur zwischen 22 und 28 °C notwendig. Der pH-Wert kann
zwischen 6 und 7,5 liegen. Das Wasser kann weich bis mittelhart sein.
Kultiviert man die Pflanzen bei einem niedrigen Wasserstand
kann sich ein Blütenstand aus dem Wasser schieben wie hier links zu
sehen. Das Aquarium mit Garnelen ist etwa 12 cm hoch und stand bei uns
im Bad. Die Cryptocoryne wuchs darin etwa 12 Monate ungestört
bevor sie nach einander vier Blütenstände bildete.
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Wirbellose: Blattläuse aus der Familie der Aphidae – Röhrenläuse
Generell beschäftigt sich das Wirbellosen-Portrait
ja eher mit Tieren die wir in unseren Aquarien pflegen. Nachdem ich aber
vor einigen Wochen unsere Pflanzen vom Gewächshaus ins Paludarium
umgesiedelt habe, sind nun plötzlich Blattläuse ein dominierendes
Thema neu uns. Bedauerlicherweise haben die kleinen – bei näherer
Betrachtung recht putzigen Viecher – gar keine Hemmung alles anzustechen
und auszusaugen ohne Rücksicht auf Herkunft und Verbreitungsgebiet.
Und so machen sie auch vor den Cryptocoryne und Echinodorus
in Sumpfkultur nicht halt.
Blattläuse ist ein recht schwammiger Begriff, der
alle Tiere aus der Überfamilie Aphidoidea bezeichnet. Sie saugen am
Phloem, den Zucker führenden Leitgefäßen der Pflanze. Ihre
Ausscheidungen – der Honigtau - sind darum sehr zuckerhaltig. Er überzieht
bei starkem Befall die ganze Pflanze und ihre Umgebung. Ameisen und Bienen
sammeln Honigtau als Nahrung. Waldhonig besteht zu großen Teilen
aus Honigtau. So genannte Schwärzepilze siedeln sich auf dem energiereichen
Belag an und nehmen den Pflanzen das Licht.
Durch die Saugtätigkeit der Läuse wird die
Feindabwehr der Pflanzen aktiviert. Zusammen mit der reduzierten Versorgung
der betroffenen Pflanzenteile, führt das zu Triebstauchungen, Blattrollen,
Verkrüppelungen, Reduzierter Blattfläche und zur Bildung von
Chlorosen. Blattläuse sind zudem Überträger von Pflanzenviren.
Die Familie Aphidae umfasst die Röhrenläuse.
Sie haben am Hinterleib zwei Siphone, durch die sie den Honigtau abgeben.
Sie sind die typischen, bekannten Blattläuse. Es handelt sich um kleine
(< 5 mm) saugende Insekten.
Weibchen mit einigen Töchtern |
Blattläuse an Hafer mit Honigtautropfen an den Siphonen und einer Mumie (weiß) mit Praon-Larve. |
Es gibt tausende von Arten in verschiedenen Gattungen.
Sie durchlaufen jährlich mehrere Generationen, die oft zwischen einem
Sommer- und einem Winterwirt wechseln. Im Sommer vermehren sie sich meist
parthenogen (Jungfernzeugung) und dadurch sehr schnell. Die Artbestimmung
ist oft schwierig und basiert auf der Farbe und Länge von Fühlern
und Siphonen. Allerdings ändern die Tiere abhängig von Wirt,
Jahreszeit oder Alter ihre Färbung zum Teil. Beispielsweise gibt es
die Langröhrige Weidenblattlaus (Aphis farinosa) in orange,
grün, grau-grün und schwarz.
Blattläuse sind wichtige Bestandteile des natürlichen
Nahrungsnetzes. Sie dienen den Larven von Marienkäfern, Schweb- und
Florfliegen als Nahrung und werden auch von Vögeln gefressen. Schlupfwespen
(Aphidius, Aphelinus, Praon und Lysiphlebus) sind Parasitoide,
die ihre Eier in Blattläuse ablegen. Ihre Larven entwickeln sich dann
in den Wirten und fressen sie von innen her auf. Dabei sind die Parasitoide
zum Teil auf bestimmte Blattlausarten angewiesen.
Der großen Zahl an Feinden stellen die Blattläuse
nur ihre enorme Vermehrungsfähigkeit entgegen. Weil das mit der Co-Evolution
so gut funktioniert gibt es bis heute Blattläuse und keinen Fressfeind,
der alle Blattläuse radikal vernichten kann. Mit dem Einsatz von vielen
Nützlingen kann man darum den Befall lediglich reduzieren und unter
die Schadschwelle drücken.
Bei geringerem Befall treten zum Beispiel keine Verkrüppelungen
an den Blättern von Echinodorus auf. So haben wir durch regelmäßiges
Abspülen und den Einsatz bzw. das Umsetzen von Marienkäfern den
ganzen Sommer über keine wirklichen Probleme mit Blattläusen
gehabt.
Blattlausmumie mit Gespinstsockel
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Praon sp. - Blattlaus-Schlupfwespe |
Ausgetanzt: Verkrüppeltes Blatt von
|
Marienkäfer-Larven in einer Blattlauskolonie an Ampfer. |
Auch an den Gartenpflanzen waren immer wieder Blattläuse. Besonders die Dahlien sind immer wieder stark befallen. Aber durch das Abspritzen mit Wasser und die Förderung von Nützlingen war ein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht nötig.
Weitere Informationen über Schädlinge und Nützlinge sind unter www.heimbiotop.de/schaedlinge.html und http://www.heimbiotop.de/tierischeBesucher.html zu finden.
Cryptocorynen-Blüten
Wasserkelche gehören zu den Aronstabgewächsen.
Sie haben einen kolbenförmigen Blütenstand der in ein Hüllblatt,
die Spatha, eingewickelt ist. Jeweils vier bis acht weibliche und
20 bis 50 männliche Blüten sind zusammen in einem Blütenstand.
Die weiblichen Blüten bestehen aus einem Fruchtknoten mit Griffel
und Narbe. Die männlichen Blüten haben ein Staubblatt mit zwei
Pollenkammern. Zwischen den Narben sitzen Duftkörper. Die Blüten
sitzen gemeinsam auf einem Stiel (Spatix). Die weiblichen Blüten sind
unten, die männlichen oben. Dazwischen ist ein steriler Teil. Die
Spatix mit den Blüten ist im unteren Teil der Spatha, dem Kessel.
Am Übergang zwischen Kessel und der darüber liegenden, schlankeren
Röhre befindet sich eine Verschlussklappe, die während der Pollenreife
vorübergehend den Durchgang zur Röhre verschließt. Oberhalb
der Röhre erweitert sich die Spatha bei vielen Arten zu einer Spreite.
Diese verbreiterte Fläche kann glatt, gerunzelt, warzig oder bewimpert
sein. Der sichtbare innere Teil der Spatha wird als Schlund bezeichnet.
Am Übergang zwischen Schlund und Spathaspreite ist manchmal eine Auffaltung
oder Erhebung zu sehen, die als Kragen bezeichnet wird. Auch Zähne
am inneren Schlundrand kommen vor. Bei manchen Arten gibt es keine verbreiterte
Spathaspreite. Stattdessen ist die Spathaspitze zu einer schwanzartig verlängerten
Fahne ausgezogen und in sich gedreht.
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Dieses Aufwendige Konstrukt bleibt nach dem Aufblühen
nur etwa 3 bis 5 Tage erhalten. Dann welkt die Spatha und übrig bleibt
der Fruchtknoten. Ist er befruchtet schwillt er an und gibt nach Monaten
die Samen frei. Unbefruchtete Fruchtknoten vergehen wenig später als
die Spatha.Der Sinn des Blütenstandes ist es eine Befruchtung so wahrscheinlich
wie möglich zu machen und eine Selbstbefruchtung aus zu schließen.
Das funktioniert so, dass am ersten Tag nach der Öffnung der Spatha
sind die weiblichen Blüten reif und befruchtungsfähig sind. Die
Pollen sich aber noch in den männlichen Blüten befinden. Die
Duftkörper produzieren einen süßlichen Geruch, der winzige
Fliegen anlockt. Sie kriechen die Röhre hinunter und bestäuben
auf der Suche nach der Quelle des verlockenden Dufts die Narben mit mitgebrachtem
Pollen. Am Abend bewegt sich die Verschlussklappe nach oben und verschließt
den Ausgang des Kessels für etwa 24 Stunden. Die Fliegen, die sich
zu der Zeit im Kessel befinden können nicht hinaus und andere nicht
hinein. Während dieser Zeit reifen die Pollen, während die Narbe
ihre Aufnahmefähigkeit verliert. So wird Selbstbestäubung verhindert.
Der Pollen quillt in einer klebrigen Flüssigkeit aus einer kleinen
Öffnung an den Pollensäcken heraus. Die eingeschlossenen Insekten
kommen bei ihren Fluchtversuchen damit in Berührung und der Pollen
haftet an ihnen. Wenn sich am nächsten Tag die Klappe öffnet,
können die Fliegen wieder hinaus und werden mit Hilfe der Duftkörper
zur nächsten reifen Narbe gelockt.
Da Cryptocorynen für die Bestäubung auf die Fliegen angewiesen sind, bilden sie in der Regel nur in der Sumpfkultur Blüten. Unter Wasser ist eine Bestäubung nicht möglich und die Bildung von Blüten Energieverschwendung. Eine Ausnahme stellen die Arten mit besonders langen Spathen da, die auch bei 30 cm tiefem Wasser oder noch höheren Wasserständen die Öffnung der Spatha über die Wasseroberfläche hinaus schieben können. Dazu gehören zum Beispiel C. aponogetifolia und C. usteriana. Trotzdem kommt es manchmal vor, dass auch von kleineren Arten im Aquarium Blütenstände gebildet werden. Bei frisch eingepflanzten Pflanzen kann man teilweise vermuten, dass es sich um Blütenansätze handelt, die bereits in den Wochen vorher in der Gärtnerei angelegt wurden. Es werden aber auch Pflanzen Blütenstände gebildet, die bereits Monate oder Jahre unter Wasser kultiviert wurden. Berichte über solche Erfahrungen gibt es mit C. wendtii und auch über C. x willisii. Vermutlich wird die Blütenbildung in solchen Fällen von einer Veränderung des Lichtspektrums ausgelöst. Durch eine stärkere Belichtung oder durch Veränderungen im Farbspektrum kündigt sich in der Natur für die Pflanzen das Ende der Regenzeit bzw. das Sinken des Wasserstandes an. Die Bildung von Blüten wird dadurch ausgelöst und die Zeit bis zum völligen Austrocknen des Lebensraumes effektiv genutzt. |
Vorschau auf Newsletter Nr. 34 / Dezember 2010:
Bodengrund im Aquarium
Mangelsymptome an Aquarienpflanzen
Wassertests und Wasseraufbereiter – Die Geschichte vom
Kupfer und den Schnecken
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Erscheinungsdatum von Newsletter Nr. 13: 18.7.2008
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