Hungersnöte

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Geschichte der Hungernöte
Hungernöte werden schon in sehr alten historischen Quellen belegt. Die ältesten Berichte gibt es aus Ägypten. Das Land war vom Nilhochwasser abhängig. Fiel es niedriger aus, gab es nicht genug Acker- und Weideland um die Bevölkerung ausreichend zu ernähren.
450 Hungersnöte in Europa sind in der Zeit von 1000 bis 1800 n. Chr. in verschiedenen Chroniken verzeichnet. Das bedeutet, dass jedes zweite Jahr die Ernte so schlecht war, dass irgendwo Menschen hungern mussten. In Dänemark wurde z. B. die Regierungszeit von Olaf I. (1086 - 1095) von zahlreichen Missernten überschattet. Es kam zu Hungersnöten und Bauernrevolten. Dieser Dänenkönig ging als "Olaf Hunger" in die Geschichte ein.
1315 bis 1317 gab es eine europaweite Hungersnot. Damals sind rund 5 Millionen Menschen durch Nahrungsmangel gestorben. Ursache waren anhaltende Regenfälle und Hochwasser, die die Getreideernten vernichteten. Zudem waren die Winter sehr lang und Tierseuchen brachen aus.
1437-1440 kam es immer wieder zu Missernten. Der Winter war besonders kalt. Im Frühjahr gab es späte Frosteinbrüche, die die frisch gekeimten Sämlinge vernichteten. Die Sommer waren verregnet. Es gab über Jahre Missernten. 1438 und 1439 breitete sich auch noch die Pest aus.
1816 ging als "Jahr ohne Sommer" in die Geschichte ein. Es gab schwere Unwetter und Überschwemmungen. Der Rhein trat über die Ufer. Im Juli und August gab es Schnee und Frost. Die Folge waren Missernten. Das Getreide wurde knapp. Kaiser Alexander I. von Russland schickte Getreide und Geldspenden in die Schweiz, um die größte Not zu lindern.
Im folgenden Frühjahr kam es durch die Schneeschmelze zu weiteren Überschwemmungen. Viele Europäer wanderten in ihrer Not nach Amerika aus.
Als Ursache für diesen Kälteeinbruch gilt heute der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora. Sein Ausbrauch im April 1815 verursachte durch seine Staubwolke einen vulkanischer Winter.
Von 1844 bis 1849 starben allein in Irland etwa 1,5 Millionen Menschen bei einer großen Hungersnot (Great Famine), die ganz Europa erfasst hatte. Die Kraut- und Braunfäule hatte die Kartoffelernten vernichtet und 1846 gab es zusätzlich bei Getreide eine Missernte. Die Preise für Lebensmittel stiegen stark an. Die Grundnahrungsmittel Kartoffeln und Getreide wurden für die Arbeiter unbezahlbar. Im April 1847 kam es in Berlin zur "Kartoffelrevolution", nachdem hungrige Menschen zunächst Stände auf dem Wochenmarkt und tags darauf Bäckereien und Fleischereien plünderten.
Wieder wanderten viele Menschen in die Vereinigten Staaten aus um Hunger und Elend zu entfliehen. Heute würde man von Wirtschaftsflüchtlingen sprechen. Vermutlich wurden sie damals genauso von Schlepperbanden von Europa nach Amerika verfrachtet wie heute - nur 150 Jahre später - Afrikaner nach Europa.
Auch in Asien gab es immer wieder Hungersnöte. 1876-1879 starben in China rund 11 Millionen Menschen an Mangelernährung. Zur selben Zeit kamen in Indien zwischen 5- nach einigen Schätzungen sogar 29 - Millionen Menschen um. 1892-1894 und 1896-1897 gab es erneut 6 Millionen Hungertote in China. 1896-1897 und 1899-1902 waren in Indien 100 Mio. Menschen von einer Hungersnot bedroht. Es soll bis zu 11 Mio. Tote gegeben haben. 1920-1921 starben noch einmal 500.000 Chinesen in einer Hungersnot.
Eine Dürre in der Sahelzone und Äthiopien kostete von 1968 bis 1974 etwa 500.000 Menschen das Leben. 1984-1985 starben in der Region noch einmal 2-3 Mio. Menschen.
Die Ursache in all diesen Fällen waren Missernten durch Unwetter, Dürren, Überschwemmungen und Pflanzenkrankheiten.
Auch Kriege sind Ursache für Hungersnöte. Währen des Dreißigjährigen Krieges und auch während des Ersten und Zweiten Weltkrieges hungerte die europäische Bevölkerung. Männer und Maschinen standen nicht mehr für die Arbeit auf den Feldern zur Verfügung. Das Pflügen, Säen, das Einbringen der Ernte und auch die Bekämpfung von Schädlingen konnte nicht in ausreichendem Maße bewältigt werden.
So gab es 1916-1917 in Deutschland den Rüben- und Hungerwinter und 1939-1945 in ganz Europa eine Hungersnot während des Zweiten Weltkriegs. Auch in Afrika und anderen Ländern ziehen Kriege und immer wieder Hungersnöte nach sich (1990er Somalia und Sudan, 2005 Niger etc.)
Auch politische Fehlplanungen können zu Hungersnöten führen. 1959 - 1961 gab es die vermutlich größte Hungersnot der Geschichte weltweit. 15 - 43 Millionen Menschen starben in China, als mit dem "Großen Sprung nach Vorn" die Landwirtschaft Zwangskollektiviert wurde. Die Bauern wurden für diverse Infrastrukturprojekte und die Industrialisierung abgezogen und die Ernten gingen zurück. Gleichzeitig musste mehr Getreide an den Staat als Steuer und für den Export abgegeben werden.

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