An ihren natürlichen Standorten haben sich die
Wasserpflanzen an bestimmte Umweltbedingungen angepasst. Einige Pflanzen
sind sehr flexibel und vertragen unterschiedliche Wasserbedingungen. Beispielsweise
die Kriechende Ludwigie (Ludwigia repens), die in Bereichen mit
Wassertemperaturen von 18 bis 30°C vorkommt und pH-Werte von 5,5 bis
7,5 toleriert. Durch diese große Toleranz kann sich die Pflanze in
vielen Regionen ansiedeln und schwankende Wasserwerte ertragen. Für
den Aquarianer bedeutet es, dass die Pflanze gut für Anfänger
geeignet ist, da sie nicht empfindlich auf Haltungsfehler reagiert.
Aber auch Pflanzen mit kleinen Verbreitungsgebieten und
einer geringen Variabilität in den natürlichen Umweltbedingungen
können eine große Toleranz zeigen. Allerdings sollten dabei
nicht alle Parameter weit vom Optimum abweichen. Beispielsweise können
sehr viele Pflanzenarten in einem Diskusaquarium bei Temperaturen zwischen
28 und 30 °C gedeihen, wenn ihnen ausreichend Nährstoffe und Licht
zur Verfügung stehen um den durch die hohe Temperatur beschleunigten
Stoffwechsel mit Energie und Nahrung zu versorgen.
Licht
Gerade das Licht stellt uns aber vor ein großes
Problem. In der Natur stehen den tropischen Pflanzen an unbeschatteten
Standorten auch bei bedeckten Himmel etwa 30.000 bis 50.000 Lux zur Verfügung.
An schattigen Standorten sind es dagegen zum Teil nur 1000 Lux oder weniger.
Im Aquarium hängt die Luxzahl von der Anzahl, der Stärke, dem
Alter der Beleuchtungskörper und der Qualität der Reflektoren
ab. Über einem Aquarium mit den Maßen 60 x 60 x 45 cm wurden
bei 6 Leuchtstoffröhren (T8) je 18 Watt zu Beginn 7800 Lux an der
Wasseroberfläche gemessen. Nach etwa drei Jahren waren es nur noch
etwa 4800 Lux. Die Beleuchtungsstärke nahm also ab obwohl die Wattzahl
der Lampen sich natürlich nicht änderte. Die Angaben von Lichtansprüchen
bei Aquarienpflanzen wird dennoch in der Regel in Watt pro Liter angegeben.
In unserem Beispiel sind es 0,66 Watt pro Liter. Über einem Beispielaquarium
von Takashi Amano* (Nr. 20, S. 34, 35) sind es 6 mal 20 Watt bei einer
Größe von 60 x 45 x 45 cm. Es ergeben sich so etwa 1,5 Watt
pro Liter Wasser. Beide Aquarien sind gleich hoch und werden bei einer
Temperatur von 26 °C betrieben. Im zweiten Becken gelingt die Kultur
von Perlkraut (Hemianthus callitrichoides)
als bodendeckende Vordergrundpflanze. Im ersten Fall reicht das Licht nicht
aus. Wasserfreunde (Hygrophila), Froschlöffel
(Echinodorus), Wasserschrauben (Vallisneria)
und andere Pflanzen gedeihen in dem Aquarium aber trotzdem.
Die "Maßeinheit" Watt/l ist aber nicht besonders
repräsentativ. In die Literzahl wird ja auch die Tiefe des Aquariums
mit eingerechnet. Aquarien mit kleinerer Grundfläche haben also bei
gleicher Beleuchtung eine größere Watt-pro-Liter-Versorgung
ohne dass tatsächlich mehr Licht vorhanden ist.
Das bringt uns zu einem weiteren Problem. Die Lichtstärke
nimmt mit zunehmender Wassertiefe ab! Dieser Effekt wird noch verstärkt,
wenn Schwebstoffe, Algen oder Huminsäuren im Wasser sind. Wenn ein
Aquarium nur 20 cm hoch ist, kann es möglich sein eine Pflanze mit
hohem Lichtbedarf darin zu kultivieren, auch wenn in einem Aquarium mit
einer Höhe von 45 cm bei gleicher "Lichtmenge" in Watt pro Liter nicht
gedeiht. Das gilt vor allem für kleine Pflanzen. Sie erreichen die
besser belichteten Wasserzonen nicht. Höhere Pflanzen wachsen dem
Licht entgegen und zumindest ihre oberen Blätter werden besser mit
Licht versorgt.
In jedem Fall führt eine verstärkte Beleuchtung
zu einer Verkürzung der Blattabstände bei Stängelpflanzen.
Bei Lichtmangel wachsen die Pflanzen schnell in die Höhe und verkahlen
an der Basis.
Außerdem sind alle Überlegungen zur Lichtmenge
hinfällig, wenn Schwimmpflanzen die Oberfläche bedecken und die
submersen Pflanzen beschatten. Es ist also unsinnig über das oben
erwähnte Diskusbecken viele Lampen zu installieren, wenn man Schwimmpflanzen
einsetzt, weil die Diskus es lieber dämmerig haben!
Die Angaben zum Lichtbedarf der Pflanzen (auch auf diesen
Seiten) ist also eine vage Angabe, die auf Vergleichen beruht. Dabei kann
man grundsätzlich feststellen, dass rote Pflanzen und solche mit geringer
Wuchshöhe mehr Licht benötigen, als grüne und solche, deren
Triebspitzen nahe der Oberfläche sind. Eine geringe Beleuchtung sind
etwa 0,3 bis 0,5 Watt pro Liter. Von einer mittleren Beleuchtung spricht
man bei etwa 0,5 bis 0,8. Als viel Licht gelten etwa 0,8 bis 1 Watt pro
Liter. Sehr viel ist alles was darüber ist. In einem Komplettset mit
einem 54 Liter-Aquarium und einer Abdeckung mit nur einer 18 Watt Leuchtstoffröhre
ist die Belichtung mit etwa 0,3 Watt pro Liter also gering. Trotzdem lassen
sich in so einem Aquarium durchaus Wasser- und Sumpffreunde, sowie Froschlöffel
und Sumpfschrauben kultivieren, wenn das Wasser nicht zu warm ist (nicht
dauerhaft über 26 °C).
Die Beleuchtungsdauer (Tageslänge) hat Einfluss
auf den Hormonhaushalt der Pflanzen. Sie bewirkt vor allem die Induktion
von Blüten und Schwimmblättern. Fehlende Lichtstärke kann
durch eine längere Beleuchtungsdauer nicht wieder wett gemacht werden.
* T. Amano (1994): Pflanzenparadiese unter Wasser.- Weltbild
Verlag, Augsburg
Temperatur
Wie bereits oben erwähnt müssen Licht und Temperatur
auf einander abgestimmt sein. Eine Temperaturerhöhung kann den Pflanzen
schaden, wenn ihr Stoffwechsel beschleunigt wird, ohne dass ihnen durch
eine verstärkte Lichtzufuhr mehr Energie zur Verfügung steht.
Konkret bedeutet das, dass eine Pflanze - zumindest einige Wochen im Jahr
- auch oberhalb des angegebenen Temperaturbereichs überleben kann,
wenn ausreichend Licht vorhanden ist.
Zu niedrige Temperaturen führen recht schnell zu
einem Wachstumsstopp. Enzyme, die für verschiedene Stoffwechselvorgänge
zuständig sind, arbeiten nämlich nur innerhalb bestimmter Temperaturbereiche.
Auch wird durch zu niedrige Temperaturen die Nährstoffverfügbarkeit
und -aufnahme eingeschränkt. Zuviel Licht und damit eine Beschleunigung
des Stoffwechsels von der Energieseite schaden zusätzlich.
pH-Wert
Der pH-Wert ist der wichtigste chemische Parameter. Stoffwechselvorgänge
im innerhalb des Zellsaftes sind an bestimmte pH-Werte gebunden, da bei
zu hohem oder zu niedrigem pH Zellinhaltsstoffe ausfallen oder Enzyme ihre
Struktur verändern. Auch können die Zellmembranen durchlässig
werden. Wasserpflanzen sind an bestimmte pH-Werte angepasst und können
nur im Bereich ihrer ökologischen Toleranz ihre Membranstabilität
aufrecht erhalten.
Außerdem hängt die chemische Form und die
Verfügbarkeit von Nährstoffen vom pH-Wert des Umgebungs- bzw.
des Bodenwassers ab. Bei pH-Werten über 7 sind zum Beispiel Mikronährstoffe
überwiegend in wasserunlöslichen Salzen gebunden.
Die meisten Pflanzen sind in einem pH-Bereich zwischen
6,5 und 7,0 kultivierbar. In der folgenden Abbildung ist die Verteilung
der Wasserpflanzen (100 Arten) auf die verschiedenen Temperatur- und pH-Bereiche
dargestellt. Es ist deutlich zu sehen, dass die meisten Pflanzen an Temperaturen
von 22-26 °C und einen pH-Wert von 6,5 bis 7,0 angepasst sind. Es sind
ca. 90% der auf diesen Seiten genannten Arten. Im pH-Bereich von 6,0-6,5
bzw. 7,0-7,5 sind es nur noch etwa 60%.
Zum Erstellen dieser Tabelle wurden 100 Aquarienpflanzen
nach den Angaben zu ihren Kulturbedingungen in der Literatur in einer Tabelle
mit den angegeben Temperatur- und pH-Bereichen verteilt. Danach wurden
die Pflanzen in den einzelnen Kategorien ausgezählt.
Wasserhärte
Für Fische ist die Gesamthärte, also die Summe
aus Calcium- und Magnesium-Ionen im Wasser, von Bedeutung, weil sie diese
Salze über die Nieren ausscheiden müssen und sie mit den Hüllen
ihrer Eier reagieren. Für Pflanzen sind Calcium und Magnesium wichtige
Nährsalze. Darum stellt für sie eine zu geringe Gesamthärte
möglicherweise einen begrenzenden Faktor dar. Darüber hinaus
kann Calcium mit Phosphat zusammen ausfallen und so einen Phopshatmangel
verursachen.
Darüber hinaus ist die Gesamthärte für
die Kultur von Wasserpflanzen ohne Bedeutung.
Interessant ist die Karbonathärte bzw. das Säurebindungsvermögen
des Wassers. Es steht in einem direkten Zusammenhang mit dem pH-Wert und
dem freinen Kohlendioxid.
(c) Wilstermann-Hildebrand 2010