Familie Vivipariidae - Fluß- und Sumpfdeckelschnecken

geschwungene Linie

Sumpfdeckelschnecke (Viviparus contectus)
Flussdeckelschnecke (Viviparus viviparus)
Blaue Turbo-Schnecke (Celetaia persculpta)
Pianoschnecke (Taia naticoides)
Thailändische Sumpdeckelschnecke (Filopalidina sumatrensis)


Allgemeines

Gehäuse von Neothauma tanganyicense

Neothauma tanganyicense stammt aus dem Tanganyika-See.

Gehäuse von Neothauma tanganyicense

Bei dieser Art sind die Windungen des Gehäuses wenig gewölbt. Nahe der Naht ist ein Kiel, so dass die Windungen stufig abgesetzt sind.

Mit Ausnahme von Südamerika und Antarktis sind die Viviparidae auf allen Kontinenten vertreten. Es gibt sie bereits seit dem mittleren und oberen Jura (163,5 bis 145 Mill. Jahre). Die Familie wird in drei Unterfamilien geteilt. Kennzeichen sind Merkmale des männlichen Geschlechtssytems. Zu den Viviparinae gehören die Gattungen Viviparus und Tulotoma. Viviparus-Arten sind in Nordamerika und Eurasien heimisch. Zu ihnen gehört zum Beispiel die einheimische Sumpfdeckelschnecke (Viviparus contectus) und die vom Aussterben bedrohte Tulotoma magnifica. In der Gattung Tulotoma gibt es nur die eine Art. Ihr Verbreitungsgebiet ist auf das Coosa-Alabama-Fluss-System in den USA beschränkt.

Tulotoma magnifica

Tulotoma magnifica

Viviparus eyresi

Viviparus eyriesi

Das Gehäuse ist etwa 4 cm hoch. Abhängig von der Population kann das Gehäuse gleichmäßig mit Knoten besetzt oder glatt sein.
Zur zweiten Unterfamilie, den Campelominae, gehören die zwei rezenten nordamerikanischen Gattungen Campeloma und Lioplax, sowie die fossile Gattung Lioplacoides. Letztere lebte im Jura und in der Kreidezeit (vor 190 - 65 Mio. Jahren) in Nordamerika und während des Eozän (vor 54 - 34 Mio. Jahren) in Südamerika.
Die Bellamyinae stellen die dritte Unterfamilie dar. Zu ihr gehören die übrigen amerikanischen, die afrikanischen, die asiatischen und die australischen Arten.

Bei den meisten Viviparidae ist das Gehäuse kegelförmig mit grundeten Windungen und glatter brauner Oberfläche. Es gibt jedoch auch Arten mit einem rundlichem Gehäuse, abgeflachten Windungen, Windungskielen oder Dornen. Margarya mansuyi aus China hat ein kegelförmiges Gehäuse.
Das Operculum (der Gehäusedeckel) der Viviparidae ist hornig und weist konzentrische Wuchslinien auf. Sumpf- und Flußdeckelschnecken ernährt sich als Weidegänger von Algen und pflanzlichem Detritus. Sie können auch Plankton aus ihrem Atemwasser filtern. Ihre Schnauze ist deutlich verlängert und hate eine kleine MundÖffnung. Die Kieferplatten sind schwach ausgeprägt und machen das Abbeißen von Nahrungsteilen unmöglich. Die Radula ist etwa 2 bis 3 mm lang und besteht aus etwa 70 Reihen von je 7 Zähnen. Wie die Apfelschnecken haben sie eine taenioglosse Radula mit einem größeren Mittelzahn, der von zwei kleineren Zähnen und je zwei Bürstenzähnen rechts und links flankiert wird. (Siehe dazu Nahrungsaufname bei Schnecken)

Die Geschlechter sind leicht zu unterscheiden. Beim Männchen ist der rechte Fühler zu einem Begattungsorgan umgebildet. Er ist deutlich dicker als der linke und hat eine stumpfe Spitze. Bei einigen Arten bilden die Männchen ihre Begattungsorgane erst im zweiten Lebensjahr aus. Bei der Sumpfdeckelschnecke (Viviparus contectus) ist der verdickte Fühler bereits im Alter von 8 Wochen sichtbar. Taia naticoides ist bereits im Alter von etwa 3 Monaten geschlechtsreif.

verdickter Fühler am Kopf eines Männchens Paarung

Der rechte Fühler des Männchens ist verdickt und dient als Begattungsorgan. Rechts eine Paarung im Aquarium

Nach der Befruchtung im Körperinneren behält das Weibchen die Eier im unteren, erweiterten Abschnitt ihres Uterus bis die Jungtiere schlüpfen. Sie sind also lebendgebärend (vivipar). Bei einigen Arten der nordamerikanischen Gattung Campeloma wurde in manchen Populationen Parthenogenese nachgewiesen.
Vivipariden haben eine Lebenserwartung von 1,5 - 4 Jahren. Weibchen werden älter als Männchen.

Art Lebenserwartung
Bellamya sp. 36 Monate
Cipangopaludina sp. 36 Monate
Filopaludina bengalensis 18 Monate
Viviparus georgianus 36 Monate
Viviparus viviparus 48 Monate


Arten aus gemäßigten Klimazonen können Kälte gut ertragen und überleben sogar längeres Einfrieren im Eis. Gegenüber ungünstigen Wasserbedingungen sind sie dagegen sehr empfindlich. Viele Sumpfdeckelschnecken sind stark durch Umweltverschmutzung bedroht.

Viviparidae im Aquarium

In der Aquaristik gibt es nur wenige Viviparidae. Interessant ist vor allem die Pianoschnecke Taia naticoides. Sie ist gut haltbar und vermehrt sich problemlos über mehrere Generationen hinweg.
Die einheimischen Sumpfdeckelschnecken können in Kaltwasseraquarien leben, mögen aber auf Dauer keine hohen Temperaturen. Die übrigen Arten haben sich als wenig haltbar erwiesen und konnten bisher nicht über einen Zeitraum von mehreren Monaten hinweg gepflegt werden.
besonders hoch ist die Sterblichkeit bei der "Blauen Turbo-Schnecke". Sie sollte in keinem Fall gekauft werden, um den Import der Tier enicht durch nachfrage zu unterstützen.
In den USA sind vor allem asiatische Arten als "Mysterysnails" im Aquariumhandel zu finden, z.B. Cipangopaludina chinensis (Chinese Mysterysnail). Die Gehäuse dieser Art werden zwischen 25 und 40 mm hoch und 18 bis 30 mm breit. Die Form von Gehäuse und Operculum schwankt in Abhängigkeit von den Umweltbedingungen. Bei niedrigem pH-Wert und geringem Calcium-Gehalt der Gewässer sind die Gewinde der Gehäuse kürzer, der Apex fehlt oft und das Periostracum ist dicker. Obwohl die Arten dieser Gattung alle aus Südostasien stammen, trifft man einige heute auch in amerikanischen Seen und Flüssen an. Zum Beispiel wurde Cipangopaludina japonica von asiatischen Einwanderer als Nahrungsmittel in die USA gebracht. Bereits 1942 wurde sie zum ersten Mal im Niagara River gefunden. Etwa um dieselbe Zeit trat sie auch im Lake Erie auf. Nach Europa werden diese Arten bisher selten importiert.
Auch die Sumpfdeckelschnecke (Viviparus contectus) wird in den USA im Aquarium gehalten.

Pianoschnecken-Pärchen

vorne das Männchen, hinten das Weibchen

Weibchen und Jungtier Weibchen mit wenige Tage altem Jungtier

Operculum von Taia naticoides

Deutlich ist der dicke Kallus zu sehen, der den Nabel verdeckt. Das Operculum glänzt metallisch.

Taia naticoides - Genoppte Pianoschnecke

Die Pianoschnecke ist relativ neu in der Aquaristik. Sie wurde etwa 2007 zum ersten Mal eingeführt und kommt seither immer wieder Mal in den Handel.
Die Gehäuse sind sehr variabel. Tiere mit unterschiedliche intensiven Mustern und Skulpturen kommen in der Natur zusammen vor. Charakteristisch sind die kleinen Knoten die in Spiralreihen auf dem Gehäuse angeordnet sind. Teilweise sind die Knoten zu Spiralrippen verbunden, manchmal fehlen sie ganz. Der Nabel ist geschlossen und von einem dicken, glatten Kallus verdeckt. Der Name Pianoschnecke leitet sich von der Färbung ab, die aus hellen und dunklen Spiralstreifen besteht. Es gibt aber auch einfarbig braune Tiere. Das Operculum ist hornig und auffallend glänzend.
Die Männchen sind an einem verdickten rechten Fühler von den Weibchen zu unterscheiden. Meist wird der etwas nach unten eingerollt, während der linke Fühler zum Tasten vorgestreckt ist. Die Gehäuse der Jungtiere sind bei der Geburt bereits etwa 7 mm hoch und 6 mm breit. Werden die Muttertiere in anderes Wasser umgesetzt stoßen sie wohl auch kleinere Jungtiere mit nur 2 bis 4 mm aus. Jungtiere haben die Gehäuseskulpturen bei der Geburt noch nicht ihr Gehäuse ist glatt.

Das Gehäuse meiner grÖßten Taia ist 32 mm hoch und 23 mm breit. In der Aquarienliteratur findet man aber auch Angaben mit bis zu 40 mm Höhe.
Die Tiere sind problemlos im Aquarium zu pflegen. Anders als die einheimischen Viviparus-Arten vertragen sie die Temperaturen im Warmwasseraquarium gut.
Die Tiere kommen im Inlé-See in Myanmar vor. Der See liegt etwa 900 m über dem Meeresspiegel auf kalkhaltigem Gestein und ist etwa 3 bis 4,5 m tief. Der See inklusive der Sümpfe am Rand ist etwa 112 Quadratkilometer groß. Er hatte 1935 noch etwa 69,10 km2 offenen Wasserfläche heute sind es nur noch 46,69 km2. Die schwimmenden Felder auf der die Bevölkerung (ca. 70.000 Menschen) Gemüse anbaut umfassen etwa 21 Quadratkilometer. (Sidle et al. 2007). Durch den Einsatz von künstlichem Dünger und Pflanzenschutzmitteln ist der See recht stark verschmutzt.

Wasserstand und Wasserwerte sind jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen und unterscheiden sich auch an verschiedenen Stellen im See.
Die Temperatur schwankt zwischen 15 und 30 °C. Messungen von März 2006 bis Februar 2007 ergaben nur im November 2006 einmal alle Temperaturen unter 20 °C. Die übrige Zeit lagen an allen Messtellen die Temperaturen über 23 °C.


Wasserwerte im Inle-See nach Mar Lar Htwe (2008) [und andere Quellen]


Parameter
Wert
Temperatur
15 - 30 °C, meist 23 bis 29 °C
pH-Wert
6,5 - 8,9, meist über 7 [7,8 bis 8.0]
Leitwert
42 - 481 µS/ cm -1 ,den Großteil des Jahres liegt er um 100 µS/ cm -1
Sauerstoffgehalt
2 - 19,5 mg/l [0,6 - 8,6 mg/l, meist unter 5 mg/l]
Gesamthärte
44 bis 210 mg Ca2+/l, entspricht etwa 6 bis 29 °dGH [30 - 50,4 mg Ca2+ /l , 4-7 °dGH]



Die Pianoschnecken weiden im See und in anderen Gewässern der Umgebung Aufwuchs ab. An einigen Stellen liegt Laub am Grund.


Pianoschnecken fressen weiches Futter aller Art. Man kann sie mit Futtertabletten und Flockenfutter, Kaninchenpellets füttern. Anders als Apfelschnecken und andere Aquarienschnecken versammeln sie sich aber nicht direkt an der Futterstelle. Sie scheinen eher an den Mikrofilmen interessiert zu sein, die sich durch den Nährstoffeintrag bildet. Aus dem Wasser sammeln sie Nahrungspartikel, die sich im Atemstrom befinden und leiten sie in einem Schleimfaden, eine Rinne an der rechten Körperseite entlang zum Maul. Das Zufüttern von speziellem Futter für Filtrierer ist aber nicht notwendig.
Diese Tiere sollten im Artbecken oder nur zusammen mit kleinere Schnecken oder wenigen Garnelen gehalten werden. Sie sind wie alle Viviparidae sehr langsam und nicht sehr konkurrenzstark, wenn es ums Futter geht. Werden sie im Gesellschaftsbecken mit Fischen oder zusammen mit vielen anderen Schnecken gehalten kommen sie schnell zu kurz. Die Tiere vergraben sich ab und an. Je ungestörter sie leben, desto weniger graben sie sich ein. Sand und Kies bis 4 mm Größe ist ein geeignetes Substrat. Pianoschnecken mögen weder starke StrÖmung noch grelles Licht. Sie verstecken sich aber nicht gezielt an dunklen Stellen, wenn Pflanzen ihnen etwas Schatten bieten.

Die Systematik dieser Schnecke ist etwas unklar. Ursprünglich 1865 von W. Theobald als Vivipara naticoides beschrieben, wurde sie 1918 von Annandale in die Gattung Taia überführt. Die Gattung Taia wurde für Arten aufgestellt, von denen Annandale glaubte sie kämen nur auf dem Shan Plateau und im oberen Myanmar vor. Vermutlich waren ihm damals keine anderen Vivipariden mit Knoten auf dem Gehäuse bekannt und er hatte nur europäische Viviparus-Arten zum Vergleich. Er unterschied damals 11 Arten, von denen 6 nur als Fossilien bekannt waren. Die Abbildung zeigt alle von Annandale beschriebenen Taia-Arten. Annandale schrieb, er habe sich nicht in der Beschreibung von Untergattungen und Unterarten verzetteln wollen und darum alle Formen als Arten beschrieben.

Taia-Gehäuse aus Annandale 1918





Abbildungen aus der Erstbeschreibung von Annandale 1918: 1, 2, 3: T. intha
4, 5: T. elitoralis
6, 7, 12: T. analoga
8: T. conica
9: T. cylindrica
10, 11: T. lacustris
13: T. intermedia
14, 15: T. shanensis
16, 17: T. naticoides
18: T. theobaldi
19: T. obesa





Haas (1939) schreibt zur Gattung Taia, sie sei weit in Asien verbreitet und könnte in mehrere unterscheidbare Untergattungen geteilt werden. Neuere Autoren akzeptieren teilweise nur Taia naticoides als einzige Art der Gattung. Andere unterscheiden zwischen T. naticoides und T. polyzonata.
Die übergänge zwischen den verschiedenen Gehäuseformen sind fließend. Durch die geringe Mobilität der Tiere kommt es zu einer starken Rassenbildung in den verschiedenen Habitaten. Es ist daher ohne molekulare Untersuchungen kaum möglich die Verwandtschaftsverhältnisse der einzelnen Formen und ihren Artstatus sicher fest zu stellen.
Die gesicherte Herkunft von Taia naticoides (Typus: Vivipara naticoides) liegt in Myanmar und Indien. Taia polyzonata Fraunfeld 1862 ist aus Singapur, Vietnam, China, Hong-Kong und Taiwan bekannt.

Filopaludina sumatrensis - Sumatra-Sumpfdeckelschnecke, Thailandische Sumpfdeckelschnecke

Diese Schnecke wird unter anderem als "Tiger-Turmdeckelschnecke" angeboten. Sie gilt als Rarität, die nur selten angeboten wird. Sie ist bereits seit über 10 Jahren (seit 2004/2005) im Handel.
Das Gehäuse ist bis 30 mm hoch und hat eine Breite von 20 mm. Es ist grünlich gelb oder grünlich braun mit feinen mittelbraunen Spiralstreifen.
Die Erstbeschreibung erfolgte an Hand von Exemplaren von Sumatra. Später wurden Tiere in Java, Malaysia, Indochina and Thailand gefunden und unter Synonymen beschrieben. Heute gibte es vier Unterarten, die sich wahrscheinlich untereinander kreuzen.
Filopaludina sumatrensis peninsularis Brandt, 1974: Südthailand, Malaysia, Singapur
Filopaludina sumatrensis polygramma (Martens, 1860): Zentral- und Süthailand, südliches Myanmar, unter diesem Namen sind die Tiere im Handel
Filopaludina sumatrensis speciosa (Deshayes, 1876): Ost- und Südthailand, Laos, Kambodscha, Nordvietnam
Filopaludina sumatrensis sumatrensis (Dunker, 1852): Typus von Sumatra

In Filopaludina sumatrensis speciosa wurden Cercarien verschiedener Trematoden gefunden. Die Schnecke ist auch Zwischenwirt von Metacercarien von Würmern aus der Familie der Echinostomatidae und überträgt Angiostrongyliasis. Gefährlich sind diese Würmer nur, wenn an die Schnecke roh ist oder das Aquarienwasser von infizierten Wildfängen trinkt.

Die Erfahrungsberichte zur Haltung dieser Schnecken im Aquarium sind eigentlich alle negativ. Wildfänge leben im Aquarium selten länger als 4 Wochen. Selbst unter idealen Bedingungen und mit Zufütterung von Planktonfutter werden die anfänglich aktiven Tieren irgendwann träge und sterben dann. Mit etwas Glück sind dann Jungtiere vorhanden, die sich möglicherweise besser anpassen als die Alttiere. Von Nachzuchten über diese ersten, zufällig freigesetzten Jungtiere von Wildfängen hinaus, habe ich bisher aber noch nichts gehört.
Es gab Berichte über Milben, die in der Mantelhöhle der Tiere saßen. Ob es sich um Parasiten oder einfach nur um harmlose Mitbewohner handelte, ließ sich bisher nicht klären.

Eigentlich sollten die Schnecken sich aber gut im Aquarium halten lassen. Sie kommen zum Beispiel im Thachin River in Zentral-Thailand vor. Dort wurden folgende Wasserwerte gemessen: pH-Wert 6,77 - 7,09, Temperatur 29,4 - 29,8 °C, 1,1 - 1,7 mg/l Sauerstoff, Kohlendioxid 36 - 110 mg/l, 0,6 - 0,9 mg/l Amonium.
In meinen Aquariuen ist die organische Belastung geringer und der Sauerstoffgehalt höher. Ein Wasseraufbereiter zur Beseitigung von chemischen Schadstoffen wurde verwendet. Erst sind die Tiere immer aktiv und fressen Mulm, Aufwuchs und Futter. Dann sterben sie meist alle trotz Wasserwechsel und gleichbleibender Fütterung innerhalb von wenigen Tagen. Möglicherweise ist die Ursache dafür das natürliche Lebensende. Filopaludina bengalensis wird nur 18 Monate alt. Vieleicht sind die als erwachsenen Tiere gesammlten Wildfänge der Sumatra-Sumpfdeckelschnecke bereits zu alt.

Gehäuse von Viviparus contectus Paarung zweier Männchen

Rechts "Paarung" zweier Männchen.

Viviparus contectus - Sumpfdeckelschnecke

Das Gehäuse der Sumpfdeckelschnecke ist kegelförmig, 30 bis 50 mm hoch und 25 bis 35 mm breit. Die gewölbteb Windungen sind durch eine tiefe Naht deutlich von einander abgesetzt. Die Mündung ist eiförmig, aber deutlich runder als bei den anderen Viviparus-Arten. Die Gehäusefarbe variiert von grünlich über braun bis schwarz mit drei Bändern oder ohne. Es gibt auch eine gelbliche, albinotische Form. Der Körper ist grau-braun mit gelb-orangen Punkten.
Die meisten Jungen werden in der Natur im Juni oder Juli geboren. Es können etwa 6 bis 7 Jungschnecken auf einmal freigesetzt werden. Bei der Geburt sind sie bereits 4-6 mm hoch und 5-6 mm breit. Es sind deutlich alle drei Streifen sichtbar. Nach 14 Tagen haben sie im Aquarium eine Gehäuselänge von etwa 8 mm. Im Alter von 3 Monaten sind die Schnecken 11,8 mal 11,8 mm groß und durchschnittlich 0,564 g schwer. Die Tiere können bis zu 10 Jahre alt werden. Es wurde mehrfach beobachtet, dass die Weibchen kurz vor ihrem Tod (oder danach) alle fertigen und unentwickelten Jungtiere, sowie Eier ausstoßen. Vermutlich wird das durch Muskelkontraktionen beim Sterben oder beim Einsetzen der "Leichenstarre" verursacht. Diese Art lebt in wenig bewegten, pflanzenreichen Altarmen, Teichen, Tümpeln und Seen. Die Tiere halten sich vor allem im Schlamm des Bodens auf. Sie sind in ganz Europa und in den USA verbreitet, aber nicht sehr häufig. In Deutschland stehen die Tiere auf der Roten Liste.
Obwohl diese Art in den gemäßigten Breiten zu Hause ist, kann sie gut in Süßwasseraquarien gehalten werden. Temperaturen um 24 °C werden gut vertragen. Kurzfristig schaden Temperaturen bis 30°C nicht. Die Tiere pflanzen sich fort, bleiben aber etwas kleiner als in kühlerem Wasser. Da sie sich gerne im Substrat vergraben, sollten sie nicht ohne Bodengrund gehalten werden. Grelles Licht scheint ihnen unangenehm zu sein. Ansonsten sind sie tagsüber aktiv und gut zu beobachten. Die Tiere sind nicht besonders schnell. Nach Störungen, besonders durch Herausnehmen aus dem Wasser, brauchen sie lange, bevor sie ihr Haus wieder verlassen. Sie sollten möglichst ungestört leben können. Ein Artaquarium ist für diese Tiere optimal.

Gehäuse von Viviparus contectus Skizze vom Kopf eines Weibchens

Die Windungen des Gehäuses sind deutlich von ein ander abgesetzt.
Rechts Porträt einer weiblichen Sumpfdeckelschnecke.

Viviparus viviparus - Flussdeckelschnecke

Die Flussdeckelschnecke hat ebenfalls ein kegelförmiges Gehäuse. Im Gegensatz zur vorangegangenen Art sind bei ihr die Windungen weniger bauchig. Sie sind nicht so deutlich von einander abgesetzt. Das Gehäuse ist hellbraun mit dunklen Bändern. In der Höhe erreicht es im Mittel 34 mm und 25 mm in der Breite. Ausgewachsene Tiere wiegen etwa 5,5 bis 7,5 g.
Im Gegensatz zur Sumpfdeckelschnecke (V. contectus) bevorzugt diese Art bewegte Gewässer. Sie ist auch im Brackwasser an der Küste von Nord- und Ostsee zu finden. Die Eier im Uterus entwickeln sich nach und nach. Es sind einige wenige Eier im Uterus und weitere Portionen weiter unten im Eileiter. Diese rücken nach, wenn die weiter entwickelten Jungtiere geboren wurden. Zwischen zwei Geburten liegen etwa 14 Tage. Die Jungtiere sind etwa 6 mm im Durchmesser. Verglichen mit der MündungshÖhe der Weibchen, die nur etwa 15 mm beträgt, ist das sehr groß.


Viviparus viviparus ein Pärchen Sumpfdeckelschnecken Männchen der Sumpfdeckelschnecke

Flussdeckelschnecke im Aquarium. In der Mitte ein Paar - das Männchen unten hat einen verdickten rechten Fühler. Rechts das Portrait einer männlichen Flussdeckelschnecke

Celetaia persculpta -Blaue Turboschnecke

Diese Schnecke aus dem Poso-See wurde 1898 von Paul und Fritz Sarasin als Viviparus persculptus beschrieben. Clench überführte die Art 1966 in die dafür neu aufgestellte Gattung Celetaia, weil sie sich stark von den Arten der übrigen Gattungen unterscheidet.

Diese Schnecken eignen sich nicht für die Haltung im Aquarium! Bitte nicht kaufen, damit keine Nachfrage entsteht und die Tiere nicht mehr importiert werden. Die Gehäuse der Tiere werden bis 38 mm hoch und 23 - 26 mm breit. Das Gehäuse ist kegelförmig mit einem winzigen Nabel. Die 4 - 5 Windungen sind deutlich von einander abgesetzt. Die Windungsübergänge sind annähernd rechtwinkelig. über alle Windungen verlaufen 4 bis 6 deutliche Spiralrippen. An der Unterseite sind Wuchslinien als feinere Axiliar-Rippen zu zu sehen. Die Farbe variiert von hell braun-oliv bis dunkelbraun. Der Apex ist meistens erodiert. Das Operculum ist eiförmig, konzentrisch. Es hat den Nukleus nicht ganz in der Mitte. Der Weichkörper ist gelb-orange oder schwarz mit einer Scheckung am Kopf und am Fußrand.
Als Turboschnecke wird das Tier bezeichnet, weil das Gehäuse wie ein Kreisel (Turbo) geformt ist. Wie alle Viviparidae ist die Schnecke alles andere als schnell.
Leider kann man diese Schnecken nicht im Aquarium halten. Selten leben die Tiere länger als eine oder zwei Wochen. Sie sind auf die Wasserwerte des Poso-See angewiesen und vertragen die wiederholten Wechsel des Milieus während des Imports nicht. Die Tiere werden nach dem Fang nicht in Poso-see-Wasser gehältert. Sie kommen in Singapur in anderes Wasser, dann wieder in beim Großhändler in Deutschland und noch einmal beim Zohhändler. Meistens bekommen sie während der ganzen zeit nur wenig oder gar kein futter, damit das Wasser nciht verdirbt. Dadurch leiden die Tiere und erholen sich von dem Stress nicht mehr! Auch Versuche sie in Aquarien mit künstlich hergestellten Poso-See-Wasser wieder aufzupebbeln schlugen fehl. Selbst Aquarianer, die erfolgreich die Kardinalsgarnele pflegen und nachzüchten, konnten die Tiere nicht halten! Sie erleiden beim Transport von Asien nach Europa zu schwere Schäden.

Celetaia persculpta Celetaia persculpta Männchen Gehäuse von Celetaia persculpta

Meistens sterben die Tiere im Aquarium sofort. Nur selten überleben sie ein oder zwei Wochen. Bei diesem Männchen sieht man am zusammengefalteten Fuß, dass es schon sehr geschwächt ist.
Die Tiere sind aktiv und fressen, aber sie erholen sich nicht wieder. Am Ende bleiben nur die Gehäuse.



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Literatur: N. Annandale (1918): Aquatic molluscs of the Inlé Lake and connected waters.- Records of the Indian Museum Vol. 14, 103-182

N. Annandale (1920): Indian Freshwater Gastropods No. II - The Indian Genera of Viviparidae. Records of the Indian Museum Vol. 19, 107-116

Clench,W. J. (1966): Celetaia, new genus of viviparidae from the island of Celebes, Indonesia.- The Nautilus 79(4), 137

GlÖer, P. (2002): Die Süßwassergastropoden Nord- und Mitteleuropas.- Die Tierwelt Deutschland Band 73

F. Haas (1939): Malacological Notes.- Zoological Series of Field Museum of Natural History, Vol. 24, Chicago, September 19, 1939, No. 8

Mar Lar Htwe (2008): Analysis of water pollution in freshwater Inle Lake based on eutrophication.- Dissertation, Universität Yangon, Mayanmar

Romy Richter (2015): Die Evolution und Biogeographie der südostasiatischen Sumpfdeckelschnecken (Viviparidae): ein molekularer und morphologischer Ansatz.- Dissertation im Fach Biologie eingereicht an der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin

Sarasin P., Sarasin F. (1898): Die Süsswasser-Mollusken von Celebes (Wiesbaden), 1: 62, pi. 10, fig. 129-130; pi. 9, fig. 121. (Vivipara persculpta)

Schwab, H. (1995): Süßwassertiere - Ein Ökologisches Bestimmungsbuch.- 1. Auflage, Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart

Roy C. Sidle,Alan D. Ziegler, John B. Vogler (2007): Contemporary changes in open water surface area of Lake Inle, Myanmar.-Sustain Sci 2, 55 - 65

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