Der Moosball wird wegen seines ungewöhnlichen Aussehens oft als Dekoration in Aquarien verwendet.
Beim Moosball handelt es sich aber nicht um eine Moos, sondern tatsächllich um einen Knäuel aus verfilzten Grünalgen.
Der Algenball gehört zu den Chlorophyta (Grünalgen) und wird in die Familie der Cladophoraceae eingeordnet. Zu der Gruppe gehören
verzweigte und unverzweigte, fadenförmige Grünalgen mit großen, vielkernigen Zellen und wandständigen Chlorplasten.
In der Gattung Aegagropila gibt es nur diese eine Art. Lange Algenfäden verwachsen zu einem Knäuel und bilden eine
Kugel, wenn sie in den Randbereichen von größeren Seen von den Wellenbewegungen hin und her gerollt werden. Größere Kugeln
sind oft hohl, weil die Fäden im Inneren durch Lichtmangel sterben. Es empfiehlt sich die Bälle im Aquarium von Zeit zu Zeit wie einen Schwamm
auszudrücken um den Mulm zu entfernen.
Die Algen nehmen wie alle anderen Wasserpflanzen auch Nitrat und Phosphat auf, in dem sie die Nährstoffe in ihre Körpermasse
einbauen. Die Angst, dass der Algenball durch Drücken wieder Nitrat oder Phosphat ans Wasser abgibt, ist darum unbegründet. Lediglich
absterbenden Teile geben bei ihrer Zersetzung Nährstoffe ab, wie es andere verwesende, organische Materialien auch tun.
Synonyme:
Cladophora aegagropila Nees
Cladophora sauteri
Herkunft:
Rußland, Osteuropa
Aussehen:
Dunkelgrüne Kugeln aus rauhen Algenfäden. Sie haben einen Durchmesser von 1 bis 20 cm. Grosse Exemplare sind innen hohl.
Die Form kommt durch das Rollen in den Wellen vom Uferbereich großer Seen zustande. Im Aquarium werden die Kugeln zunehmend flacher und öffnen sich meist.
Dann wachsen sie flächig über die Einrichtung und setzen sich zum Beispiel auf Filtermatten fest.
Temperatur: 5-28 °C (winterhart)
pH-Wert: 6,0-8,0
Härte: 2-18 °KH (bis 20 °dGH)
Licht: wenig bis mittel
Sonstiges:
Oft wird diese Alge als Cladophora agagropila bezeichnet. Diese Bezeichnung ist aber nicht richtig. Die Art wurde ursprünglich
unter dem Namen Aegagropila linnaei beschrieben. Während bei Cladophora einzelne, stark verzweigte Einzelfäden vorliegen, verfilzen die Fäden
bei Aegagropila (Rothmaler 1994).
Außerdem gibt es deutliche Unterschiede in der Zusammensetzung der Zellwände, die bei Aegagropila
auch Chitin enthalten und bei den Chloroplasen, die sich in ihrer Carotin-Zusammensetzung unterscheiden.
In den 1970er Jahren sollen die Algenbälle in der DDR beliebte Aquarienpflanzen gewesen sein. Sie
kamen früher in Brandenburg und Mecklenburg in Seen vor (Galenbecker See).
Moosbälle waren von 2007 bis etwa 2010 ein absolutes "Must have". Sie wurden zur Gestaltung von Aquascpaing Layouts
verwendet. Manchmal war die Verwendung schlicht, teilweise aber auch sehr phantasievoll. Die Alge wächst überall fest und kann so
in beliebige Formen gebracht werden.
Die Pflege der Alge ist nicht schwierig, die Bälle in Form zu halten aber schon.
Die Kugeln verschlammen leicht und sollten daher nicht in Aquarien mit gründelnden Fischen gepflegt werden.
Wenn die Kugeln zerfallen, können sich Fasereste an kleinen Steinchen (2-5 mm) anheften und daraus neue Mooskugeln wachsen.
Werden die Steinchen entfernt, wachsen runde Kugeln, mit dem Steinchen
werden meist flache, ellipsoide Formen gebildet. Die in der Vermehrungs-Beschreibung
von Wagenknecht (2006) genannten Wasserwerte sind: 25 °C, GH 16, KH 2, pH 6,8. Die Beleuchtungsdauer beträgt 12 Stunden mit 2 mal 38 Watt auf
220 Liter, bei einer Beckenhöhe von 42 bis 58 cm.
Meist bilden die abgelösten Algenfäden aber Matten auf der Einrichtung und auf Filtermatten. Sie sind schwer zu entfernen
und neigen zum Wuchern.
Schwebende Algenbälle von Oliver Knott beim Aquascaping Contest Heimtiermesse Hannover 2011
Da die Moosbälle innen hohl sind, kann man sie über Steine ziehen. So entstehen größere Flächen oder kleine Inseln für Garnelen.
Hier wurden Moosbälle über eine handförmige Vorlage gezogen. Ein Design von Oliver Knott von der Interzoo 2012.
Literatur:
W. Rothmaler (1994): Exkursionsflora von Deutschland.- Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg, Berlin
S. Kornorbis (1994): Cladophora aegagropila.- DATZ 47 (4), 250-251
Takeo Horiguchi, Tadao Yoshida, Manabu Nagao, Isamu Wakana,
Yasutugu Yokohama (1998): Ultrastructure of chloroplasts in 'Marimo' (Cladophora aegagropila, Chlorophyta), and changes after exposure to light.- Phycological Research 46 (4), 253 - 261
C. Kasselmann (1999): Eine Kuriosität im Aquarium. Der Echte Seeball oder Seeknödel Cladophora aegagrophila.- Aquarium heute 17(3), 378-382
Takeaki Hanyuda, Isamu Wakana, Shogo Arai, Kazuyuki Miyaji,
Yasuyuki Watano, Kunihiko Ueda (2002): Phylogenetic relationships within Cladophorales (Ulvaphyceae, Chlorophyta) inferred from 18s rRNA gene sequences, with special refference to Aegagropila linnaei.- Journal of Phycology 38 (3), 564 - 571.
Miyaji, Shogo Arai, Kunihiko Ueda, Isao Inouye (2004):
Carotinoid composition of Cladophora Balls (Aegagropila linnaei) and some members of the Cladophorales (Ulvophyceae, Chlorophyta): Their taxonomic and evolutionary implication.- Journal of Phycology 40 (6), 1170 - 1177
U. Wagenknecht (2006): Der Seeball - Vermehrung im Aquarium.- Aqua Planta 3 - 06, 115-117
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