Hunger und gesellschaftliche Stellung

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Hunger in den verschiedenen Gesellschaftsschichten

Für einige Bevölkerungsgruppen gehörte bis in die Neuzeit Hunger zum Alltag. Ein Bauer, der über genug Land verfügte, um sich und seine Familie mit Nahrung zu versorgen und auch noch etwas verkaufen zu können, konnte sich im Mittelalter glücklich schätzen. In der Gesellschaft aus Lehnsherren und Bauern gab es große Unterschiede im Besitz und in der sozialen Stellung.
Ein Ganzbauer oder Huber besaß eine Hube Land. Eine Hube ist ein Ertragsmaß und bezeichnet die Fläche Land, die ausreichte um eine Familie gut zu ernähren und deren Bewirtschaftung die gesamte Arbeitskraft des Bauern benötigte (Vollerwerbsbauer). Wieviel Grund das ist hängt von der Bodengüte ab. Je nach Region waren es zwischen 7,5 und 20 Hektar (bis 200.000 Quadratmeter).
Ein Halbbauer hatte entsprechend nur eine halbe Hube Land. Das konnte reichen um sich und die Familie mit Nahrung zu versorgen. Er brauchte zum bewirtschaften seiner Flächen nur die Hälfte seiner Arbeitskraft und verdingte sich die übrige Zeit als Arbeitskraft bei einem Huber oder seinem Lehnsherren.
Ganzbauern und Halbbauern verfügten über Pferde und Rinder. Sie hatten Zugtiere für die Feldarbeit zur Verfügung.
Eine Herberge war eine Landstelle mit weniger als einer halben Hube Land und höchstens einigen Schweinen, Schafen oder Ziegen. Ein Viertelbauer hatte nur eine Viertelhube und musste in jedem Fall zusätzlich arbeiten, um zu überleben.
Kleinstellenbesitzer mit nur einem Joch Land (das entsprach etwa 3000 bis 3500 Quadratmetern) und einem kleinen Haus wurden als Kätner oder Häusler bezeichnet. Ihr Land reichte nicht aus um sich von der Ernte zu ernähren. Sie mussten zusätzlich als Handwerker, Tagelöhner, Hirten oder Dienstboten arbeiten. Sie hatten einen geringen sozialen Stand, durften nicht in den Bauernstand einheiraten und wurden von den Lehnsherren stärker besteuert.
Zulehner oder Keuschler (in Österreich) hatten nur ein Haus und gar kein Land.
Im Märchen "Der große und der kleine Klaus" von Hans Christian Anderson (1805 - 1875) geht es um die Beziehung zwischen einem Huber und einem Halbbauern.
Das Erbrecht bestimmte, dass immer der älteste Sohn das Land, den Hof oder die Mühle etc. bekam. Mädchen konnten in andere Familien einheiraten. Weitere Söhne blieben besitzlos und mussten ihre Arbeitskraft für Kost und Logie. Mit viel Glück konnten sie ein Handwerk lernen.

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