Gattung Amaranthus - Amarant oder Fuchsschwanz

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Rotschwanz

´Rotschwanz´

Grünscnwanz

´Grünschwanz´

Hot Buiscuit

A. cruentus ´Hot Biscuit´

Oeschberg

´Oeschberg´ ist eine Sorte mit dunklem Laub.

Green Thumb

A. hypochondriacus ´Green Thumb´.

Tower Green

A. hypochondriacus ´Tower Green´.

Allgemeines

Der Amarant ist eine alte Kulturpflanze aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Zur gleichen Familie gehört auch die Rote Bete (Beta vulgaris), der Spinat (Spinacea oleracea), der Hahnenkamm oder Brandschopf (Celosia) und alle Melden und Gänsefuß-Arten.
Der Fuchsschwanz ist bei uns bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Damals konnte man ihn in nahezu jedem Bauerngarten finden.
Amarant wird aber wegen seiner Samen auch als Nahrungspflanze angebaut. Er findet unter anderem Verwendung in Müsli. Bereits die Inka und Maya nutzten die Körner wie Getreide. Grabbeigaben zeigen, dass die Pflanzen bereits seit mindestens 9000 Jahren in Kultur ist.
Es handelt sich nicht um eine Süßgras und darum nicht um ein echtes Getreide, sondern nur Pseudogetreide oder eine Pseudocerealie. Da Amarant frei von Gluten ist, eignet er gut als Getreideersatz bei Glutenunverträglichkeit, die als ZÖliakie oder gluteninduzierte Enteropathie bekannt ist. Von dieser genetisch bedingten Unverträglichkeit sind etwa 0,3 % der Menschen weltweit betroffen. Bei ihnen können glutenhaltige Lebensmittel (Getreideprodukte wie Brot und Nudeln) eine Entzündung der Darmschleimhaut verursachen. Meistens treten die ersten Symptome auf, wenn Säuglinge die erste getreidehaltige Beikost bekommen. Bei einigen Betroffenen zeigen sich Probleme aber erst im Alter von etwa 40 Jahren. Die Ausprägung der Symptome ist von der Ernährung und vom Lebenswandel abhängig und die Häufigkeit unterscheidet sich nach Ländern. Eine symptomatische ZÖliakie hat in den USA nur etwa 0,01% der Bevölkerung. In Großbritannien und Dänemark sind es 0,33%. Nur von ZÖliakie betroffene Menschen müssen Gluten meiden. 99,7% der WeltbevÖlkerung können ohne Risiko Getreideprodukte aus Weizen, Gerste, Roggen und Hafer essen. (siehe dazu "Unsere Nahrung").
Bei den in Amarant enthaltenen Kohlehydraten handelt es sich überwiegend um Ballaststoffe. Die Gehalte an Magnesium und Eisen sind etwa doppelt so hoch wie in Weizen oder Reis. Der Calcium-Gehalt ist sogar etwa 5 bis 8 mal so hoch. Dafür eignet sich Amarant aber leider nicht zum Backen. Die Blätter aller Arten sind als Gemüse verwendbar. A. tricolor wird als Gemüse-Amarant oder Chinesischer Spinat bezeichnet. A. dubius (Syn. A. lividus) wird in Westafrika und auf Java als Gemüse angebaut. In Deutschland war er früher als "Roter Meyer" bekannt. In Europa findet man die Blätter nicht im Handel, weil sie sich nicht lange genug halten bzw. in Europa nicht zum Verzehr angebaut werden. Sie enthalten viel Vitamin A und C. Der Anbau im Hausgarten ist unkompliziert. Die Pflanzen wird zur Ernte nahe über dem Boden gestutzt, damit sie neu austreibt und sich gut verzweigt. Gegessen werden die Blätter und Triebspitze. Sie werden wie Spinat zubereitet. Da die Pflanzen dazu neigen viel Nitrat einzulagern, wird immer empfohlen sie abends zu ernten, wenn alle niedermolekularen Stickstoffverbindungen weitgehend zu Eiweißen umgebaut wurden. Das Selbe gilt auch für Spinat und Salate. Morgens und bei trüber Witterung ist der Nitratgehalt am hÖchsten. BNedenken braucht man hier abe rnicht zu haben. Nitrat ist nur für Säuglinge und kleinkinder gefährlich, weil sie es im Körper noch nicht schnell genug verarbeiten können. Erwachsene Menschen kommen auch durch sehr nitrathaltigem Essen nicht zu schaden.(siehe dazu "Nitrat")

Es gibt etwa 60 bis 70 Arten von Amarant, die weltweit in wärmeren und gemäßigten Regionen vorkommen. In Deutschland kommen 14 Arten vor. Einige sind seit dem 19. Jahrhundert bei uns als Neophyten verwildert, andere sind bei uns von Natur aus heimisch. Die Pflanzen sind überwiegend einjährig. Sie wachsen kriechend oder aufrecht. Die Blütenstände sind lange hängende oder aufrechte ähren. Die winzigen Blüten behalten auch nach dem Verblühen ihre Farbe und sind gut für Trockensträuße geeignet. Am besten schneidet man dazu voll aufgeblüte Stängel und lässt sie hängend trocknen.
Die meisten Amarant-Arten sind anspruchslos und benötigt wenig Wasser. Man findet sie oft an Bahndämmen, Wegrändern und zwischen Schutt. Der Ufer-Amarant besiedelt allerdings sandige Flussufer und feuchte Wiesen.

Eine Anmerkung zum Namen. Im Deutschen (Duden!) wird der Amarant ohne "h" am Ende geschrieben. Der/das Amaranth ist ein roter Lebensmittelfarbstoff (E123). Im Englischen wird allerdings "amaranth" als Bezeichnung für die Pflanze verwendet. Der Gattungsname leitet sich vom griechischen amárantos = unverwelklich ab. Er wurde von einem Botaniker an das griechische ánthos = Blüte anlehnend umgewandelt und schreibt sich seither mit "th". Die ursprüngliche Bezeichung lautete "Amarantus".

Kultur

Sonnige, warme Standorte mit leichten, nicht zu nassen Böden sind ideal für die Kultur von Amarant. Eine gute Nährstoffversorgung ist die Grundbedingung für einen kräftigen Wuchs. Da die Zier-Sorten für den Garten frostempfindlich sind, sät man sie am Besten ab Ende März oder Anfang April im Haus oder Gewächshaus aus. Die Keimtemperatur liegt bei 15 bis 18 °C. Nach sieben bis vierzehn Tagen gehen die Samen auf. Die Pflanzen werden in 10 bis 12 cm Töpfe mit nährstoffreichem Substrat pikiert. Ab Mitte Mai kann man die Jungpflanzen dann ins Freiland setzen. Direktaussaat im Mai und späteres Vereinzeln ist bei A. caudatus möglich. Der Pflanzabstand beträgt 40 bis 50 cm, bei größeren Sorten mehr. Die Blüten bilden sich etwa drei bis dreieinhalb Monate nach der Aussaat. Wärme fÖrdert die Entwicklung. In kalten verregneten Jahren entwickeln sich die Pflanzen langsam und bleiben klein. Die ersten FrÖste töten die Pflanzen ab.
Ab und an können Blattläuse auftreten. An sonsten sind die Pflanzen robust und gesund. Schnecken fressen sie nicht.
Amarant kann als Kübelpflanze verwendet werden oder im Beet zwischen Sommerblumen und Stauden. Größere Sorten sind schöne Solitärs. Niedrigere sollten in Gruppen gepflanzt werden um eine schöne Wirkung zu erzielen. Besonders wertvoll ist der Fuchsschwanz, weil die Blüten sich erst zum Ende des Sommer zeigen, wenn viele andere Pflanzen bereits verblüht sind.

Arten und Sorten

Der Garten-Amarant (Amaranthus caudatus) stammt ursprünglich aus der Andenregion. Er ist nur als Kulturform bekannt. Er wird in Südamerika "Kiwicha" genannt und seit Jahrtausenden als Nahrunsgpflanze kultiviert. Heute ist er weltweit verbreitet. Dieser Amarant wird als Körnerfrucht auch im Himalaya angebaut. Doie Blütenstände sind dichtbebsetzte, spitz zulaufende ähren, die herunter hängen. Die Pflanzen werden 30 bis 120 cm hoch. Seit dem 16. Jahrhundert sind sie in Europa als Zierpflanzen bekannt.
Sorten von Amaranthus caudatus:
Zu dieser Art werden die Sorten mit den herunterhängenden, schmalen Blütenständen gezählt.
´Fuchsschwanz´ (´Red Tails´)ist eine rotblühende Sorte mit langen, verzweigten ähren.
´Grünschwanz´ (´Green Tail´) hat lange, wenig verzweigte grüne ähren, die bis zum Boden herunter hängen können. Die grünlaubige Sorte ´Pony Tails´ wird bis zu 120 cm hoch. Die langen roten oder grünen Blütenstände hängen bis zum Boden.
´Kupferberg´ ist etwa 130 cm hoch und hat orange bis kupferfarbene aufrechte Blütenstände und grünes Laub.

Der Rispen-Amarant Amarathus cruentus (Syn. A. paniculatus) stammt aus Südamerika. Sein Verbreitungsgebiet reicht heute über Mexiko bis in den Süden der USA. Dieser Amarant wird als Pseudogetreide und als Blattgemüse angebaut. Er wird zwischen 30 cm und 2 m hoch. Die Rispen sind 30 bis 50 cm lang. Die ähren sind aufrecht und verzweigt.
Sorten von Amaranthus cruentus (Syn. A. paniculatus):
´Hot Biscuit´ist etwa 80 bis 100 cm hoch. Die Blütenstände sind orange-braun.
´Oeschberg´ ist eine rot bÖühende Sorte mit kräftigen, aufrecht wachsenden ähren.
´Fat Spike´ hat aufrechte sehr voluminÖse, rote Blütenstände. Das Laub ist dunkel grün bis bräunlich.
Bei ´Marvel Bronce´ sind die Blätter dunkel bronzefarben und die aufrechten Blütenstände rot.

Der Trauer-Fuchsschwanz Amaranthus hypochondriacus wird bis zu 150 cm hoch. Die Farbe der Blätter und der Blütenstände variiert von grün bis rot. Die Blätter sind grün bis dunkel braun oder rötlich bis fast schwarz. Die Blütstände sind aufrecht und haben diecke, kurze Seitenäste. Auch diese Art wird als Pseudogetreide angebaut. Wie die vorangegangenen zwei ist sie nur als Kulturform bekannt.
Sorten von Amaranthus hypochondriacus:
´Green Thumb´ wird etwa 30 - 50 cm hoch. Sie entwickelt sich aber langsam und benötigt lange, bis sie zu ansehnlicher Größe herangewachsen ist. Die grünen Blütenstände halten bis September.
´Pigmy Viridis´ ist ´Green Thumb´ ähnlich hat aber spitz zulaufende Blütenstände. ´Pigmy Torch´ ist eine rot blühende Sorte mit bräunlichem Laub.
´Torch Deep Red´ hat sehr dunkles, fast schwarzes Laub und leuchtend rote Blütenstände.
´Tower Red´ und ´Tower Green´ haben sehr kompakte, aufrechte, dicke Blütenstände in Rot bzw. Grün. Sie werden teilweise zu A. cruentus gezählt.

Amaranthus tricolor wird als Gemüse-Amarant oder "Chinesischer Spinat" bezeichnet. Die Art stammt ursprünglich aus Südostasien (Malaysia bis China). Die Blätter sind zwei- oder dreifarbig und werden mehr als 20 cm lang. Die Pflanzen werden etwa 130 cm hoch.
Sie benötigen sehr viel Wärme und entwickeln sich nur zufrieden stellend wenn sie im Haus vorgezogen wurden. Etwas Kalkzusatz zum Substrat soll sich positiv auswirken.
Nur in sonnigen warmen Sommern kommen die Pflanzen voll zur Entfaltung. Da sie sich langsam entwickeln, bilden sie bei uns meist keine Blütenstände bis zum Ende der Vegetationsperiode. Attraktiv sind die Pflanzen durch ihr farbiges Laub.
Sorten von Amaranthus tricolor:
Sie sind Blattschmuckpflanzen, die bei uns kaum zur Blüte kommen. Die Sorten entwickeln sich in kalten, verregneten Sommern nicht ideal. Weder die WuchshÖhe noch die typische Sortenfärbung wird dann ausgebildet.
´Perfecta´ ist eine bis 85 cm hohe Sorte mit auffällig orange-roten Hochblättern.
´Early Splendor´ ist dunkellaubig mit auffallend rot-gelben, gekräuselten Hochblättern. Die Pflanze wird etwa 80 - 100 cm hoch. Die Sorte ´Splendens Perfecta´ wird etwa 85 cm hoch und hat grün-rote Blätter, die im Idealfall auch einen Gelbanteil zeigen. Eine weitere Sorte ist die gelb-rot-grüne ´Josephs Coat´. Sie wird etwa 50 bis 60 cm hoch.

Splendens Perfecta

Die Blätter von ´Splendens Perfecta´ sollten in Grün, Rot, dunkel Rot und Gelb leuchten.
Im feucht-kalten Sommer 2011 wurde die typische Ausfärbung und auch die Höhe von 120 cm nicht erreicht.

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Literatur:
F. KÖhlein (2002): Alte Bauerngartenpflanze in modernem Gewand.- Gartenpraxis 4, 17 - 21

Rothmaler (2002): Exkursionsflora von Deutschland - Gefäßpflanzen-Grundband.- Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg und Berlin

W. Ehrhardt (2010): Bunte Fuchsschwänze für den Wechselflor.- Gartenpraxis 5, 52 - 57

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© Wilstermann-Hildebrand 2000 - 2015