Über die Kulturgeschichte der Aquarienpflanzen

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erste tropische Pflanzen für das Aquarium

Die ersten fremdländischen Aquarienpflanzen in Europa.
"Man darf sich nicht einbilden, daß man ein Aquarium nur zu bepflanzen braucht, um es dann für ewige Zeit zu fortdauernder Selbstverjüngung sich überlassen zu können. So leichten Kaufs kommt man nicht davon, und man muß es eben so wie die Gartenbeete zu Zeiten wieder ganz frisch bepflanzen oder wenigstens entstandene Lücken wieder ausfüllen. Um nun nicht gar zu oft damit zu thun zu haben, muß man den Hauptbestand von ausdauernden Pflanzen bilden; und auch diese sterben manchmal ab, denn so ganz nach ihrem Sinne verstehen wir es den Pflanzen des Aquariums doch noch immer nicht zu machen."
Roßmäßler 1857

Erste Aquarienpflanzen

Als um 1850 die ersten Glasbehälter mit Tieren und Pflanzen in die Salons von reichen Bürgern kamen, waren sie mit einheimische Arten bepflanzt, die wir heute fast nur noch als Teichpflanzen kultivieren. Dazu gehörten unter anderem Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia), Froschlöffel (Alisma plantago), Seggen (Carex sp.), Hornblatt, Wasserstern (Callitriche), Wasserschlauch (Utricularia vulgaris), Tausendblatt (Myriophyllum spicatum) oder Tannenwedel (Hippuris vulgaris). Auch Kalkalgen wie Nitella und Chara wurden in die Becken gesetzt.
Filter und künstliche Beleuchtung gab es nicht und eine dauerhafte Pflege der Tiere und Pflanzen war kaum möglich.

Erste tropische und subtropische Arten

Mit der Gitterpflanze (Aponogeton magagascariensis) kam bereits 1855 die erste tropischen Aquarienpflanze nach Deutschland.
1880 folgte der Carolina-Algenfarn (Azolla carolineana),
1887 das Seegrasblättrige Trugkölbchen (Heteranthera zosterifolia),
1891 die Wasserhaarnixe (Cabomba aquatica) und
1894 Myriophyllum pinnatum.
Die ersten Anubias-Arten kamen 1897 zu uns.
1906 wurden die ersten Wasserkelche (Cryptocoryne undulata und Cryptocoryne cordata) eingeführt.
Der Blütenstiellose Sumpffreund (Limnophila sessiliflora) und das Perlenkraut (Micranthemum umbrosum) gibt es bei uns bereits seit 1910.
1934 kam mit Echinodorus cordifolius, der erste Vertreter der Schwertpflanzen nach Europa.
1938 folgten "Echindorus amazonicus" und "Echinodorus bleheri", zwei Formen von Echindorus grisebachii.

In der Aquaristik stand damals das Interesse an Tieren und Pflanzen im Vordergrund. Zeitschriften und Bücher aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liefern sehr detailliert geschilderte Beobachtungen über das Verhalten der Tiere und Wechselwirkung zwischen Tieren, Pflanzen und den Umweltbedingungen.

Import und Kommerzielle Vermehrung

Aquarienpflanzen wurden nun in größeren Mengen importiert. Meist waren es Aufsammlungen aus der Natur, deren Fundorte hierzulande nicht bekannt waren. Oft waren die Pflanzen bei ihrer Ankunft in schlechter Verfassung und mussten erst einmal aufgepäppelt werden. Es entwickelten sich in den Herkunftsländern der Pflanzen und hier bei uns Spezialgärtnereien, die die Pflanzen hälterten und vermehrten.
1936 eröffnete Paul Klöcker eine Wasserpflanzen-Gärtnerei in Köln.
Die Aquarienpflanzengärtnerei von Hans Barth in Dessau wurde in den 1940ern gegründet.
In den USA gibt es seit 1957 die "Florida Aquatic Nurseries".
Um 1960 entstand in der Nähe von Rio de Janairo "Lotus Osiris", die Wasserpflanzen- und Zierfischanlage von Amanda Bleher.
Die Gärtnerei Hoechstetter in Trostberg gibt es seit 1962, Dennerle in Vinningen seit 1966.
In Dänemark entstand um 1970 die Gärtnerei "Tropica".
In Florida gründete Robert A. Gasser 1971 "Quality Aquarium Plants".
Etwa um die gleiche Zeit wurde in Singapur "Oriental Aquarium" gegründet.
Der Handel boomte. Gezüchtet wurde zunächst aber nicht. In die Aquarien kamen, die Pflanzen, die hart genug waren, den Transport und die Umstellung auf das Leben im Aquarium zu meistern. Sie wurden aus Stecklingen oder über Ausläufer und Adventivpflanzen vermehrt. Die Nachfrage nach Aquarienpflanzen wurde immer größer. Versuchsweise wurden 1976 die ersten Cryptocorynen im Labor in In-vitro-Kultur genommen.

Aquarienpflanzen von H.C.D. DeWit mit Zeichungen von Ike Zewald

Das Buch von deWit und einige daraus entnommene Cryptocorynen-Zeichnungen von Ike Zewald.

Bücher von Kaspar Horst und Kurt Paffrath

Die Bücher von Kaspar Horst und Kurt Paffrath sind bis heute empfehlenswert.

Einige Ausgaben der Zeitschrift Aqua Planta

Die "Aqua Planta" ist das Vereinsmagazin des Arbeitskreis Wasserpflanzen im VDA.

Wasserpflanzenfreunde: Botaniker und Sammler

Ab den 1950ern entwickelte sich eine aktive Gemeinschaft von Aquarianern und Botanikern, die sich mit viel Einsatz um die Wasserpflanzen bemühte. Besonders die Wasserkelche hatten einen sehr großen Freundeskreis. Sammler schickten lebendes Material an Experten in botanischen Gärten, Universitäten und an Privatleute, die sich mit viel Sorgfalt um die seltenen Gewächse kümmerten. Gemeinsam gelang es ihnen die Pflanzen zum Blühen zu bringen und zu bestimmen oder als neue Arten zu beschreiben.
Zu den bekanntesten unter Ihnen gehörte Albert Wendt, dessen "Aquarienpflanzen in Wort und Bild" bis heute jeder Wasserpflanzenfreund kennt. Nach ihm ist Wendt´s Wasserkelch (Cryptocoryne wendtii) benannt, der heute wohl der weltweit am häufigsten kultivierte Wasserkelch ist.
Diese Art wurde 1958 von Hendrik Cornelis Dirk De Wit (24. Oktober 1909 - 16. März 1999) beschrieben. Zu der Zeit unterrichtete der niederländische Biologe Botanik an der Universität in Leiden. Ab 1959 war er dann Professor in Wageningen. Von ihm erschien 1957 in den Niederlanden das Buch "Aquariumplanten", das 1966 in der zweiten Auflage gedruckt wurde. 1971 bracht der Ulmer Verlag die erste deutsche Ausgabe heraus. 1990 erschien die zweite deutsche Auflage, die auf der 1983 erschienen vierten niederländischen Auflage basiert. In diesem Buch wurde aber der Abschnitt über Wasserkelche komplett aktualisiert und erfasst alle bis dahin bekannten Arten. Um die Wasserkelche hat sich De Wit besonders verdient gemacht. Er beschrieb von 1958 bis 1983 21 neue Cryptocorynen-Arten.
Eine besondere Rolle bei den Erstbeschreibungen und Veröffentlichungen von De Wit spielte Ike Zewald (20. Oktober 1929 - 8. April 2016). Sie arbeitete in Wageningen in den Gewächshäusern, pflegte die Pflanzen und stellte sie für die Artikel und Bücher als Strichzeichnungen oder Aquarell in allen Details dar.
De Wit pflegte regen Kontakt zu anderen Botanikern und zu Pflanzensammlern wie Robert A. Gasser (24. Dezember 1922 - 17. August 2002). Gasser war eigentlich Chemiker. Aber er sammelte Wasserpflanzen und hatte sehr großen Erfolg bei der Kultur von Cryptocorynen. Unter anderem war er der erste bei dem die gelb blühende Form von Cryptocoryne minima blühte, die 1979 zu seinen Ehren zunächst von Niels Jacobsen als "Cryptocoryne gasseri" beschrieben wurde. 1971 eröffnete er in Florida seine Wasserpflanzengärterei "Quality Aquarium Plants". Später brachte er auch als erster "Cryptocoryne amicorum" zur Blüte, die heute ebenfalls zu Cryptocoryne minima zählt.
1976 wurde von in Deutschland der Arbeitskreis Wasserpflanzen im VDA gegründet. Initiatoren waren Kaspar Horst und Kurt Paffrath.
Kurt Paffrath veröffentlichte 1978/1979 das Buch "Bestimmung und Pflege von Aquarienpflanzen". Darin stellt er unter anderem eine Methode zur Kohlendioxiddüngung von Aquarienpflanzen vor. Nach ihm ist die "Paffrathsche Rinne" benannt, in der im Aquarium Kohlendioxid für die Pflanzendüngung gesammelt wird.
Kaspar Horst (21. Juni 1929 - 21. Juni 2014) war leidenschaftlicher Aquarianer und beschäftigte sich viel mit Wasserchemie. 1965 veröffentlichte er in der Datz (DATZ 8/1965) seine Aufsatz "Besserer Pflanzenwuchs durch Eisendüngung", mit dem er der Pflanzenaquaristik einen starken neuen Impuls gab. Er untersuchte viele Naturstandorte von Aquarienpflanzen und machte zahlreichen Versuche im Aquarium. 1986 erschien sein Buch "Pflanzen im Aquarium - Ihre Funktion und Pflege".
Diese beiden Männer hatten 1975 in Köln eine Fachgruppe für Aquarienpflanzen gegründet. Das überreginonale Interesse war so groß, dass sie sich entschlossen einen Arbeitskreis Wasserpflanzen im VDA zu gründen.
Die Ziele des Arbeitskreis Wasserpflanzen und aller seiner Regionalgruppen sind:
1. Klärung der Namensgebung bei Aquarienpflanzen - Systemtik und Nomenklatur
2. Sammmeln und vermitteln von Erkenntnissen über die Pflege von Aquareinpflanzen - Ernährunsgphysiologie
3. Untersuchung der Verbreitungsgebiete der Wasserpflanzen weltweit
4. Pflege und Förderung einheimischer Wasser- und Sumpfpflanzen
5. Verhinderung der Ausrottung von Pflanzen und die Wiederansiedelung ausgerotteter Bestände
6. Sammeln und vermitteln von Informationen über Algen im Aquarium
7. Reisen an die Naturstandorte der Aquarienpflanzen zur Datensammlung

Als Veröffentlichungsorgan des Arbeitskreises erscheint seit 1976 vierteljährlich die Zeitschrift "Aqua Planta", in der seitdem unzählige Erstbeschreibungen von Pflanzen veröffentlicht wurden.

Zu den ersten Mitgliedern des Arbeitskreises gehörten neben den Initiatoren Horst und Paffrath unter anderem Hanns-Jürgen Krause ("Handbuch Aquarienwasser", Bede-Verlag, 1990) und Friedrich Möhlmann (1920 - 1991), nach dem 1983 Cryptocoryne moehlmanni benannt wurde. Letzterer beschäftigste sich vor allem mit der emersen Kultur von Cryptocorynen. Ein weiterer Botaniker aus diesem Kreis, der sich sehr um Wasserpflanzen und besonders um Cryptocorynen verdient gemacht hat, ist Josef Bogner (geb. 1939). Er erhielt im März 2004 einen Ehrendoktortitel zur Würdigung seiner umfassenden Kenntnisse über Araceae. Es tragen mehrer Pflanzen seinen Namen. Darunter Cryptocoryne bogneri und Lagenandra bogneri.
Dem Arbeitskreis schlossen sich auch Wasserpflanzenfreunde aus den Niederlanden und anderen Nachbarländern an. Hier sticht vor allem Heinrich Wilhelm Eduard van Bruggen (12. Dezember 1927 - 8. Februar 2010) heraus, der sich mit Wasserährengewächsen beschäftigte und 1985 die Monographie "Monograph of the genus Aponogeton (Aponogetonaceae)" veröffentlichte. Er war ein Amateurbotaniker, der sich mit Orchideen, Wasser- und Sumpfpflanzen beschäftigte.
Den meisten Cryptocorynen-Freunden sind Prof. Niels Jacobsen und Jan D. Bastmeijer bekannt. Sie sammeln, kultivieren und beschreiben seit Jahrzehnten Wasserkelch-Arten. Viele Erkenntnisse über die Verwandtschaftsverhältnisse und die Hybridisierung der Cryptocorynen-Arten gehen auf die Vorschungsarbeiten von Niels Jacobsen in Kopenhagen zurück.
Jan Bastmeijer präsentiert auf seinen ""Crypt Pages" Bilder, Beschreibungen, Artikel und vieles mehr rund um Wasserkelche.
Last but not least möchte ich hier Christel Kasselmann erwähnen, deren Buch "Aquarienpflanzen", das 2010 in der dritten Auflage erschien, das aktuelle und unverzichtbare Standardwerk für Wasserpflanzenaquarianer ist. Sie war 19 Jahre lang die Redakteurin der Aqua Planta und von leitete den Arbeitskreis Wasserpflanzen von 2003-2012.

Die ersten Sorten für das Aquarium

Über viele Jahren waren ausschließlich Wasser- und Sumpfpflanzen aus Naturaufsammlungen im Handel erhältlich. Nachdem die Pflanzen besser in Europa kultiviert wurden, kam es auch zu den ersten Kreuzungen und es entstanden Kulturformen.
Die erste Aquarienpflanzensorte war Cabomba carolineana ´Silbergrüne´. 1970 trat bei Hans Barth in Dessau eine Mutation an einem Trieb von einer Pflanze auf. Durch Stecklinge konnte diese Besonderheit, bei der sich die Blattsegmente drehen und ihre hellere Unterseite zeigen, vermehrt werden.
Gezielte Züchtung gab es erst etwa 15 Jahre später. 1985 kam Echinodorus parviflorus ´Tropica´ auf den Markt. Sie ist eine kleinwüchsige Form einer Schwertpflanze, die Anfang der 1980er in einer Pflanzenlieferung entdeckt wurde.
In den USA stellte 1985 "Florida Aquatic Nurseries" Hygrophila polysperma ´Tropic Sunset´ vor, die bei uns als ´Rosanervig´ und ´Sunset´ vertrieben wird.
1986 wurde der auffällig dunkelrote Echindorus x barthii von Professor Mühlberg als neue Art beschrieben. Erst später stellte sich rausstellte, dass es sich um eine Hybride handelt. Ein Elternteil ist wahrscheinlich die rote Form von Echinodorus uruguayensis ("E. horemannii rot").

Echinodorus der Sorte Oriental

Echinodorus ´Oriental´.

Echinodorus-Sorten

Bei der Vermehrung aus Samen treten ab und an abweichende Formen auf. Besonders bei den Echindorus erhöhte sich dadurch die Vielfalt. Von Hans Barth wurden 1988 die zwei Echinodorus-Sorten ´Rosé´ und ´Leopard´ vorgestellt. Während ´Leopard´ eine Mutation von Echinodorus schlueteri ist, wurde ´Rosé´ durch Kreuzung von Echinodorus horizontalis und der roten Echinodorus uruguayensis gezielt gezüchtet.
Bei Barth, Hoechstetter und in der Gärtnerei Zoologica in Altlandsberg entstanden von da an unzählige neue Echindorus-Sorten. Einige bekannte Sorten sind ´Apart´ (1994, Barth), ´Indian Red´ (1998, Barth), ´Kleiner Bär´(1995, Hoechstetter), ´Oriental´ (1994, Mutation von ´Rosé´ in Gewebekultur), ´Ozelot´ (1995, Barth), ´Rainer´s Kitty´ (2002, Zoologica), ´Red Flame (1998, Barth), ´Regine Hildebrandt´ (2002, Zoologica), ´Reni´ (2003, Zoologica), ´Rubin´ (1993, Barth) und die "Dschungelstar"-Serie (1990er, Hoechstetter).
Es gibt heute schätzungsweise etwa 100 verschiedene Echinodorus-Sorten. Da die meisten keinem Sortenschutz unterliegen, werden einige unter verschiedenen Namen angeboten. So hat zum Beispiel die Gärtnerei Gula E. parviflorus ´Tropica´ als ´Opacus´, ´Leopard´ als E. schlüteri var. bicolor und ´Tricolor´ als Echinodorus gabrieli angeboten. Teilweise verbergen sich hinter einem Namen aber auch verschiedene Pflanzen. Nicht jede Pflanze, die als ´Barthii´ angeboten wird, entspricht der ursprünglichen Form mit den fast schwarzen, aufgerollten Blättern.

Sorten verschiedener Aquarienpflanzen

Vom Indischen Wasserwedel (Hygrophila difformis) und dem Mexikanischen Eichblatt (Shinnersia rivularis) gibt es jeweils eine Farbform mit gelblichen bis weißen Adern. Beim Falschen Wasserfreund (Gymnocoronis spilanthoides) und selten bei Echinodorus (z. B. ´Panda´) treten panaschierte Formen auf, die weiße Bereiche in den Blättern haben. Seit 1972 ist Cryptocoryne cordata var. siamensis ´Rosanervig´ bekannt. Sie hat im Idealfall kräftig rosa gefärbte Blattadern. Bei allen diesen Pflanzen ist die Färbung nicht stabil. Sie bleibt unter Wasser nicht erhalten oder tritt nur unter bestimmten Bedingungen auf.
Es gibt aber auch farb- und formstabile Selektionen wie Alternanthera reineckii ´Lila´, Ludwigia ´Rubin´ und die verschiedenen Typen von Cryptocoryne wendtii oder vom Javafarn (Microsorum pteropus).

Züchtungsarbeit an Aquarienpflanzen

Gezielte Zucht wurde bisher nur bei Echinodorus durchgeführt. Hier kann man die Sorten frei abblühen lassen und die Zufallssämlinge dann selektieren, wie es auf der "Golden Leaf Farm" auf Java gemacht wird. Man kann aber auch gezielt zwei Arten oder Sorten kreuzen. Dafür muss man zunächst vermeiden, dass die Mutterpflanze wild bestäubt wird. Darum werden die Staubblätter aus den Blüten entfernt und eine Tüte darüber gezogen, damit Insekten sie nicht erreichen können. Sind die Narben reif, streicht man Pollen des gewünschten Vaters darauf. Die entstehenden Samen werden dann ausgesät. Diese Geschwisterpflanzen dieser F1-Generation können sich unter einander stark unterscheiden. Sie werden zu Mutterpflanzen herangezogen, die Adventivpflanzen liefern. Dadurch gewinnt man von jedem Sämling aus der Kreuzung zahlreiche Jungpflanzen, die in ihren Eigenschaften mit ihrer Mutterpflanze identisch sind.
Da Echinodorus unter Wasser eine andere Blattform und auch eine andere Färbung haben als im Gewächshaus, benötigt man mehrere Pflanzen, die man unter verschiedenen Bedingungen im Aquarium testen kann. Gewünschte Merkmale sind eine interessante Ausfärbung, kompakter Wuchs, eine begrenzte Wuchshöhe und ein geringes Bestreben aus dem Wasser heraus zu wachsen.
Für die Gärtnerische Kultur sind Pilzresistenz, schnelles Wachstum, gute Adventivpflanzenbildung und Kältetoleranz von Interesse. Sind die Pflanzen vielversprechend werden sie entweder weiter über Adventivpflanzen vermehrt oder in In-vitro-Kultur genommen.
Probleme ergeben sich bei Sorten, die keine Adventivpflanzen bilden, wie zum Beispiel ´Apart´. Hier dauert es lange bis genug Pflanzen zum Testen vorhanden sind. Ein Einzelexemplar in die In-vitro-Kultur zu nehmen ist riskant. Nicht immer überleben die Pflanzen die notwendige Keimfreimachung des Gewebes.
Auch andere Aquarienpflanzen kann man künstlich betäuben und so Kreuzungen zwischen Fundort-Varianten oder Arten erzeugen. Anubias ´Nangi´ ist eine Kulturhybride aus Anubias barteri var. nana und Anubias gilletii (1986, "Quality Aquarium Plants"). Aponogeton ´Lanka´ (2002, Barth) ist eine Kreuzung aus einer Form von Aponogeton crispus mit Aponogeton jacobsenii. Cryptocorynen wurden bisher nur zu wissenschaftlichen Zwecken gekreuzt. Im Handel findet Ihr nur Naturhybriden wie die verschiedenen Formen von Cryptocoryne x willisii.

Was bringt die Zukunft?

Die Aquaristik wandelt sich stetig. Das Interesse an Echinodorus und die Zahl der verfügbaren Sorten ist in den letzten Jahren wieder kleiner geworden. Die Zucht neuer Sorten hat bei uns heute kaum noch Bedeutung. Durch das Aufkommen von Nano-Aquaristik und Aquascaping sind heute vor allem klein bleibende Arten von Interesse. Besonders Moose und feinblättrige Stängelpflanzen werden immer beliebter. Durch gezielten Einsatz von Technik kann man Wasser und Licht annähernd optimal an die Bedürfnisse der Pflanzen anpassen. So können auch schwierige Arten gepflegt werden.
Es kommen immer wieder neue Typen oder Fundortvarianten zu uns. Sie werden mit Phantasienamen oder Fundortbezeichnungen belegt und sind teilweise schon weit in der Aquaristik verbreitet, bevor sie wissenschaftlich zugeordnet werden können. Ein gutes Beispiel dafür sind die zahlreichen Bucephalandra (´Sekadau 1´, ´Melawi´, ´Bodok´ etc.), die neuen Formen von Rotala (´Enie´, ´Green´, Colorata´ usw.) oder Bacopa sp. ´Japan´, Staurogyne sp. ´Bihar´, Eriocaulon sp. ´Goiás´, Persicaria sp. 'Porto Velho' und viele andere.
Das Internet macht den schnellen Austausch von Informationen und Bildern zwischen Interessierten weltweit möglich. Pflanzen werden schnell bekannt und von Liebhabern vermehrt und verbreitet. Für viele Aquarianer werden solche Neuheiten aber erst zugänglich, wenn in Gärtnereien die Massenvermehrung gelungen ist. Viele Raritäten, die heute schon auf Messen in Showbecken zu sehen sind, werden aber für die meisten Normalaquarianer wohl unerreichbar bleiben. Ihre Vermehrungsraten und die Haltbarkeit im Händlerbecken sind einfach zu gering. So wird man einige der neuen Aquarienpflanzen wohl auch in Zukunft nur bei spezialisierten Onlinehändler oder in Tauschbörsen finden.

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Literatur:

Barth, H., Stallknecht, H (1990): Pflanzen fürs Aquarium.- Urania-Verlag, Leipzig, Jena, Berlin

Kasselmann, Chr. (2001): Echinodorus - Die beliebten Aquarienpflanzen.- Dähne Verlag, Ettlingen

Kasselmann, Chr. (2010): Aquarienpflanzen.- 3. Auflage, Eugen Ulmer KG, Stuttgart

Paffrath, K. (1979): Bestimmung und Pflege von Aquarienpflanzen.- Landbuch-Verlag GmbH, Hannover

Roßmäßler, E. A. (1856): Der See im Glase.- Die Gartenlaube, Heft 19, S. 252-256

Roßmäßler, E. A. (1857): Das Süßwasseraquarium - Eine Anleitung zur Herstellung und Pflege desselben.- Leipzig

Staritsky, Dr. G. (1976): Die Vitro-Kultur von Cryptocorynen.- Aqua Planta 1-77, 3-6

Wilstermann-Hildebrand, M., Hildebrand, Cord (2011): Neue Echinodorus-Sorten von Java.- Amazonas 34, 70-73

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