Tellerschnecken, werden im deutschen Sprachgebrauch
meist als „Posthornschnecken“ bezeichnet, weil die Meisten von ihnen wie
ein Post- oder Jagdhorn flach in einer Ebene gewunden sind. Alle Mitglieder
dieser Schneckenfamilie haben nur ein Paar fadenförmige Fühler.
Der Kopf ist breit und deutlich vom Körper abgesetzt.
Es sind zwittrige Tiere und sie atmen atmosphärische
Luft in einen Luftsack unter ihrem Gehäuse.
Tellerschnecken haben anders als andere Schneckenfamilien
einen roten Blutfarbstoff. Dieser lässt Tiere ohne Pigmente in der
Haut oder dem Gehäuse rot leuchten. Solche Albinos treten bei verschiedenen
Arten auf. Diese Färbung hilft also nicht bei der Artbestimmung. 20
oder mehr Gattungen von Tellerschnecken gibt es weltweit. Wahrscheinlich
gibt es mehr als 500 Arten. Es gibt sie in Europa, Nord- und Südamerika,
Asien und Afrika.
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Tellerschnecken zu unterscheiden ist schwierig. Man kann sie an Hand ihrer Gehäuseumrisse (in Grundposition) und Mündungsformen aber zumindest in Gattungen einordnen. Die hier abgebildeten Gehäuse (abgesehen von A) sind auf dem Kopf gestellt. Der Nabel ist bei ihnen oben und die eigentliche (anatomische) Oberseite unten. Das ist die Ausrichtung in der die Gehäuse von den Schnecken getragen werden. Der Gehäuseumriss in der Grundposition wird als Kontur bezeichnet. Die Konturlinie kann gerade, ausgebeult (konvex) oder nach innen gebogen (konkav) sein. Bei der Flachen Federkiemenschnecke (Valvata cristata) ist in der Nabellage die Kontur konkav (A). Bei der Glänzenden Tellerschnecke (Segmentia nitida) ist sie dagegen konvex (C) und bei der Gemeinen Tellerschnecke (Planorbis planorbis) (B) und der Riementellerschnecke (Bathyomphalus contortus) (D) gerade. Die Form der Mündung ist durch die Stärke der
Wölbung der Windungen bedingt. Je stärker die Windungen gewölbt
sind, desto runder wird die Mündung. In den meisten Fällen ist
breiter als hoch oder halbmondförmig (Bathyomphalus contortus,
D).
A Valvata cristata (Valvatidae)
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Die Gelege sind rund, oval oder nierenförmig. Sie bestehen aus einer klaren Gallerte, die bei den kleinen Arten eins bis zehn und bei den größten Arten etwa zehn bis dreißig Eier enthält. Direkt nach der Ablage sind die Gelege noch weich, werden aber zunehmend fester und dabei manchmal leicht gelblich. Sie werden unter Wasser an die Unterseite von Blättern oder an Steine, Holz oder die Aquarienscheibe geklebt. Die Tiere fressen bevorzugt Algen. Neben fädigen Grünalgen sollen sie zum Teil auch Blaualgen fressen. Diese vermehren sich jedoch sehr stark und können nicht allein von den Schnecken beseitigt werden. Wenn Algen fehlen, werden auch gesunde Pflanzen, beginnend mit den weicheren Arten, angefressen. Je größer die Schneckenart ist und je mehr Tiere davon in einem Aquarium leben, desto größer ist die Gefahr von Pflanzenschäden. Meistens fressen Tellerschnecken aber nur an Blättern, die bereits absterben. Exemplare unter einem Zentimeter Gehäusedurchmesser richten (von Massenvorkommen abgesehen) keine sichtbaren Schäden an.
Die bekannteste und größte
einheimische Tellerschnecke ist die Posthornschnecke (Planorbarius
corneus). Ihr Gehäuse wird bis 12 mm hoch und 34 mm breit.
Es ist hornfarben, rotbraun bis olivbraun und nicht durchscheinend. Die
Mündung ist breit nierenförmig und etwas schräg. Der Körper
ist dunkelbraun bis schwärzlich. Die albinotische Form wurde früher
häufig in Aquarien als „Rote Posthornschnecke“ gehalten.
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Weil das Gehäuse sehr dick ist, scheint
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Im Aquarium ist die Posthornschnecke
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Die Skizze zeigt den angesetzten Kopf, die fadenförmigen
Fühler und die kleine Hautfalte, die als sekundäre Kieme dient.
Als Lungenschnecken, die vom Landleben ins Wasser zurück gekehrt sind, haben Tellerschnekcen keine echten kiemen mehr, wie die Apfelschnecken (Ampullariidae). Sie können in sauerstoffreichen Gewässern zusätzlichen Sauerstoff über die Haut aufnehmen. Die Hautfalte ist besonders dicht mit Blutgefäßen durchzogen und dient so als Ersatz für eine Kieme. |
Heute findet man als Rotes Posthorn
vor allem die südamerikanische Tellerschnecken Helisoma nigricans
und
Helisoma duryi. Helisoma nigricans wird nur 10 mm hoch und 18
mm breit, ist also etwas kleiner als die einheimische Art. Auch bei ihr
ist die Mündung schräg. Sie stammt ursprünglich aus Brasilien.
Ihre Lethaltemperatur soll knapp unterhalb von 20 °C liegen.
Helisoma
duryi ist noch etwas kleiner.
Albinotische Helisoma nigricans. Bei diesen
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Helisoma duryi tritt ebenfalls als Albino auf. |
Die Kleine oder Amerikanische
Posthornschnecke (Helisoma trivolvis) ist 10-15 mm hoch, 18-30
mm breit und gelbbraun bis braun. Diese Art stammt aus Amerika und wurde
von Kanada bis Brasilien nachgewiesen. Sie wurde über botanische Gärten
nach Europa eingeschleppt. Im Unterschied zur einheimischen Posthornschnecke
(Planorbarius corneus), ist bei H. trivolvis die Mündung eirund bis
ohrförmig und nicht schräg. Entlang des Mündungsinnenrandes
verläuft ein rotbrauner oder purpurfarbener Streifen. Diese Art ist
bei uns winterhart und lebt in einigen Teichen und Aquarien.
Helisoma trivolvis an Hornkraut |
Die Gemeine Tellerschnecke (Planorbis
planorbis) ist deutlich schmaler. Ihr Gehäuse wird nur 18
mm im Durchmesser und 3,5 mm hoch. Etwas oberhalb der Windungsmitte verläuft
ein deutlicher Kiel. Der Körper ist einfarbig schwarzbraun. Diese
Schnecken haben eine Lebenserwartung von etwa ein bis zwei Jahren.
Die Tropische Posthornschnecke (Biomphalaria glabrata)
unterscheidet sich äußerlich auch kaum von der heimischen Posthornschnecke.
Sie wird in Deutschland nicht gehandelt, gehalten oder vermehrt. In den
USA kann man sie aber kaufen. Diese Schneckenart und andere aus ihrer Gattung
sind Zwischenwirte für Bilharziose-Erreger (Schistosoma sp.). Wer
Posthornschnecken in seinem Aquarium hält, braucht aber nicht in Panik
verfallen. Wenn die Tiere mit Pflanzen als Gelege eingeschleppt wurden,
sind sie in jedem Fall frei von Parasiten. Ein gewisses Risiko besteht
aber, wenn man die Tiere selbst aus dem Urlaub mitbringt. In dem Fall ist
die Gefahr einer Infektion allerdings schon dann gegeben, wenn man in das
verseuchte Gewässer steigt oder hineinfasst. In diesem Zusammenhang
sollte man flache, stehende und warme Gewässer meiden.
Die scharfe Tellerschnecke
(Anisus vortex) hat ein sehr flaches Gehäuse. Es ist
nur 1,3 mm hoch und hat einen Durchmesser von maximal 10 mm. Die 6 bis
7 Windungen sind an der Unterseite deutlich gewölbt. Es gibt einen
scharfen Kiel. Darüber ist das Gehäuse abgeflacht. Beim Kriechen
ist die flache Oberseite unten. Der Lebensraum sind langsamfließende
oder stehende Gewässer mit dichten Pflanzenbeständen. Man findet
die Tiere zum Beispiel im Schilfgürtel oder in treibenden Ansammlungen
von abgetrennten pflanzenteilen entlang der Ufer.
Die Art ist - zumindest bei mir - nicht aquarientauglich.
Häufig überleben die Tiere nicht länger als ein oder zwei
Wochen. Vermutlich vertragen sie keine Temperaturen über 20 °C.
Eine ähnliche Art ist Anisus vorticulus,
die aber einen stumpfen Kiel hat, der mittig auf den Windungen sitzt. Auch
sind bei dieser Art die Windungen oberhalb und unterhalb des Kiels gewölbt.
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In vielen Aquarien leben andere sehr kleine Tellerschneckenarten.
Eine dieser Arten ist Planorbella scalaris. Die ausgewachsenen
Tiere sind etwa 9 bis 10 mm breit und 5 bis 7 mm hoch. Auf der linken (oberen)
Seite ist das Gehäuse völlig flach und wirkt als wäre es
abgeschliffen und poliert worden. Hier befindet sich eine scharfe Kante
(Kiel), von der die Wölbung der Windung begrenzt wird. Manchmal bilden
die Tiere ein Gewinde aus. Dabei bleibt die Spitze aber platt. Auf der
rechten (unteren) Seite ist der Nabel (Umbilicus) sehr tief eingesenkt.
Das Gehäuse ist sehr dünn und es scheinen dunkle Flecken auf
dem Mantel durch. Teilweise sind sogar innere Organe zu sehen. Von dieser
Art sind ebenfalls Albinos weit verbreitet.
Das Gehäuse von Planorbella scalaris
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Rückseite mit tiefem Nabel. |
Diese Mutation von Planorbella scalaris
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Manchmal leben auch winzig kleine Tellerschnecken mit nur wenigen Millimetern Durchmesser in Aquarien. Sie fressen feine Algen, abgestorbene Pflanzenteile und weiche Futterreste. Sie richten keinen Schaden an, werden manchmal als unschön empfunden. Zu welchen Arten diese Tiere gehören, ist schwer zu sagen, wenn man oft als Anhaltspunkt nicht einmal den Kontinent hat von dem sie stammen.
Es gibt in Europa eine Reihe sehr kleiner Tellerschnecken. Dazu gehören die Weißmündige Tellerschnecke (Anisus leucostoma), das Weißes Posthörnchen (Gyraulus albus), Linsenförmige Tellerschnecke (Hippeutis complanatus), die Glänzende Tellerschnecke (Segmentia nitida) und das Zwergposthörnchen (Gyraulus crista). Das Gehäuse der letzten Art wird bis 0,9 mm hoch und 2,8 mm breit. Damit ist sie die kleinste einheimische Tellerschnecke. Die Gehäuse der übrigen sind zwischen 0,8 und 1,8 mm hoch und 4 bis 7 mm breit. Diese Arten leben in pflanzenreichen Stillgewässern und Gräben mit langsam fließendem Wasser. Man findet sie viel zwischen Wasserlinsen. Wer Wasserlinsen und Lebendfutter aus der Natur entnimmt kann durchaus auch auf diese Zwerge eines Tages in seinem Aquarium finden.
Vor allem in der älteren Aquarienliteratur wird manchmal die Australische Spitzhornschnecke (Physastra proteus oder Isodora proteus) erwähnt. Ihr breit-konisches Gehäuse (Außenwinkel 60 bis 70°) ist graugrün. Es wird in der Natur bis 2 cm lang. Im Aquarium bleiben die Tiere meistens kleiner. Ursprünglich stammen sie aus Australien. Sie ähnelt der einheimischen Spitzen Blasenschnecke (Physella acuta), weil sie nicht wie andere Tellerschnecken flache, sondern getürmte Gehäuse haben. Auch bei dieser Art sind die Albinos wegen ihres hämoglobinähnlichen Blutfarbstoffes rot.
Die kegelförmigen , afrikanischen Tellerschnecken werden der Gattung Bulinus zugeordnet. Bulinus truncatus (Synonyme: B. rohlfsi und Isodora truncatus) ist in der Größe und Form sehr variabel. Im Schnitt ist das Gehäuse 14,5 mm hoch und 10 mm breit. Es ist kegelförmig bis oval. Die Windungen sind nur wenig gewölbt. Die Mündung ist spitzoval. Die Tiere sind zwittrig. Es gibt in den Populationen aber Tiere, die keinen Penis bilden (aphalisch). Das Verhältnis von aphalischen zu euphalischen Tieren in natürlichen Populationen und in Versuchen liegt bei etwa 1:1. Bei B. truncatus sind beide Formen zur Selbstung und zur Kreuzbefruchtung fähig. Die aphalischen Tiere fungieren bei Paarung nur als Weibchen. In 8 von 10 Fällen erfolgt die Vermehrung parthenogenetisch. In Versuchen begannen isolierte Tiere ab einer Größe von 5 mm, im Alter von etwa 35 Tagen (25 °C) Eier zu legen. Die Gelege umfassen bis zu 20 Eier. Die Jungen schlüpfen nach 5 bis 10 Tagen.
Tabelle: Durchschnittliche Lebensdaten für B.
truncatus (OSTROWSKI ET AL. 2003)
| Größe zum Todeszeitpunkt | 9,42 mm |
| Alter bei der ersten Eiablage | 36,4 Tage |
| Absolute Eizahl bis zum Tod | 1063,4 |
| Gelegezahl | 128,4 |
| Eier pro Gelege | 7,2 |
| Fruchtbare Lebensspanne | 141,5 Tage |
| Eier pro Tag | 6,8 |
| Gelege pro Tag | 0,92 |
| Alter bei der letzten Eiablage | 179 Tage |
| Todesalter | 201,3 Tage |
| Schlupfrate | 98 % |
| Überlebensrate der Jungschnecken | 89 % |
Es konnten auch keine genetischen Unterschiede zwischen
euphalischen und aphalischen Tieren gefunden werden. Aus einem durch Selbstung
entstandenem Gelege schlüpften beide Formen. Es sieht so aus, als
würde mit steigender Umgebungstemperatur auch der Anteil an aphalischen
Tieren zunehmen. Die sexuelle Form der Tiere wird bereits im Ei bestimmt
und für das ganze Leben festgelegt. Die Ernährung der Jungtiere
hat also keinen Einfluss auf die Bildung des Penis. Die Art ist Nordafrika
weit verbreitet. Sie lebt im gesamten Nilgebiet und in vielen Oasen im
Inneren der Sahara, auch in temporären Gewässern. Im Mittelmeerraum
gibt es einzelne isolierte Populationen (Sizilien, Peleponnes, Arabien,
Israel).
Ostrowski, M.-F.; Jarne, P.; David, P. (2003): A phallus for free? Quantitative genetics of sexual trade-offs in the snail Bulinus truncatus.- J. Evol. Bio., Vol. 16, 7-16
© Wilstermann-Hildebrand 2009