Mangroven
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Mangroven sind Bäume und Sträucher, die an den Ufern von Salz- oder Brackwasser führenden Gewässern wachsen. Es gibt 69 Arten von Mangroven weltweit. Sie stellen keine eigene Pflanzengattung dar. Tatsächlich handelt es sich um eine Pflanzengesellschaft, zu der Arten aus insgesamt 20 Familien gehören. Die Mangroven sind Lebensraum für viele verschiedene Tierarten.

Es gibt zwei Arten wie die Mangroven auf den hohen Salzgehalt ihrer Umgebung reagieren. Die einen scheiden Salz durch spezielle Poren ihrer Blätter aus. Das ist dann als weißer Belag deutlich sichtbar. Diese Pflanzen werden als "Secretors" = "Ausscheider" bezeichnet. Zu ihnen gehören zum Beispiel Arten aus den Gattungen Avicennia, Acanthus und Aegiceras.
Die anderen sind in der Lage in begrenztem Maße die Aufnahme von Salz zu verhindern, in dem sie aktiv und selektiv die für sie wichtigen Ionen aufnehmen. Trotzdem dringen immer noch einige Salzionen durch Diffusoin in die Pflanze ein. Dieses Salz gelangt zum Teil bei der Transporation aus den Blättern wieder nach draußen. Das Meiste wird aber in Zellen der Blätter angereichert und mit dem Laub abgeworfen. Diese Mangroven werden als "Ultrafiltrators" bezeichnet. Zu diesen gehören die Arten aus den Gattungen Bruguiera, Lumnitzera, Rhizophora und Sonneratia.

Neben dem hohen Salzgehalt ist auch die schlechte Sauerstoffversorgung der schlammigen Böden ein Problem für die meisten Pflanzen. Mangroven haben verschiedene Formen von Luftwurzeln ausgebildet, die es ihnen ermöglichen Sauerstoff aufzunehmen und durch Diffusion in die unterirdischen Pflanzenteile zu leiten. Es gibt sogenannte Pneumatophoren, die rundherum um den Baum senkrecht aus dem Boden wachsen. Sie treten zum Beispiel bei Avicennia- und Sonneratia-Arten auf. Die Mangroven aus der Gattung Rhizophora bilden Stelzwurzeln, die in weiten BÖgen in verschiedenen Höhen vom Stamm nach unten führen. "Kniewurzeln" (Kneed Roots) werden die Luftwurzeln von Bruguiera und Ceriops genannt. Sie wachsen waagerecht im Boden, streben aber immer wieder senkrecht nach oben, machen einen scharfen Knick und wachsen in den Boden zurück. Xylocarpus granatum ist eine Art, die Brettwurzeln ausbildet.
 

Stelzwurzeln von Rhizophora stylosa

Diese Art bildet Stelzwurzeln und 
Pneumatophoren aus.

Die Samen der Mangroven schwimmen und werden vom Wasser verbreitet. Viele Arten sind lebendgebärend. Das heißt in diesem Fall, dass die Samen bereits am Baum in der Frucht keimen. Dabei werden die Reservestoffe aus den Keimblättern in das Hypocotyl verlagert, dass zum Schluss fast den ganzen Samen ausfüllt.
Nicht alle Arten wachsen überall. In Singapur gibt es 19 Mangrovenarten und in Queensland 35.
 
 

Stechpalmen-Mangrove 
Holly Mangrove
Acanthus ilicifolius
Familie Acanthaceae

Das Verbreitungsgebiet der Art reicht von Indien über Polynesien bis nach Australien. Es handelt sich um Halbsträucher, die bis zu zweieinhalb Meter hoch werden. Die Triebe haben Dornen und sind oft gelblich. Die harten, scharfen Blattränder sind grob gezähnt. Dadurch sehen die Blätter denen von Stechpalmen (Gattung Ilex) ähnlich. Davon leitet sich der Name ab. Die Pflanzen bilden zahlreiche Pneumatophoren. Die Blüten sind an den Triebspitzen in ähren angeordnet. Die reifen Früchte platzen und schleudern die Samen bis zu zwei Meter von der Mutterpflanze weg. Die violetten Blüten zeigen deutliche Ahnlichkeit zu anderen Bärenklaugewächsen. Diese Mangrove gehört in die gleiche Familie wie die Gattung Hygrophila
In der malyischen Volksmedizin werden die Blätter als Mittel gegen Rheuma und Neuralgie (Nervenschmerzen) verwendet. Außerdem bei Wunden durch vergiftete Pfeile. Sie wird in Singapur und Malaysia als "Jeruju putih" bezeichnet.


 
Fluss Mangrove 
River Mangrove
Aegiceras corniculatum
Familie Myrsinaceae

Das Verbreitungsgebiet umfasst Südostasien, Nordaustralien und Neuguinea. Die Pflanzen besiedeln Flussufer an Gewässern mit sehr unterschiedlichem Salzgehalt. Die Büsche werden etwa 2 his 5 Meter hoch. Die Blätter sind verkehrt eiförmig, ledrig, glänzend und dunkel grün. Jeweils 15 bis 20 weiße Blüten bilden zusammen einen kugeligen Blütenstand. Die Rinde wird als Fischgift verwendet. Die Blätter werden aber auf den Molukken gegessen.
Das malaische Name ist "Kacang-kacang".
 


 
Orange oder Großblättrige Mangrove
Orange oder Large-leaved mangrove
Bruguiera gymnorhiza
Familie Rhizophoraceae

Die Pflanzen kommen von Ostafrika bis Südostasien, Südjapan, Mikronesien und Polynesien vor. Sie werden bis 36 Meter hoch. Bleiben aber in einigen Regionen ihres Verbreitungsgebietes deutlich kleiner (Singapur bis 15 m). Sie bilden sowohl Brett- als auch Kniewurzeln aus. Die Rinde ist dunkelbraun bis fast schwarz. Die ledrigen Blätter sind lanzettlich. Die Blüten sitzen einzeln in den Blattachseln. Im vollen Sonnenlicht sind die Kelchblätter rot, im Schatten gelblich. Die Samen keimen in der Frucht (Lebendgebärend). Das Hypocotyl ist bis zu 20 cm lang und 3 cm dick.
In Singapur heißt die Art Tumu. Die Blätter und das geschälte Hypocotyl werden teilweise gekocht und gegessen. Die pflanze bevorzugt Standorte mit Süßwasserzufluss.


 
Milchige Mangrove
Milky Mangrove oder Blind Your Eye Mangrove
Excoecaria agallocha
Familie Euphorbiaceae

Diese Mangrove gehört zu den Wolfsmilchgewächsen. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Südindien bis nach Südjapan, Südostasien und zu den Pazifischen Inseln. In Australien haben wir die Pflanze in Cairns (Queensland) gesehen.
Der Baum wird etwa 20 Meter hoch. Die jungen Blätter sind rosa. Die älteren Blätter sind dunkelgrün und werden vor dem Laubfall rot. Die Spreiten sind elliptisch und gekielt. Die Blattspitze ist nach unten gebogen. Aus verletzten Pflanzenteilen tritt weißer Milchsaft aus. Dieser kann bei Augenkontakt zu Erblindung führen. Auf der Haut verursacht er Blasen. Er wird als Fischgift verwendet.
Die männlichen Blütenstände hängen. Sie sind 5 bis 10 cm lang und schmal. Die weiblichen sind nur 1 bis 4 cm lang und stehen aufrecht.
In Singapur wird die Pflanze als "Buta-Buta" bezeichnet.



 
Spiegel Mangrove 
Looking-glas Mangrove
Heritiera littoralis
Familie Sterculiaceae

Die Art kommt im tropischen in Indien, Australien und an den Küsten des Westpazifik vor. Der Baum wird bis zu 15 Meter hoch. Die Rinde ist gräulich braun und wird mit dem Alter fleckig. Die Blattoberseite ist dunkelgrün, die Unterseite weißlich. Vor dem Laubfall werden die lanzettlichen bis elliptischen Blätter intensiv gelblich-orange.
Die Früchte sind verholzt und haben auf einer Seite einen flügelartigen Kiel. Ein Extrakt aus den Samen wirkt gegen Ruhr und Durchfall.
Das harte Holz wird für (Telegraphen-) Masten verwendet, falls der Baum hoch genug wird. Es wird auch für Kanus, als Baumaterial, Radnarbe und als Bootsrippen genutzt.

Die Pflanzen, die wir in Cairns gesehen 
haben waren meist stark angefressen.


 
Schwarze Mangrove 
Black oder White-Flowered Mangrove
Lumnitzera racemosa
Familie Combretaceae

Die Art kommt in Nordaustralien, Südostasien, Neuguinea und Ostafrika vor. Sie wird etwa 4 m hoch. Die Rinde ist dunkel und kann zum Färben verwendet werden. Darum wird die Pflanze auch als Schwarze Mangrove bezeichnet. Die Blüten sind weiß.
In Singapur wird die Art als "Teruntum bunga puteh" bezeichnet.
 


 
Rote Mangrove 
Red Mangrove
Rhizophora stylosa
Familie Rhizophoraceae

Die Art kommt in Nordaustralien, Südostasien und Neuguinea vor. Die Art steht weit unten in der Gezeitenzone, darum sind bei Flut die Wurzeln vollständig unter Wasser. Die Stelzwurzeln bieten trotz WasserstrÖmung und schlammigem Boden guten Halt. Die Pflanzen werden etwa 8 Meter hoch. 
Die Blüten haben vier weiße, wollig behaarte Kronblätter. 2 bis 14 davon sind zusammen in einem gegabelten Blütenstand. Die Art ist lebendbebärend. Das Hypocotyl der Sämlinge ist bis zu 60 cm lang.
Im Malayischen heißt die Art "Bakau". 

 


 
Kanonenkugel-Mangrove 
Cannon Ball Mangrove
Xylocarpus granatum und Xylocarpus molluccensis
Familie Meliaceae

Die erste Art kommt in Ostafrika, Südostasien und auf den Tonga-Inseln vor. Die Bäume werden 3 bis 8 Meter hoch. Ihre Rinde ist gelblich, grünlich oder hell braun. Die Blüten haben weiße Kronblätter. Die Früchte haben harte, holzige Schalen. Sie sind etwa so groß wie eine Grapefrucht oder kleine Pomelos (bis ca. 20 cm).
Das Holz wird für den Bau von Booten, MÖbeln und als Feuerholz genutzt. Die Rinde nutzt man zum Färben. Auf Stoff ergibt sich ein Braunton (Originaltext: "Used on cloth the bark dyes an umber colour."). In der traditionellen Medizin werden die Wurzen als Mittel gegen Malaria und Ruhr ("dysentery") eingesetzt. In Singapur wird die Art "Nyreh bunga" genannt.
Obwohl die hier abgebildeten Pflanzen in Cairns als X. granatum beschriftet waren, handelt es sich wahrscheinlich um X. moluccensis, da die Blätter von X. granatum abgerundete Blattspitzen und fast "tropfenförmige" Blattspreiten haben sollen. Die Blätter dieser Pflanzen sind aber lanzettlich und laufen spitz zu. Bei X. moluccensis sind die Früchte kleiner (Orangengröße). Die Rinde ist graubraun. In Singapur heißen die Pflanzen "Nireh batu". Sie kommen in Indien, Indochina und von Thailand bis Australien vor. Die Bäume werden 6 bis 10 Meter hoch. Sie bilden kleine Brettwurzeln und zahlreiche Pneumatophoren aus. 


 
 
Seaside clerodendrum oder embrert (indisch)
Clerodendrum inerme
Familie Verbenaceae

Dieser halb kletternde Strauch wächst etwa bis zu einer Höhe von 3 Metern heran. Steht ihm ein Baum oder eine andere Stütze zur Verfügung kann er bis zu 8 m hoch werden. Die Pflanzen kommt in Küstennähe bis in den hinteren Bereich der Mangrovengebiete vor. Das Verbreitungsgebiet reicht von Indien durch das gesamte tropische und subtropische Asien über Polynesien und Mikronesien bis nach Nordaustralien und Hawaii (dort eingeschleppt). 
Einige chemische Bestandteile der Blätter zeigten in Versuchen eine hemmende Wirkung auf humanpathogene Bakterien. 


Literatur:

P.K.L. Ng, N. Sivasothi (2002): A Guide to the Mangroves of Singapore 1 - The Ecosystem and Plant Diversity.- überarbeitete Auflage, Singapore Science Centre


© Wilstermann-Hildebrand 2009