Teichnapfschnecken (Acroloxidae) und Flussnapfschnecken (Ancylidae) 
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Teichnapfschnecke (Acroloxus lacustris)
Flussnapfschnecke (Ancylus fluviatilis)
Flachen Mützenschnecke (Ferissia wauteri)


 


In vielen Aquarien findet man winzige, durchscheinende Schnecken. Ihre Gehäuse sind flach und nicht gewunden. Sie haben keinen Gehäusedeckel und sind zwittrig. Es wird vermutet, dass sie sich überwiegend durch Parthenogenese vermehren.
Die kleinen Napfschnecken im Süßwasser sind nicht mit den Meeresnapfschnecken verwandt. Vielmehr gehören die Flussnapfschnecken (Ancylidae) zur Verwandtschaft der Schlammschnecken. Die Teichnapfschnecken (Acoloxidae) sind dagegen näher mit den Tellerschnecken verwandt. Bei beiden Familien wird im Embryonalstadium ein normales, gewundenes Gehäuse angelegt. Beim vollentwickelten Tier ist dann aber nur noch die napfartige Schale zu sehen. Süßwassernapfschnecken gehören zwar zu den Lungenschnecken, aber ihre Lungenhöhle ist zurückgebildet. Ein Zipfel des Mantels und im begrenzten Maße auch der Rest der Hautoberfläche dienen der Sauerstoffaufnahme aus dem Wasser. Der Körper ist immer vollständig vom Gehäuse bedeckt.
Napfschnecken leben in fließenden oder stehenden Gewässern auf Steinen oder an Holz. Sie fressen Kieselalgen, Algenaufwuchs und verrottende Pflanzenteile. Diese Tiere richten im Aquarium keinen Schaden an, sehen bei Massenvermehrung aber wirklich unattraktiv aus.
 

Die kleinen Napfschnecken im Aquarium sind
zwar lästig, richten aber keinen Schaden an.
Hier vermutlich Ferissia wauteri.

Zu den einheimischen Arten gehört die Teichnapfschnecke (Acroloxus lacustris). Sie sitzt häufig an Schilf. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit den lästigen Schildläusen, die wir von unseren Zimmerpflanzen kennen, werden sie manchmal als "Schilfläuse" bezeichnet. Sie saugen jedoch keinen Pflanzensaft. Ihr Gehäuse ist dünn, durchscheinend hornfarben, bis 7 mm lang, 3,5 mm breit und 1,6 mm hoch. Die zipfelige Spitze zeigt im Gegensatz zu den anderen beiden hier beschriebenen Napfschnecken-Arten nach links hinten. Der Körper ist von der Schale immer völlig bedeckt. Die Gelege sind rund und glasklar. Sie haben einen Durchmesser von 2-4 mm und enthalten bis zu 10 Eier. Teichnapfschnecken sind in langsamen Fließ- und in Stillgewässern an Pflanzen zu finden. Die Art ist, mit Ausnahme des äußersten Nordens, in ganz Europa verbreitet und nur stellenweise selten. Sie sind weniger empfindlich für Sauerstoffmangel als die Flussnapfschnecke (Ancylus fluviatilis). Die Art war um 1930 in Aquarien weit verbreite. Vermutlich wurden sie immer wieder beim „Tümpeln“ mit eingeschleppt. Die Tiere werden in Wassertiefen bis zu 13 m gefunden. Sie sind Wirte für verschiedene Parasiten. Zur Familie der Acroloxidae gehören 4 weitere europäische Arten, die nur in Südeuropa endemisch vorkommen. Allerdings gibt es auch in anderen Teilen der Welt Acroloxus-Arten. Die Rocky-Mountain-Napfschnecke (Acroloxus coloradensis) kommt zum Beispiel in Gebirgsflüssen der Rocky Mountains vor.

Das Gehäuse der Flussnapfschnecke (Ancylus fluviatilis) ist bis 7 mm lang, 6,5 mm breit und 3,5 mm hoch. Es ist durchscheinend weißlich bis braun. Die Spitze zeigt nach rechts hinten. Ein Gelege hat einen Durchmesser von 2-4 mm und umfasst 3-10 Eier. Nach drei bis 4 Wochen schlüpfen die Jungen. Sie leben etwa ein Jahr. Diese Art benötigt bewegte Gewässer und steinigen Untergrund. Sie ist in den Brandungszonen von Seen und in Flüssen zu finden. Auch relativ saure Gewässer bieten ihr gute Lebensbedingungen. Mit zunehmender Steigerung der Wasserqualität hat sich diese Art weiter ausgebreitet. Sie ist in ganz Europa häufig.
 

Flussnapfschnecke auf einem Blatt der Sumpfschraube


 

Bei der Flachen Mützenschnecke (Ferissia wauteri) ist das Gehäuse 3,2 mm lang, 1,5 mm breit und 1 mm hoch. Die Spitze ist stumpf und zeigt nach rechts hinten. Die Tiere leben in Fließ- und Stillgewässern in ganz Deutschland. Sie stellen keine hohen Ansprüche an die Wasserqualität und sind recht unempfindlich gegenüber hohen Temperaturen, Sauerstoffmangel und Austrocknung. Sie lebt auf Pflanzen und Ästen im Wasser. Es wird vermutet, dass sich diese Art überwiegend durch Jungfernzeugung fortpflanzt.
Ursprünglich stammt diese Napfschnecke aus Nordamerika. Sie wurde nach Europa eingeschleppt und ist mittlerweile in ganz Deutschland verbreitet. Das Tier auf dem Bild stammt aus einem Altarm der Mosel. Vermutlich gehören die meisten Napfschnecken in unseren Aquarien zu dieser Art.
 

Literatur:

H. W. Ludwig (2003): Tiere und Pflanzen unserer Gewässer - Merkmale, Biologie, Lebensraum und Gefährdung.- BLV-Verlagsgesellschaft mbH, München