Vermehrung von Wasserpflanzen
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Grundsätzlich unterscheidet sich die Vermehrung von Wasserpflanzen nicht von der Vermehrung anderer Pflanzen. Sie vermehren sich in der Natur generativ - aus Samen - oder vegetativ - aus Pflanzenteilen. Die Vegetative Vermehrung kann durch die Produktion von Ausläufern, Adventivpflanzen oder durch Teilung erfolgen.
In gärtnerischer Kultur ist die generative Vermehrung vor allem für die Züchtung wichtig. Durch Kreuzung ausgewählter Elternpflanzen wurden zum Beispiel sehr viele unterschiedliche Echinodorus-Sorten gezüchtet. Für die Massenvermehrung spielt die vegetative Vermehrung aber eine wesentlich größere Rolle.
Eine Spezialform ist die Vermehrung in in-vitro-Kultur. Dabei werden die Pflanzenteile in einem sterilem Medium kultiviert, bis sie eine ausreichende Größe haben um in der Gärtnerei weiter zu wachsen.

Stängelpflanzen werden durch Stecklinge vermehrt. Das bedeutet, dass die oberen 5 bis 15 cm abgeschnitten und in einem Substrat gesteckt oder getopft werden. Im Gewächshaus ist dieses Substrat in der Regel Steinwolle. Sie entspricht in der Herstellung und Zusammensetzung dem Dämmstoff. Hauptbestandteil ist Quarzsand. Das Material ist ungiftig und chemisch neutral. Es eignet sich gut für alle in der Aquaristik verwendeten Pflanzen. Da Steinwolle keine Nährstoffe enthält muss die Düngung über das Wasser erfolgen. Meistens stehen die Pflanzen auf Tischen, auf denen Wasser mehrere Zentimeter hoch angestaut werden kann. Entweder fließt ständig Wasser über die Tische oder es wird mehrmals am Tag angestaut mit dazwischenliegenden Trockenzeiten. Im ersten Fall siedeln sich leicht Algen und Wasserlinsen auf dem Tisch an, die Luftfeuchtigkeit in den Gewächshäusern ist durch ständige Verdunstung hoch und die Heizkosten steigen, weil durch die Verdunstung Wärme verloren geht. Der Vorteil ist, dass die Pflanzen ständig mit der Nährlösung in Kontakt sind und darum ohne Unterbrechung Nährstoffe aufnehmen können. Beim Ebbe-Flut-System benötigt man in der Regel weniger Wasser. Weil nicht überall gleichzeitig Wasser sein muss, kann es von einem Tisch auf den anderen gepumpt werden. Da die Wasseroberfläche geringer ist, verdunstet weniger. Außerdem muss weniger Wasser beheizt werden. So oder so - die Steinwolle wirkt wie ein Schwamm, der Wasser aufnimmt.
 
 

Auf solchen Tischen wachsen die ...

...Pflanzen bei uns in Europa.

Erfolgt die Kultur nicht in Gewächshäusern, sondern im Freiland, dann können die Stecklinge in den gewachsenen Boden oder in das schlammige oder kiesige Substrat von natürlichen oder künstlichen Gewässern gepflanzt werden. Diese Substrate haben in der Regel zumindest einen geringen Nährstoffgehalt. Das funktioniert bei unseren wärmeliebenden Aquarienpflanzen allerdings nur in subtropischen oder tropischen Regionen oder in Thermalquellen.
 
 

In Asien werden submerse Kulturen in solchen Teichen 
kultiviert. Der Boden besteht aus Erde, die mit 
Hühnermist vermischt wurde. 

Zum Bepflanzen wird etwas Wasser in den Teich 
gelassen und alle Triebe einzeln mit der Hand gesteckt.

Vorne ein frisch gefluteter Teich,
hinten einer ohne Wasser.


 

In Ungarn werden Aquarienpflanzen im Wasser von
Thermalquellen produziert. Dabei werden dem Boden 
und dem Wasser keine ergänzenden Nährstoffe
zugesetzt.


 

Das Prinzip ist dabei immer das Selbe. Die abgetrennten Pflanzenteile wachsen weiter indem sie zuerst aus ihrer eigenen Masse Nährstoffe für die Bildung von Wurzeln mobilisieren. Diese bilden sich an den Blattknoten der unteren Stängelabschnitte. Wenn die Pflanze wieder Nährstoffe über die neuen Wurzeln aufnimmt, beginnt sie auch wieder an der Triebspitze zu wachsen.
Nun ergibt sich durch das Abschneiden einer Triebspitze und das anwachsen der selben noch keine Vermehrung. Man hat ja nach wie vor nur einen Trieb. Die Vermehrung erfolgt am übrig gebliebenen unteren Teilstück des Stängels. Dort treiben nämlich aus den unteren Knoten Seitentriebe aus, die vorher durch Hormone der ursprünglichen Triebspitze in ihrer Entwicklung gehemmt wurden (Apikaldominanz). Bei Einigen Pflanzen, z. B. Ludwigien und Hygrophila, bilden sich auch immer Seitentriebe, wenn die Triebspitze noch an der Pflanze ist. Diese lassen sich genauso wie die Triebspitze abtrennen und neu stecken.
Diesen Vorgang muss man im Aquarium regelmäßig wiederholen, weil die Stängelpflanzen sonst aus dem Becken herauswachsen und an der Stängelbasis verkahlen würden.

Einige Aquarienpflanzen teilen sich von Natur aus, wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben. Beispielsweise bildet die Kleine Wasserlinse (Lemna minima) zwei oder drei neue Blätter und zerfällt dann in zwei Teile, die als eigenständige Pflanzen weiterwachsen. Auf diese Weise verdoppeln sich die Pflanzen etwa alle drei Tage. Auch das Teichlebermoos (Riccia fluitans), teilt sich, wenn die Thalli (Pl. von Thallus) eine gewisse Größe erreicht haben.

Bei Pflanzen mit starkem Rhizom ist es möglich auch dieses zu teilen. Das ist bei Anubias barteri var. barteri und A. barteri var. nana besonders leicht. Man durchtrennt das Rhizom einfach so, dass mindestens 2 Blätter an jedem Rhizomstück verbleiben. Die Stücke wachsen weiter und bilden neue Blätter. Bei Echinodoren ist es etwas schwieriger. Es empfiehlt sich nur Rhizome zu teilen, die bereits deutlich sichtbare Knospen am Rhizom zeigen. Bei Aponogeton sollte man von einer Teilung absehen, wenn sich nicht schon deutlich zwei Vegetationspunkte von einander getrennt haben.
 

Dieses Echinodorus-Rhizom hat zahlreiche 
Seitenknospen. Einige davon bilden bereits 
Blätter aus.

Eine Jungpflanze aus einem Seitenauge 
des Rhizoms.

Das Rhizom kann zwischen en einzelnen 
Knospen durchtrennt werden. Sitzen diese
eng zusammen, wird man dabei immer
einige beschädigen.

Die einzelnen Rhizomstücke werden getopft.




 

An diser Knolle sind über 20 Vegetationspunkte.
Die sind aber zu klein und zu dicht zusammen,
um zu diesem Zeitpunkt getrennt zu werden.

Diese beiden Vegetationspunkte wachsen
auseinander und werden sich von alleine 
trennen. Es ist möglich die Knolle mit einem 
scharfen Messer zu teilen.

Bei einigen Pflanzen bilden sich auch an abgetrennten Blättern Wurzeln und neue Pflanzen wachsen heran. Das kann man  zum Beispiel gut bei Bacopa carolineana und Hygrophila difformis beobachten. Diese Fähigkeit von Pflanzen sich aus Teilen zu regenerieren wird in der in-vitro-Kultur genutzt. Dabei wird unter sterilen Bedingungen Pflanzenmaterial vermehrt.

Die Bildung von Adventivpflanzen ist bei Wasser- und Sumpfpflanzen weit verbreitet. Der Schwimmende Hornfarn und der Javafarn bilden Jungpflanzen an den Blatträndern bzw. an den Sporengefässen ihrer Blattunterseite. Bei Echinodorus wachsen Jungpflanzen an den Blütenstandstielen zwischen den Blüten.
Bei anderen Pflanzen befinden sich an der Stängelbasis Knospen, aus denen Jungpflanzen hervorgehen. Das ist zum Beispiel bei den Nymphoides-Arten der Fall und bei Cryptocoryne elliptica. Bei einigen Seerosen bilden sich in der Mitte der Schwimmblattoberseite Jungpflanzen.
 
 
 

Adventivpflanzen an 
Echinodorus x ´Tricolor´

Trieb mit Adeventivpflanzen
und Blütenknospen.


Auf der Blattoberseite dieser blau-blühenden
tropischen Seerose bilden sich über dem 
Stielansatz Adventivpflanzen.

Während die Blätter altern und zerfallen, wachsen 
Jungpflanzen heran, die zu Boden sinken. 

Weiter verbreitet ist aber die Vermehrung durch Ausläufer. Vallisnerien, Sagittarien und Cryptocorynen bilden in den Blattachseln kriechende Stolonen, an deren Knoten sich Jungpflanzen bilden. Diese bleiben eine Weile mit der Mutterpflanze verbunden. Nach einiger Zeit stirbt der Stolon ab und die Jungpflanze steht alleine da.
 
 
 


© Wilstermann-Hildebrand 2009