Gattung Spiranthes - Wasserorchidee oder Wendelorchis 
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Spirathes graminea
Spiranthes odorata

ES gibt etwa 300 Arten dieser Gattung weltweit. Zwei wurden bisher in Aquarien und Paludarien kultiviert - Spiranthes odorata und Spiranthes graminea. Sie sind sich sehr ähnlich und lassen sich laut Kasselmann (1999) nur an Hand unterschiedlicher Blattbreiten und Blütengrößen unterscheiden. Die Blütengrößen sind so ähnlich, dass eine eindeutige Unterscheidung nicht möglich ist. An Hand der Blattbreite kann die im Handel erhältliche Art aber als Spiranthes odorata identifiziert werden.
Paffrath stellt in AQUA-PLANTA 3-77 eine "Spiranthes cernua" aus Florida vor. Der Name ist ein Synonym von S. odorata. Laut Beschreibung sind die Blätter dieser Pflanze aber bis 10 cm lang und nur einen Zentimeter breit. Wenn die von Kasselmann (1999) angegebenen Unterscheidungsmerkmale stimmen, dann handelt es sich bei der Pflanze von Paffrath umd Spiranthes graminea.
Van Bruggen (2003) vertritt die Ansicht, dass S. cernua und S. odorata zwei verschiedene Arten sind. Der Unterschied läge vor allem darin, dass S. odorata an den Wurzelspitzen Jungpflanzen bilde und S. cernua an der Basis des Blütenstandstiels. Sollte es sich um eine Art handeln, dass müsste dem Namen S. cernua der Vorzug gegeben werden, weil er früher vergeben wurde.

Die Pflanzen in gärtnerischer Kultur bilden Jungpflanzen an den Wurzelspitzen.

In Mitteleuropa gibt es zwei Arten aus der Gattung Spiranthes. Die Sommerwendelorchis oder Sommerdrehwurz (S. aestivalis) und die Herbstwendelorchis oder Herbstdrehwurz (S. spiralis). Beide leben bevorzugt auf kalkhaltigem, feuchtem Boden. Sie meiden dauerhafte Beschattung und leben darum auf Flächen mit kurzen Gräsern. Sie werden durch gezielte Beweidung mit Schafen oder Ziegen bzw. Mähen begünstigt. Als Bestäuber fungieren zum Beispiel Bienen.

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Grasartige Wasserorchis 
Spiranthes graminea LINDLEY 1840

Synonyme:
Gyrostachys graminea (LINDLEY) KUNTZE

Herkunft:
Arizona, Mexiko, Guatemala, nach Paffrath (1977) auch in Florida

Aussehen: 
Die Blätter sind fettig glänzend, grün, schmal lanzettlich, 10 bis 30 cm lang und 0,7 bis 1 cm breit. Die Wurzeln sind 2 bis 5 mm dick, fleischig und wollig behaart. Die Blattrosette wird etwa 20 cm hoch. Der Blütenstand erreicht eine Länge von bis zu 80 cm. Die Blüten sind in einer spiralig gedrehten 10 bis 30 cm langen ähre angeordnet. Die weißen Blüten die Achse der ähre sind behaart. Die Blütenlippe ist etwa 0,8 cm lang und 0,4 cm breit. Ihr Rand ist ausgefranzt. Die Jungpflanzen werden an den Wurzelspitzen gebildet.
 

Temperatur:      22-30 °C

pH-Wert:          6,0-8,0

Härte:               2-18 °KH

Licht:                wenig bis sehr viel

Sonstiges:
Am Naturstandort wächst diese Art zumindest zeitweilig in bis zu einem Meter tiefen Wasser. Die Pflanzen blühen und erreichen bei geringerem Wasserstand auch die Oberfläche. Im Aquarium lässt sie sich aber nicht gut kultivieren und eignet sich besser für Terrarien und Paludarien. Die Art wird nicht kommerziell vermehrt. 
 

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Wasserorchis oder Wendelorchis
Spiranthes odorata (NUTALL) LINDLEY 1840

Synonyme:
Neottia odorata NUTTALL 1834
Spiranthes cernua (LINNÉ) L.C. RICHARD 1818

Herkunft:
Osten und Südosten der USA

Aussehen: 
Die Blätter sind fettig glänzend, grün, schmal lanzettlich, 10 bis 30 cm lang und 1 bis 3 cm breit. Die Wurzeln sind etwa 5 mm dick, fleischig und wollig behaart. Die Blattrosette wird etwa 20 cm hoch. Der Blütenstand erreicht eine Länge von bis zu 80 cm. Die 20 bis 40 Blüten sind in einer spiralig gedrehten 10 bis 30 cm langen ähre angeordnet. Daher kommt der Trivialname "Wendelorchis". Die weißen, wohlriechenden Blüten und die Achse der ähre sind sind behaart. Die Blütenlippe ist etwa 1 bis 1,2 cm lang und 0,5 bis 0,6 cm breit. Ihr Rand ist ausgefranzt.
Erst wenn eine Rosette geblüht hat und der Blütenstand beginnt einzutrocknen, bildet die Pflanze Jungpflanzen an den Wurzelspitzen. Die einzelnen Blattrosetten blühen mehrmals. Oft schieben sie bereits einen neuen Blütenstand bevor der alte vollständig eingetrocknet ist. Es werden bis zu acht Tochterpflanzen gebildet, bevor die Mutterpflanze beginnt abzusterben. Die Kindel blühen nach etwa einem Jahr.

Temperatur:     20-28 °C

pH-Wert:          6,0-7,5

Härte:               2-18 °KH

Licht:                mittel bis viel

Sonstiges:
Am Naturstandort wächst diese Art in Sümpfen und Flüssen zum Teil mit Gezeiteneinfluss. Sie steht sowohl schattig als auch in der vollen Sonnen.
Unter Wasser wächst die Pflanze nur langsam und bildet nur etwa 10 cm lange Blätter. Darum eignet sie sich im Aquarium vor allem für den Vordergrund. Nur bei einem Wasserstand unter 40 cm erreicht der Blütenstand die Oberfläche und Öffnet sich. Ohne die Möglichkeit zu blühen ist die Vermehrung im Aquarium gering. 
Sie eignet sich auch für feuchte Terrarien und Paludarien. Hier kann man sie an eine feuchte Stelle über Wasser oder bis zu 20 cm tief ins Wasser pflanzen. Sie kann im Sommer auch am Teichrand stehen. Nach einer Akklimatisationsphase kann die Pflanze auch auf der Fensterbank gedeihen. Sie muss aber immer naß stehen. 
Obwohl die Art gut in-vitro vermehrt werden kann und ohne Schwierigkeiten im Gewächshaus gedeiht, ist sie eine Rarität. Sie ist nahezu völlig unbekannt und wird darum nicht in den Handel gebracht.
Der Artname "odorata" bedeutet wohlriechend. Im Sommer bei viel Licht und Wäme ist der Duft stärker als im Herbst und Winter. Es soll auch geruchslose Klone geben.

Spiranthes odorata

Diese Blüten von Spiranthes odorata 
verströmen einen angenehmen Duft.

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Literatur zu Spiranthes:

K. Paffrath (1977): Spiranthes cernua - Pflanzenportrait.- AP 3-77, 13-14

C. Kasselmann (1999): Aquarienpflanzen - 2.  erweiterte Auflage.- DATZ-Atlanten, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart

H. Presser (2000): Orchideen - Die Orchideen Mitteleuropas und der Alpen.- 2. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft, Hamburg

N. Zundl (2003): Die Wasserorchidee Spiranthes odorata (Nutt.) Lindley.- AP 2-03, 52-57

H.W.E. van Bruggen (2003): Nachtrag zum Artikel über Spiranthes odorata.- AP 2-03, 58


© Wilstermann-Hildebrand 2009