Hunger und Hungersnöte

geschwungene Linie







Alltäglicher Hunger und Hungersnöte
Die Menschen waren bei uns früher - und sind es in den Entwicklungsländern noch immer - im hohen Maße vom Ertrag ihrer eigenen Felder abhängig. Sie mussten nicht nur genug Nahrung für sich und ihre Tiere für den Winter einlagern, sondern auch noch keimfähiges Saatgut für die nächste Aussaat übrig haben. Die Lagerung war aber gar nicht so einfach.
Konservendosen aus Blech gibt es seit 1810. Sie wurden zuerst für die französische Marine eingeführt. Die ersten Kühlschränke gab es ab 1834, aber es dauerte 100 Jahre bis sie allgemein gebräuchlich wurden. 1937 hatte erst jeder zweite amerikanische Haushalt so ein Gerät. Das Einkochen in Gläser wurde erst nach 1880 entwickelt und 1892 patentiert.
Lagerhaltung war vor 200 Jahren nur bedingt möglich und ein Ernteausfall hatte einen sofortigen Mangel an Nahrung zur Folge. Dürren, Hagel, Sturmschäden, Vulkanausbrüche, Schädlingsbefall und Pflanzenkrankheiten bedrohten die Existenz der Menschen. Sie konnten immer nur lagern, was sich bis zur nächsten Ernte im kühlen Keller oder in einer Erdmiete hielt. Mäuse, Ratten, Kornkäfer, Bohnenkäfer, Lebensmittelmotten, andere Schädlinge und Schimmelpilze konnten die Vorräte ruinieren. Mangel und Hunger waren bis ins 20. Jahrhundert Alltag in Mitteleuropa.
Von einer Hungersnot spricht man, wenn ein großer Anteil der Bevölkerung an Nahrungsmangel leidet und verhungert oder an hungerbedingten Krankheiten stirbt. In der Zeit von 1000 bis 1800 n. Chr. sind 450 Hungersnöte in Europa belegt.
Es gab immer kleine, regionale Hungersnöte. 1771-1772 gab es zum Beispiel eine Hungersnot in Sachsen durch Überschwemmungen und Kälte. Entscheidender sind aber größere Hungernöte, die ganze Länder oder Kontinente erfassten und weitereichende Folgen für die Politik und die Völkerwanderung hatten.
Hungersnöte treffen die unteren Bevölkerungsschichten und arme Regionen früher und stärker. Hungersnöte gibt es immer wieder überall auf der Welt. In Deutschland liegt die letzte Hungersnot erst 80 Jahre zurück.

geschwungene Linie



© Wilstermann-Hildebrand 2000 - 2015