Gattung Utricularia - Wasserschlauch
Startseite


Die Gattung Utricularia gehört zu den Lentibulariaceae. In der Familie gibt es nur drei Gattungen Utricularia, Genlisea und Pinguicula. Wasserschlauch-Arten sind carnivore Pflanzen. Sie bilden aus umgeformten Blättern Fangblasen, in denen kleine Tiere (Wasserflöhe, Hüpferlinge, Insektenlarven und anderes) gefangen werden. Es werden 214 bis 220 verschiedene lebende Arten anerkannt. Damit ist die Gattung die artenreichste unter den carnivoren Pflanzen (Drosera 110 Arten, Nepenthes etwa 80 Arten).
Bei den Wasserschläuchen handelt es sich um wurzellose, frei unter der Oberfläche treibende Wasserpflanzen oder Arten, die in wassergesättigtem Moor-, Marsch- oder Sandböden wachsen (z.B. Utricularia monanthos HOOK f. ). Etwa die Hälfte aller Arten sind Landpflanzen. Es muss in ihren Substraten nicht unbedingt freies Wasser sichtbar sein. Einge Arten wachsen epiphytisch, ohne dabei Nährstoffe aus dem "Wirt" zu ziehen. Sehr wenige Arten sind phytotelmatisch und wachsen in den Trichtern von Bromelien. Dazu gehört zum Beispiel Utricularia nelumbifolia. So genannte Lithophyten wachsen auf moosbedeckten Steinen, die das ganze Jahr über mit einem dünnen Wasserfilm bedeckt sind.
Utricularia rigida und Utricularia neottioides bilden spezielle Ankerorgane aus.
Urticularia vermehren sich generativ über Samen und vegetativ durch Teilung und durch die Bildung von Winterknospen (Turionen).
 
 
Art Beute
Utricularia aurea Moskito-Larven
Utricularia gibba Paramecia multimicronucleatum
Utricularia foliosa Alona sp. (19.1%), 
Diaphanosoma sp. (9.2%) 
Chydorus sp. (8.4%)
Lecane sp. (8.9%) 
Lepadella sp. (5.4%)
Chironomidae larvae (24.6%)
Utricularia vulgaris Polyphemus pediculus, Eucyclops serrulatus

Die Beute zersetzt sich in der Fangblase und die Nährstoffe werden von der Pflanze aufgenommen. Dabei bleiben die chitinhaltigen Exoskelette von Kleinkrebsen und Insektenlarven übrig und sammeln sich in der Falle an. Auf diese Weise ergänzen die Wasserschlauch-Arten ihren Bedarf an Stickstoff und Phosphat, wenn das Angebot an anorganischem Nährstoffen nicht ausreicht. Aus dem selben Grund versorgen sich auch die bekannten Sonnentau-Arten, Venusfliegenfallen und Kannenpflanzen mit tierischer Nahrung. Carnivore Pflanzen sind also an eine nährstoffarme Umgebung angepasst.
Von einer einzigen Hauptachse zweigen zahlreiche Seitentriebe ab. Jeder dieser Triebe trägt drei bis vier photosynthetisch aktive Blätter.
Die Pflanzen sterben am hinteren Ende etwa ab, während sie vorne weiterwachsen. Dabei zerfallen sie in Fragmente, wenn die absterbende Zone die Basis einen Seitentriebes erreicht. Auf diese Weise teilt sich die Pflanze. Die Fangblasen befinden sich an den Stängeln und zwischen den Segmenten der feinfiedrigen Blätter. Sie werden durch die Berührung winziger Härchen (trigger hair) ausgelöst und saugen die Beute mit Unterdruck ein. Der Unterdruck wird erzeugt, in dem Wasser über Drüsen an den Blasenwänden augeschieden wird. Etwa die Hälfte des Wasservolumens aus dem Innenraum wird nach außen gepumpt und mit ihm Salze wie Calcium und Kalium. Licht, also Photosynthesist für diesen Vorgang nicht nötig. Bei sauren pH-werten und höheren temperaturen läuft der Vorgang schneller ab, als bei alkalischem pH-Wert. Bei einm pH-Wert über 7 funktionieren die Blasen von Utricularia vulgaris nicht mehr. Auch U. aurea und U. bifida kommen nur in Gewässern mit einem pH-Wert unter 7 vor. Nach dem Auslösen kann die Falle innerhalb von 40 Minuten wieder einsatzbereit sein (U. vulgaris). Mit zunehmendem Alter werden weniger Tiere gefangen. Die einzelnen Fangblasen werden etwa 10 bis 20 Tage alt. Große, zentrale werden mit 15 bis 19 Tagen im Schnitt älter als kleinere, periphere Fangblasen, die nur etwa 10 bis 14 Tage halten (U.vulgaris).
Bei der sterilen Anzucht (in vitro) von Utricularia stellaris wurde beobachtet, dass der Zusatz von Rohrzucker das Wachstum und die Blütenbildung fördert. Es wurde festgestellt, dass Zucker die Bildung von RNA (Ribonukleinsäure) fördert, die als Matrize für die Produktion von Eiweißen (Struktureiweiße und Enzyme) dient.
Die Bildung von Fangblasen kostet die Pflanzen aber Energie und reduziert zusätzlich die photoynthetisch aktive Blattfläche. Der Nachteil, der ohne die Blasen bei Nährstoffmangel entstehen würde muss demnach größer sein. Die Zahl der Fangblasen bei Utricularia macrorhiza steigt mit zunehmendem Angebot an anorganischen Nährstoffen. Also eigenartigerweise, wenn sie gar nicht gebraucht werden. Allerdings ist in der Studie kein Zusammenhang zwischen der Beutedichte un dem Nährstoffangebot hergestellt worden. Es reagieren aber auch nicht alle Urticularia-Arten gleich. Beim Gewöhnlichen Wasserschlauch (Utricularia vulgaris) liegt der prozentuale Anteil der Fangblasen während der gesamten Vegetationsperiode konstant bei etwa 50% der Gesamtmasse. Utricularia gibba produziert mehr Fangblasen, wenn die Beutedichte sehr hoch ist. Das liegt vermutlich daran, dass das gesamte Wachstum der Pflanze dadurch verbesser wird. Die Fütterung mit Paramecia sp. hat keine Auswirkungen auf die Zahl der Blattknoten, wenn die Pflanzen optimal mit anorganischen Nährstoffen versorgt wird. Bei mangelnder Nährstoffzufuhr aus dem Menium fördert die zusätzliche Fütterung aber das Wachstum. Bei Utricularia filiosa wurde dagegen festgestellt, dass die Pflanzen bei abnehmender Beutedichte mehr und größere Fangblasen ausbilden. Auf die Weise steigt die Wahrscheinlichkeit Beute zu machen. Nimmt der Nährstoffgehalt des Wasser aber bei gleichbleibender Beutedichte zu, nimmt die Zahl der Fangblasen bei dieser Art wieder ab. Die Pflanzen sind in nährstoffarmen Gewässern also gegenüber anderen Pflanzen wegen ihrer zusätzlichen Nährstoffversorgung im Vorteil, können die dadurch entstehenden Nachteile in nährstoffreichem Wasser aber reduzieren.
Bei der sterilen Anzucht (in vitro) von Utricularia stellaris wurde beobachtet, dass der Zusatz von Rohrzucker das Wachstum und die Blütenbildung fördert. Es wurde festgestellt, dass Zucker die Bildung von RNA (Ribonukleinsäure) fördert, die als Matrize für die Produktion von Eiweißen (Struktureiweiße und Enzyme) dient. Bei U. exoleta ist das Wachstum besser, wenn dem anorganischen Medium Fleischextrakte und Peptone zugesetzt werden. Die Blütenbildung setzt in rein arnorganischem Medium gar nicht ein. Bei U. minor und U. ochroleuca fördern Fleischextrakte das vegetative Wachstum. Blütenbildung in vitro findet aber auch mit der Zugabe von oraganischen Komponenten nicht statt. Bei U. stellaris fördert Fleischextrankt oder eine Zugabe von Daphnia (Wasserfloh) ein schnelles Wachstum und Blütenbildung. Diese Art blüht aber auch ohne tierische Nahrung. U. inflexa in Tansania, U. oligosperma in Argentinien, sowie weitere Arten bilden Symbiosen mit Cyanophyta (Blau-Grünalgen) der Gattungen Anabaena, Oscillatoria Spirolina, Lyngbya, Nodularia und Calothrix aus. Diese sind innen und außen an den Fangblasen zu finden. Im Gewässer selbst kommen diese Algen jedoch nicht vor. Diese Symbionten sind in der Lage Stickstoff aus der Luft aufzunehmen und für den Wirt nutzbar zu machen.
Im Englischen werden die Pflanzen als "bladderwort" bezeichnet.

Seitenanfang

Steriler Wasserschlauch
Utricularia australis R. Br.

Synonyme:
U. vulgaris var.japonica
U. tenuicaulis

Herkunft:
Japan

Aussehen: 
 

Temperatur:      22-26 °C

pH-Wert:          6,5-7,2

Härte:               2-12 °KH

Licht:                mittel bis viel

Sonstiges:
In Japan werden eine sterile Form (f. australis) ohne Blüten und eine fertile Form (f. tenuicaulis) unterschieden. U. australis f. australis ist eine diploide Hybride aus U. australis f. tenuicaulis (meist als Mutter) und U. macrorhiza (meist als Vater). Zusätzlich gibt es mindestens einen Klon, der zwar blüht aber sterilen Pollen hat. Die Sysematik ist noch nicht geklärt. Die Befruchtungserfolge bei Selbst-oder Kreuzbestäubung innnhalb einer Population liegen zwischen 7 und 8 Prozent. Bei Kreuzbestäubung mit anderen Populationen kommt es in etwa 45 % der Fälle zur Befruchtung. 

Seitenanfang

Zwerg-Wasserschlauch
Utricularia gibba

Synonyme:
 

Herkunft:
 

Aussehen: 
Die Stängel werden selten länger als 60 cm. Ihr Durchmesser beträgt etwa ein bis zwei Milimeter. Die Blätter sind in haarfeine Segmente zerteilt. Die Fangblasen sitzen am Stängel und zwischen den Blattsegmenten.
Die Blüten sind blaßgelb und haben eine orange Musterung auf der Unterlippe.

Temperatur:     22-26 °C

pH-Wert:          6,5-7,2

Härte:               2-12 °KH

Licht:                mittel bis viel

Sonstiges:
Wir haben diese Pflanzen in Queensland (Australien) in einem Feuchtgebiet südlich des Daintree-River an der Straße zur Fähre in Richtung Cape Tribulation gefunden. 

Seitenanfang



 
 
 
 
Grasblättriger Wasserschlauch
Utricularia graminifolia

Synonyme:
 

Herkunft:
Asien

Aussehen: 
Dieser kleine Wasserschlauch gehört zu den empfindlichsten Neuheiten der letzten Jahre. Die hell grünen Blätter sind etwa 2 bis 3 mm breit und ca. 3 cm lang. Unter günstigen Bedingungen bilden die Blätter einen dichten rasenähnlichen Belag auf Wurzeln und Steinen. 

Temperatur:      16-28 °C

pH-Wert:          6-7,5

Härte:               2-12 °KH

Licht:                gering bis viel

Sonstiges:
Die Pflanzen sollten zum Anwachsen nur wenig belichtet und gedüngt werden. Nach und nach kann dann mehr Licht auf den Bestand kommen. Die Kultur ist nicht einfach und oft gehen die Pflanzen bereits nach wenigen Tagen ein. 

Wasserschlauch auf Stein

Utricularia grminifolia als Bodendecker

Seitenanfang


Wasserschlauch
Utricularia macrorhiza

Synonyme:
 

Herkunft:
Asien

Aussehen: 
Die Fangblasen sind 2 bis 3 mm lang.

Temperatur:      22-26 °C

pH-Wert:          6,5-7,2

Härte:               2-12 °KH

Licht:                mittel bis viel

Sonstiges:

Seitenanfang

Amazonas Wasserschlauch
Utricularia filiosa

Synonyme:
 

Herkunft:
Brasilien und Kolumbien (Amazonas-Gebiet)

Aussehen: 
Die Größe der Fangblasen variiert je nach Größe der Beute zwischen 0,5 und 2 mm, Meist sind sie um 1,5 mm groß. Die Zahl der Fangblasen pro Laubblatt ist abhängig von den Umweltbedingungen und schwankt zwischen < 50 und ca. 1600.

Temperatur:      26-31 °C (Guisande et al. 2000, versch. Fundorte)

pH-Wert:          5,5-7,5 (Guisande et al. 2000, versch. Fundorte)

Härte:               2-12 °KH

Licht:                mittel bis viel

Sonstiges:
Die bei Guisande et al. (2000) angegebenen Leitwerte liegen zwischen 21 und 160 µS/cm.

Seitenanfang

Wasserschlauch
Utricularia stellaris LINNÉ FIL.

Synonyme:
 

Herkunft:
tropisches Afrika, Asien bis Nordaustralien

Aussehen: 
Die Pflanzen sind wurzellos und fluten unter Wasseroberfläche. Die Stängel sind 1,5 mm dick. Die submersen Blätter sind feinfiedrig. An ihnen sind zahlreiche 2 mm große Fangblasen. Blätter und Stängel sind je nach Licht grün oder rot. Die Rotfärbung der Triebspitze wird durch Torffilterung begünstigt. Der Blütenstand wächst 10 bis 15 cm über das Wasser hinaus und wird dabei von einem blütenkranzähnlichen Gebilde getragen, das aus 5 symetrischen Schwimmkörpern mit Fransen am Rand besteht. Die Blütenblätter sind gelb. Die Frucht hat einen Durchmesser von etwa 4 mm und beinhaltet bis zu 50 Samen. Diese können Trockenzeiten (3 Monate) überstehen und ermöglichen der Pflanze das Vorkommen in temporären Gewässern.

Temperatur:      22-26 °C

pH-Wert:          6,5-7,2

Härte:               2-12 °KH

Licht:                mittel bis viel

Sonstiges:
Die Pflanzen sind in nährstoffhaltigen, veralgten Aquarien weniger haltbar. Sie benötigen aber trotzdem eine mäßige Düngung.

Utricularia stellaris und Nymphaea alba 
in einem küstennahen Tümpel in Gambia.

Seitenanfang

Gewöhnlicher Wasserschlauch
Utricularia vulgaris

Synonyme:
 

Herkunft:
Europa, holoarktisch

Aussehen: 
Der Stiel ist dünn und weich. Drei bis vier Blätter wachsen an einem kurzen Seitentrieb. Sie sind feinfiedrig mit haarförmigen Segmenten. An den Blättern sind linsenförmige Fangblasen. Die Blätter treiben in der Regel dicht unter der Wasseroberfläche und sind olivgrün bis rot-braun gefärbt. Im Juni-Juli bilden sich auf verzweigten Blütenstandstielen auffallend große gelbe Blüten.

Temperatur:      winterhart, Wachstum bei etwa 14-25 °C 

pH-Wert:          6,5-7,2

Härte:               2-12 °KH

Licht:                mittel bis viel

Sonstiges:
Die Pflanzen wachsen etwa von März bis September, dann beginnen sie Winterknospen zu bilden und ihre Masse nimmt ab.

Stiel mit Blättern und Fangblasen

Blüten von Utricularia vulgaris, 
Spirodela polyrhiza, Lemna minima
und Blätter von Nymphoides peltata.
Die Blätter des Wassersschaluschs 
sind unter Wasser und nicht sichtbar.

Blüten und ein bräunliches Blatt

Seitenanfang


Literatur:
 

Nold, It. H (1934): Die Funktion der Blase von Utricularia vulgaris. (Ein Beitrag zurElektrophysiologie der Drüsenfunktion.) Beih. z. Bot. Centralbl. 52, Abt. A, 415-448 nach K. Umrath (1935): Referate in Protoplasma 24(1)

D.R. Sorenson, W.T. Jackson (1968): The Utilization of Paramecia by the Carnivorous Plant Utricularia gibba.- Planta (Berl.) 83, 166--170

G. Galling (1969):  Einbau yon 3H-Uracil in die RNA steriler Anzuchten yon Utricularia stellaris mit und ohne Rohrzucker, Kurze Mitteilung.- Planta (Berl.) 86, 197-201

U. N. Jha, M. Jha, M. Kumari ( 1978): Destribution of certain species of Utricularia in relation to their habitats in and around Jamshedpur, India.- Hydrobiologia vol. 61, 3, pag. 225-228

G. M. Wagner, K. E . Mshigeni (1986): The Utricularia-Cyanophyta association and its nitrogen-fixing capacity.- Hydrobiologia 141, 255 -261

L. E. Friday (1989): Rapid turnover of traps in Utricularia vulgaris L..- Oecologia 80, 272-277

S. E. Knight (1992): Costs of carnivory in the common bladderwort, Utricularia macrorhiza.- Oecologia 89, 348-355

C. Guisande, C. Andrade, C. Granado-Lorencio, S.R. Duque and M. N´uñez-Avellaneda (2000): Effects of zooplankton and conductivity on tropical Utricularia foliosa investment in carnivory.- Aquatic Ecology 34, 137–142

S. Harms, F. Johansson (2000): The influence of prey behaviour on prey selection of the carnivorous plant Utricularia vulgaris.- Hydrobiologia 427, 113–120

S. Araki, Y. Kadono (2003): Restricted seed contribution and clonal dominance in a free-floating aquatic plant Utricularia australis R. Br. in southwestern Japan.- Ecological Research 18, 599–609

P. Kettenis, T. Albers (2004): Utricularia stellaris L.f..- Aqua Planta 1-04, 3-7

C. Guisande, N. Aranguren, C. Andrade-Sossa, N. Prat, C. Granado-Lorencio, M. Lila Barrios, A. Bolivar, M. Nunez-Avellaneda, S. R. Duque (2004): Relative balance of the cost and benefit associated with carnivory in the tropical Utricularia foliosa.- Aquatic Botany 80, 271–282

K. Müller, T. Borsch (2005): Phylogenetics of Utricularia (Lentibulariaceae) and molecular evolution of the trnK intron in a lineage with high substitutional rates.- Plant Systematics and Evolution 250, 39–67

Y. Kameyama, M. Toyama, M. Ohara (2005) Hybrid origins and F1 dominance in the free-floating, sterile bladderwort, Utricularia australis f. australis (Lentibulariaceae). Am J Bot 92, 469–476

Yoshiaki Kameyama,  Masashi Ohara (2006): Predominance of clonal reproduction, but recombinant origins of new genotypes in the free-floating aquatic bladderwort Utricularia australis f. tenuicaulis (Lentibulariaceae).- J. Plant Res. (2006) 119, 357–362


© Wilstermann-Hildebrand 2010